[Album amicorum]. Stammbuch des Andreas Barthold. Fautoribus patronis atque amicis offert A. Barthold.

Stettin, Berlin, Hamburg u. a. O., 1767-1782.

53 beschriftete und ca. 50 weiße Bll. mit zus. ca. 50 Einträgen. Mit Titelblatt in Deckfarbenmalerei auf Pergament, 4 kl. Wappenminiaturen und 5 Deckfarbenbildern sowie Federzeichnung mit roter Tinte. Lederband der Zeit mit Rückenschildchen, reicher floraler Rücken- und Deckelvergoldung sowie dreiseitigem Goldschnitt. Qu.-gr.-8vo.

 7.500,00

Überaus reizvolles Stammbuch, das wahrscheinlich dem 1752 geborenen Andreas Barthold gehörte. Barthold, der einer wohlhabenden und ratsfähigen Stettiner Kaufmannsfamilie entstammte, besuchte als Internatsschüler die von Pastor Johann Julius Hecker 1747 gegründete "Ökonomisch-Mathematische Realschule", die spätere "Königliche Realschule", die er im Alter von etwa 16 Jahren wieder verließ. Seine weitere Ausbildung führte ihn nach Hamburg, wo er wohl Schüler an der 1768 gegründeten "Handlungs-Academie" wurde. Im Jahre 1773 scheint er nach Stettin zurückgekehrt zu sein, wo er als Kaufmann tätig war, 1778 das Bürgerrecht erwarb und im Jahr darauf heiratete. Danach verlieren sich seine Spuren. Die Mehrzahl der Einträge stammt von Lehrern und Mitschülern an der Berliner Realschule, darunter vom Gründer und Direktor Hecker sowie von einigen Adeligen, die ihr Wappen in das Stammbuch eingemalt haben. Eine zweite Gruppe bilden Hamburger Kaufleute, wohl ebenfalls überwiegend Mitschüler Bartholds. Die Stettiner Einträge dürften meist von Verwandten und engen Freunden stammen.

Die eigentliche Besonderheit des Stammbuchs aber machen neben den ca. 15 identifizierbaren Beiträgern einige sehr dekorative Deckfarbenminiaturen aus, die teils von bekannten Künstlern stammen, wie die Darstellung einer Kanalanlage mit Schiffern von Christian Gottfried Mathes (1738-um 1805), datiert 1768, und eine Küstenlandschaft von Johann Carl Wilhelm Rosenberg (1737-1810), datiert Stettin 1781. Der Porträt-, Landschafts- und Architekturmaler Matthes ist, wie Friedrich Nicolai berichtet, "Bildnismaler und Zeichenmeister an der Berliner Realschule" gewesen. Rosenberg, der als Buchillustrator mehrfach mit dem Lehrer von Matthes, Bernhard Rode, zusammengearbeitet hat, war als Bühnen- und Dekorationsmaler, Zeichner und Radierer in Berlin tätig. Wahrscheinlich hat Barthold bei beiden Zeichenunterricht erhalten. Seine gründliche künstlerische Ausbildung zeigt sich am Titelblatt, das von ihm selbst stammen dürfte: eine Küstenlandschaft, in Rokoko-Manier ohne Rahmen auf das weiße Blatt gesetzt, in deren Mitte eine schwungvolle, einem (Augsburger?) Musterbuch übernommene Rocaille-Kartusche die Schrift einfasst. Eines der Deckfarbenbilder stammt von Bartholds späterer Frau Charlotte Sophia Friesner. Die Annahme liegt nahe, dass Barthold und seine Frau in einem künstlerischen Gewerbe tätig waren.

Rückenschildchen mit Fehlstelle, hinterer Deckel mit Abriebspuren, beschabt und bestoßen. Mehrere Bll. entfernt, stellenweise leicht fleckig und gebräunt. Sehr dekorativ gebunden.

Art.-Nr.: BN#46816 Schlagwort: