Utzschneider, Josef von, Techniker und Unternehmer (1763-1840). Brief mit eigenh. U.

München, 13. X. 1818.

1 S. 4to. Mit Adresse (Faltbrief).

An den Astronomen A. Littrow in Ofen (d. i. Buda) bezüglich eines Fernrohres für einen Herrn Beer, welches bei der Firma Müller Bargehr & Bolz für ihn zur Abholung und Weiterbeförderung bereit liegen würde.

Im oberbayerischen Rieden am Staffelsee geboren, konnte der Sohn eines Fischers und Kleinbauern durch Vermittlung seines Onkels - eines Kammerdieners und späteren Sekretärs der Herzogin Maria Anna von Bayern (1722-1790) Kameralwissenschaften studieren, trat dem Illuminatenorden bei, wurde 1784 Hofkammerrat bei der General-Forstdeputation und leitete nach der Ausarbeitung der Forstordnung von 1789 das Oberforstkommissariat. Von 1795-98 Direktor des bayerischen Hauptsalzamtes und 1799 in der Generallandesdirektion tätig, wurde er in das Finanzdepartement versetzt. "Seine Verbesserungspläne mißfielen indessen einem Teil der Stände, und U. wurde daher 1801 zur Disposition gestellt. Er errichtete eine Ledermanufaktur in München und 1804 mit Georg von Reichenbach und Joseph Liebherr ein mechanisches Institut, dem die von ihm in Benediktbeuern angelegte Kunstglashütte das nötige Crown- und Flintglas lieferte. Aus letzterem entstand, nachdem sich U. mit Joseph von Fraunhofer vereinigt hatte, das optische Institut, das fast ganz Europa mit astronomischen Geräten versah" (DBE). 1807 als Generaladministrator der Salinen und als Geheimer Finanzreferent wieder im Staatsdienst, wurde er 1808 nobilitiert. 1814 wegen schwerer Differenzen mit Maximilian Joseph Frh. von Montgelas seiner Ämter enthoben, gründete er eine Großbrauerei und eine Tuchmanufaktur und war - nach Restitution des Kommunalwesens - von 1818-21 erster Bürgermeister von München und von 1819 bis zu seinem Tod Mitglied der Zweiten Kammer der Ständeversammlung. 1827 wurde er zum Vorstand der neuerrichteten Polytechnischen Zentralschule ernannt.