Teilnachlass der Mätresse des Kaisers

Schratt, Katharina, Schauspielerin (1853-1940). Sammlung von Briefen, Karten, Telegrammen u. a. an die Schauspielerin von über 50 Verfassern, darunter Johann Strauß, Hans von Wilczek, Helene Odilon, Max Devrient, Hugo Thimig, Victor Tilgner, Wilhelmine Sandrock, Hansi Niese, Adam Müller, Müller-Guttenbrunn, Francis Saville, Franz Tewele u. a.

Verschiedene Orte, 1885-1907.

Zusammen 182 SS. auf 130 Bll. Verschiedene Formate.

 15.000,00

Korrespondenzsammlung aus dem Nachlaß der Katharina Schratt, die einen schönen Überblick über den gesellschaftlichen Umgang und die soziale Stellung der als Vorleserin der Kaiserin Elisabeth an den Hof gelangten und dann schließlich mit Franz Joseph bekannt gewordenen Schauspielerin bietet. Wenngleich auch die an sie gerichteten Briefe durchwegs schon aus der Zeit ihres bekannt engen Verhältnisses zum Kaiser stammen, findet dieses hierin explizit natürlich nie Erwähnung. Auch über den Gegenstand der vom Walzerkönig Johann Strauß so überschwenglich gelobten Liebenswürdigkeit der Schratt kann daher nur spekuliert werden: "Von Ihrer Liebenswürdigkeit dermassen ausgezeichnet zu werden hat meine Wenigkeit in der so bescheidenen Form meiner Erinnerung wohl nicht verdient. Ich sage Ihnen meinen herzlichsten Dank.

Daß diese von Ihnen empfangene Stütze mich auf allen meinen Wegen begleiten wird, [ich] sie als kostbares Gut hoch in Ehren halten werde, dessen seien Sie gnädige Frau stets versichert [...]" (J. Strauß. Eigenh. Brief m. U. 2 SS. Wien, 25. XII. 1894). Besonderes Interesse verdient in diesem Zusammenhang das Schreiben Hans von Wilczeks an die Geliebte des Kaisers, gibt es doch wenn schon nicht Aufschluß, so doch zumindest Hinweis auf die enge Beziehung zwischen dem österreichischen Forschungsreisenden und der "lieben Kathi", wie Wilczek sie hier apostrophiert: "[...] Ich bin so viel als möglich von Wien fort - als ich aber gestern Abend 11 Uhr in die Herrengasse kam - sagte mir mein Portier daß gegen ½10 Uhr [...] telephonirt wurde.

Ich wollte aber nicht me[h]r anfragen da es 11 Uhr war - bitte um Verzeihung u.

nicht böse sein! Kann ich etwas thun? [...]".

Auch erfährt man, daß der seinerzeit geschätzte Dichter Adam Müller-Guttenbrunn eigens ein Stück für sie geschrieben hatte, das Lustspiel "Die lächelnde Gräfin": [...] Es ist selbstverständlich, daß ich bereit bin, eventuelle Wünsche bezüglich der Titelrolle jederzeit zu erfüllen. Auch muß der Hof, von dem die Gräfin kommt, nicht just der Wiener sein. Dadurch könnte das Stück vielleicht burgtheaterfähig werden. Niemand hat das Manuscript des Stückes gesehen, niemand weiß von seiner Existenz, es kam ganz jungfräulich in Ihre Hände [...]" (2. VI. 1905).

Von Helene Odilon, ihrer Schauspielkollegin, die als eine der ganz großen Darstellerinnen ihrer Zeit galt und nach einem Schlaganfall Ende d. J. 1903 ein so tragisches Schicksal erleiden sollte, findet sich ein verzweifelter Hilferuf an die Schratt: "Die Verzweiflung ließ in mir den Gedanken reifen, hochgeehrte Frau, Sie um Hilfe zur Erlangung meines [...] Menschenrechtes zu bitten. Ich flehe Sie um Rettung an! Retten Sie mich - ich flehe Sie an. Meine körperliche und seelische Leidensgeschichte ist zu lange. Mit zunehmender Besserung meines körperlichen Zustandes wuchs die seelische Marter der Curatel u. wurde zur Qual u. heute ist sie ein Gespenst, vor welchem ich in Todesangst zittere [...]" (Br. v. 25. XII. 1906, 6 SS.).

Abgerundet wird die Sammlung durch einige Ephemera aus dem ehemaligen Besitz Kathi Schratts, darunter Rechnungen und Einladungen sowie ein von ihr selbst ausgestellter Wechsel über 170 Gulden.

Joan Haslip, The Emperor & the Actress: The Love Story of Emperor Franz Josef & Katharina Schratt (New York, 1982).

Art.-Nr.: BN#23434 Schlagwörter: , , , ,