Brentano, Franz, Philosoph und Psychologe (1838-1917). Eigenh. Brief mit U.

Aschaffenburg, 6. II. 1874.

2½ SS. auf gefalt. Doppelblatt. Gr.-8vo.

An einen namentlich nicht genannten Hofrath: "Im Begriffe, an das Decanat der philosophischen Fakultät die Angabe meiner Vorlesungen zu schicken, kann ich es mir nicht versagen, auch an Sie einige Zeilen zu richten und Ihnen meine Freude darüber auszusprechen, dass es mir vergönnt sein wird, an der Seite eines so hervorragenden und als Schriftsteller und Lehrer gleich verdienten Mannes wirken zu dürfen. Da ich Wien während der Industrieausstellung besuchte, bedauerte ich lebhaft Sie nicht anwesend zu finden. Doch jetzt werde ich Gelegenheit haben, mich für das Verlorene zu entschädigen. Auch Herrn Professor Lott suchte ich damals vergeblich auf. Und nach einem kürzlich von Herrn Hofrath Lotze empfangenen Briefe darf ich kaum hoffen, ihn noch unter den Lebenden zu treffen. Er war es, welcher zuerste, von Lotze auf mich aufmerksam gemacht, meine Berufung nach Wien bei dem Herrn Unterrichtsminister befürwortete, und gerne hätte ich ihm für seine freundliche und vertrauensvolle Empfehlung meinen Dank ausgesprochen. In der Hoffnung bald die Ehre zu haben, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen [...]".

Brentano wurde 1874 als Professor der Philosophie nach Wien berufen. Davor hatte er seine Lehrtätigkeit in Würzburg beendet und sein Priesteramt niedergelegt. Zu seinen Schülern in Wien zählten u.a. Edmund Husserl, Christian von Ehrenfels, Alexius Meinong, Thomas Masaryk, Sigmund Freud und Rudolf Steiner.

Briefpapier mit durchgehendem geprägt. Stempel "Bath". Spuren alter Faltung. Rechter Rand leicht eingerissen und zerknittert. Kl. durchgehender Einriss am oberen Rand.