Mit 26 Kupferstichen - Exemplar des bayerischen Hofbibliothekars

Mezger, Joseph, OSB. Historia Salisburgensis, hoc est, vitae episcoporum, et archiepiscorum Salisburgensium, nec non Abbatum monasterii S. Petri.

Salzburg, Johann Baptist Mayr, 1692.

(40), 1278, (56) SS. Mit gest. Frontispiz, gest. Faltkarte und 24 (zumeist gefalteten) gest. Tafeln. Blindgepr. Schweinslederband der Zeit mit Bogenfriesbändern und barocken Blattwerksrollenstempeln auf 5 flach gearbeiteten Bünden; hs. Rückenschildchen um 1718. Dreiseitiger Farbschnitt. Folio (212:320 mm).

Erster Druck der ersten Ausgabe von Mezgers monumentaler Chronik Salzburgs (Berichtszeit 582-1687), mit Viten der Erzbischöfe und der Äbte des Benediktinerklosters St. Peter. Das vorliegende Exemplar aus dem Besitz des Münchner Hofbibliothekars Johann Caspar Kandler ist das einzig vollständige, das bislang nachweisbar war, und enthält mehr Tafeln als jenes der österreichischen Nationalbibliothek und alle vom VD 17 verzeichneten Exemplare. Unter den meistens völlig fehlenden, nie aber wie hier komplett vorkommenden Tafeln von Philipp Kilian, Melchior und Johanna Sibylla Küsell nach Johann Friedrich Perret hervorzuheben sind die herrliche großformatige Ansicht von Gastein, die Ansichten von Domplatz, Hofplatz und Hauptplatz sowie die zahlreichen hochbarocken Triumphpforten, außerdem die prächtige Karte des Erzbistums (hier ohne die bekrönende Allegorie). Während die fünf in den letzten zwei Jahrzehnten versteigerten Exemplare gänzlich ohne Kupfer waren (bzw. in einem Fall fünf Kupfer aufwiesen), kam 1999 ein separater "Tafelband" zur Auktion, der nur 20 zu einem flachen Folianten gebundene Stiche versammelte. Gegenüber dem von Nebehay/Wagner gelieferten Tafelverzeichnis sind in unserem Exemplar nicht vorhanden zwei Triumphpforten (sowie ein weiterer, erst nach 1699 herausgegebenen Drucken beigegebener Stich), dafür aber zwei andere, dort nicht angeführte Kupfer, nämlich eine andere Pforte sowie eine Darstellung des Martyriums des Heiligen Maximus, welche als vierte Tafel die Folge zur Gertrudenkapelle und Einsiedelei des Hl. Maximus abschließt. Anders als bei Nebehay/W. angegeben, weist die großformatige Prozessionstafel noch eine darunter von separater Platte eingestochene Legende mit Titel auf, wodurch der Festakt auf den 18. Oktober 1682 datiert wird. "Die Kupferstichbeilagen in den verschiedenen Exemplaren variieren sehr stark. Alle 25 Tafeln konnten bisher noch in keinem Exemplar festgestellt werden. Insbesondere die Tafel, die eine Datierung von 1699 aufweist, kann selbstverständlich nur in Exemplaren, die nach dieser Zeit herausgegeben wurden, vorkommen." Das 1 Bl. "Apologia" und die 18 separat paginierten Seiten am Schluß, die Nebehay/W. noch angeben, sind bei keinem anderen Exemplar nachweisbar (auch vom VD 17 nicht genannt) und dürften einen nur im Einzelfall beigebundenen Appendix darstellen, der nicht zum eigentlichen Werk gehört.

Paginierfehler: S. 552 springt zurück auf 551, S. 1206 hingegen vor auf 1209, daher 1278 SS. wie paginiert (nicht 1280, wie häufig falsch angegeben: Lage Xxxxxxx umfaßt nur 3 Blätter!); damit komplett. Durchgehender Wasserrand; Vortitel mit kl. Eckauriß (ohne Textberührung); die Tafeln gelegentlich mit kl. Randeinrissen. Bl. Zzz2 mit Eckausriß (Berührung der Seitenzahl; alt hinterlegt). Am vorderen Innendeckel und Vortitel hs. Besitzvermerk "Ex libris Joannis Kandleri Monacensis" (dat. 1706). Der bayerische Gelehrte Johann Kaspar Kandler (1644-1718), Sohn eines Bierwirtes und Vater des für die bayerische Akademiegeschichte bedeutenden Augustinerpaters Agnellus Kandler (1692-1745), begab sich nach dem Besuch des Münchner Jesuitenkollegs in kurbayerische Dienste. Bis 1693 war er Sekretär der bayerischen Reichtstagsgesandtschaft in Regensburg; anschließend wurde er als Geheimer Registrator nach München berufen, wo er später auch Hofbibliothekar war. Nach seinem Tod gelangte der Band in die Bibliothek der Münchner Augustinereremiten (entspr. hs. Besitzvermerk, datiert 1718, am Drucktitel). Das Kloster wurde 1803 säkularisiert; das Gebäude beherbergt heute das Polizeipräsidium München.

VD 17, 12:127505M. Nebehay/Wagner II, 414. Graesse IV, 514. Jöcher III, 1573. Wetzer/Welte VIII, 1475. Deuticke, Salzburg, 420 (Exemplar ohne die Tafeln). Graesse IV, 514.