Aus dem Besitz des Historikers und Theologen Gottfried Bessel, Abt von Göttweig

[Bardili, Johann Wendel]. Des Weyland Durchl. Printzens Maximilian Emanuels Hertzogs in Würtemberg etc. [...] Reisen und Campagnen durch Teutschland in Polen, Lithauen, roth und weiß Reußland, Volhynien, Severien und Ukrainie. [...] Nebst der Reys-Beschreibung von Pultawa nach Bender.

Stuttgart, auf Kosten des Authoris, 1730.

(12), (2), 453 [recte: 451; 177/178 übersprungen] SS., Bl. 454-456, 457-480 [recte: 470], 481-653, (1) SS. Mit gest. Portraitfrontispiz. Blindgepr. Schweinslederband der Zeit über Holzdeckeln auf 4 Bünden mit Bogenfriesrollen um ovales goldgepr. Wappensupralibros auf beiden Deckeln. Dreiseitiger Rotschnitt. 2 intakte Schließen. 8vo.

 3.500,00

Seltene erste Ausgabe dieses Augenzeugenberichts vom Großen Nordischen Krieg, an dem der "Kleine Prinz" Maximilian Emanuel von Württemberg-Winnental (1689-1709) auf schwedischer Seite bis zur Schlacht bei Poltawa teilnahm. Auf seinen Reisen wurde Maximilian vom Prediger J. W. Bardili (1676-1740, Enkel des Mediziners Carl Bardili) begleitet, der später den vorliegenden Bericht verfasste. Enthält zahlreiche interessante landeskundliche Beobachtungen, darunter zu Weißrussland, Smolensk, Sewerschtschina, Wolyn oder ausführlich zur Ukraine: "Das Land, das man die Ukrainie heisset, ist vortrefflich fruchtbar, und trägt eine solche Menge Getrayd, daß sie solche nicht wohl verschliessen können, daher ein grosser Theil dessen zu Brantwein gebraucht wird, dessen sie nicht allein grosse Liebhaber seynd, sondern auch eine grosse Quantität zu haben pflegen. Das Gras ist fett [...]. Bey diesem Futter ziehen [die Kosacken] sehr dauerhaffte Pferdte, die sie biß ins 6te und siebende Jahr Sommers und Winters auf dem Felde lassen, und denn erst auffangen, und nach und nach an den Zaum und unter den Sattel gewöhnen" (S. 422). Ab S. 481 schließt sich ein anonymer Bericht über die weiteren, vom osmanischen Reich mitgeprägten Ereignisse an (türkische Gefangenschaft Karls XII. in Bender).

Papierbedingt teils etwas gebräunt bzw. braunfleckig. Der Zwischentitel vor der "Reise-Beschreibung von Pultawa nach Bender" (S. 481 ff.) irrig nach die Vorstücke gebunden. Auf beiden Deckeln das goldgeprägte Wappensupralibros des Benediktiners und Wissenschaftlers Gottfried (Johann Georg) Bessel (1672-1749). Der aus dem Odenwald gebürtige Gelehrte war der wohl bedeutendste Abt des Stifts Göttweig (1714-49), das er nach dem Brand im Jahr 1718 nach Plänen von Johann Lucas von Hildebrandt wiederaufbauen ließ. Aufgrund seiner wegweisenden Forschungen zu Urkundenlehre und historischen Hilfswissenschaften auch "deutscher Mabillon" genannt, verfasste er das Chronicon Gotwicense und wirkte 1714-16 als Rektor der Universität Wien.

Estreicher XII, 370. Warmholtz 5546. ADB XXI, 76.