Schubert, Franz, Komponist (1797-1828). Eigenh. Musikmanuskript (Beginn von "Erinnerungen", D. 424, und "Andenken", D. 423), im Rand von Albert Stadler bezeichnet "Franz Schubert Autograf Mai [1]816".

[Wien], Mai 1816.

2 SS. (303:146 and 302:114 mm). Gerahmt und verglast.

 75.000,00

Zwei eigenhändige Schubert-Terzette nach Texten von Friedrich Matthisson, niedergeschrieben als 19-Jähriger während eines Besuchs bei seinen Freunden Albert Stadler und Joseph von Spaun am kaiserlichen Konvikt, aus dem der junge Komponist schon 1813 ausgeschieden war. Stadler berichtete von diesen von der Konviktsleitung nicht gern gesehenen Zusammenkünften: "Spaun [versorgte ihn] mit Notenpapier, und die schaffende Feder stand nicht stille [...] Wir mußten an Sonntagen auch dem nachmittägigen Gottesdienste in der anstoßenden Universitätsstraße beiwohnen, der immer eine starke halbe Stunde dauerte. War nun Schubert bei uns, so sperrten wir ihn während dieser Zwischenzeit in der Kamerade (Wohn- und Studierzimmer) ein, gaben ihm ein paar Flecken Notenpapier und irgendeinen Band Gedichte, der eben bei der Hand war, damit er sich einstweilen die Zeit vertreibe. Wenn wir aus der Kirche zurückkamen, war gewöhnlich etwas fertig, das er mir auch gerne überließ. Solch kleinere Kompositionen in flagranti besitze ich noch in Urschrift, als: [...] dreistimmig [...] 'Am Seegestad' in lauen Vollmondnächten' [und] 'Ich denke dein, wenn durch den Hain' [...]" (Deutsch, Drei neue Matthison-Terzette, S. 56). Beide Melodien hatte Schubert bereits 1814 als Lieder für eine einzelne Stimme komponiert (D. 98/99). Die beiden oben links mit "I" und "II" römisch numerierten Blätter bildeten wohl ursprünglich das Fuß- bzw. das Kopfende großer Folioblätter, die ober- bzw. unterhalb des hier Vorhandenen beschnitten wurden; ein nach oben rechts weisender Pfeil von etwas späterer Hand stellt den Anschluss innerhalb des Lieds "Andenken" her. Der Inhalt umfasst im einzelnen: Blatt 1) Beginn eines Streichquartettes von Albert Stadler (D. Anh. I, 4); verso "Erinnerungen" (D. 424); "Andenken" (D. 423) Takte 1-6. Blatt 2) Fortsetzung: Takt 7-Schluß; einige gestrichene Notenentwürfe in Bleistift; verso einige schwach erkennbare Noten in Bleistift und die Bezeichnung "Autographe" von Stadlers Hand. "Ursprünglich gehörte noch der Abschnitt zu Bl. 1 mit der Fortsetzung des Stadlerschen Streichquartetts und D. 428 sowie ein weiterer, verschollener Abschnitt zu Bl. 2 dazu" (Deutsch). Provenienz: 1978 in der Sammlung Auguste Loderer, Frankenburg (OÖ).

Deutsch 423-424 & Anhang I, 4. Erstausgabe: NGA 1974. Vgl. O. E. Deutsch, Drei neue Matthisson-Terzette von Schubert, in: Festblätter für das 10. Dt. Sängerbundfest Wien 1928 (1927), S. 55-59.

Art.-Nr.: BN#34223 Schlagwörter: ,