Geschichte

Gründung 1883

Firmengründer Hermann Gilhofer (1852–1913) und seine Frau Helene
Firmengründer Hermann Gilhofer (1852–1913) und seine Frau Helene

„Rascheste und solideste Ausführung“ aller Aufträge versprach Hermann Gilhofer seinen Kunden in der vom August 1883 datierenden Eröffnungsanzeige der Buchhandlung Gilhofer, die er kurz zuvor im Haus Bognergasse 2 (zugleich Tuchlauben 3) eingerichtet hatte. Schon im Folgejahr, am 1. Oktober 1884, trat Heinrich Ranschburg als Gesellschafter in das von diesem Zeitpunkt an als „Gilhofer & Ranschburg“ firmierende Unternehmen ein. Er war es, der dem von Hermann Gilhofer geleiteten Sortiment den Geschäftszweig des Antiquariats hinzufügte und so jene Firma begründete, die binnen weniger Jahre zu einer der bedeutendsten ihrer Branche auf dem Kontinent werden sollte.

Das goldene Zeitalter: Jahrhundertwende bis Zwanzigerjahre

Blick durch die Bognergasse. Das zum Gründungzeitpunkt noch bescheidene Geschäftslokal ist in der Bildmitte links zu erkennen.

Bereits 1903, zum Zeitpunkt des Austritts des Firmengründers Hermann Gilhofer, war es Heinrich Ranschburg gelungen, „seinem Geschäfte einen Weltruf zu verschaffen, nicht nur wegen der zielbewußten, gediegenen und vornehmen Führung seines großen Betriebs, sondern vor allem wegen der von ihm veranstalteten Bücher- und Kunstauktionen, die Käufer aus der ganzen Welt nach Wien brachten“ (so 1910 die Oesterreichisch-ungarische Buchhändler Correspondenz, S. 67).

Für die gut gefüllten Regale der Firma war neben Kapitalkraft und engagierter Ankaufspolitik natürlich auch ein ebensolcher Mitarbeiterstab verantwortlich. Am Regal stehend der im Jahr 1900 in die Firma eingetretene und bis 1946 dort tätige Carl Gruber

Bis 1912 hatte man bereits 102 Lagerkataloge und 99 Angebotslisten herausgebracht; 35 Auktionen, darunter jene der Bibliotheken Trau, Metternich und Schreiber, waren erfolgreich abgehalten worden. Binnen eines Jahrzehnts folgten noch die legendären Versteigerungen mit den Doubletten der Albertina, den Sammlungen des Prinzen Dietrichstein sowie die Auktionen mit dem Großteil der Bücher aus den Bibliotheken der Zarin Katharina II. sowie der Zaren Nikolaus I. und Alexander, schließlich auch noch die komplette Miniaturensammlung aus Zarskoje Selo.

Das Lager des Antiquariats umfasste zu diesem Zeitpunkt nicht weniger als 300.000 Bücher, 100.000 Kupferstiche und Lithographien sowie 25.000 Autographen. Um dieses „auf entsprechender Höhe zu erhalten“, musste die Firma freilich schon damals, wie der Wiener Kommunal-Kalender 1912 schreibt, die „großen Auktionen in London, Paris, Leipzig und München persönlich“ besuchen.

E. P. Goldschmidt (1887–1954), gebürtiger Wiener aus niederländischer Familie, hatte in Cambridge studiert, war selbst Sammler und galt Kollegen als „der gelehrteste Antiquar, den es je gab“. 1923 übersiedelte er nach London, wo er sein eigenes Geschäft eröffnete.

Nach dem Tod Heinrich Ranschburgs im Jahr 1914 und dem Ausscheiden des 1902 eingetretenen Prokuristen Dr. Ignaz Schwarz übernahmen Dr. Ernst Philipp Goldschmidt und Wilhelm H. Schab die Geschäftsführung.

Seit 1926 war Gilhofer Alleinbeauftragter für den Verkauf der Gutenberg-Bibel des Benediktinerklosters St. Paul im Lavanttal. Nach Bildung eines Konsortiums und über Vermittlung des Chemieindustriellen und Sammlers Otto Vollbehr gelang schließlich 1930 der Verkauf der Bibel an die Library of Congress. Als das schönste der 48 erhaltenen Exemplare des wohl begehrenswertesten Buchs überhaupt ist sie dort in einer ständigen Ausstellung zu sehen.

1938: „Anschluss“ und Arisierung

Die Firmenfassade in den späten 1920er und 1930er Jahren

Die Ereignisse des Jahres 1938 beendeten mit einem Schlag die bisherige Erfolgsgeschichte des Unternehmens: Wilhelm Schab und der mittlerweile an Stelle Goldschmidts in das Unternehmen eingetretene Erbenvertreter Otto Ranschburg wurden vom weiteren Schicksal ihrer Firma getrennt. Schab war gezwungen, mit dem Münchner Antiquar Hans W. Taeuber in Verkaufsverhandlungen zu treten; nach deren Abschluss ging Schab nach New York, wo er unter eigenem Namen ein Antiquariat gründete, das später von seinem Sohn fortgeführt wurde. Otto Ranschburg emigrierte ebenfalls nach New York, wo er schließlich das Antiquariat Lathrop C. Harper übernehmen sollte.

Nachkriegszeit und Restitution

Geschäftsportal 1946. Die Blütezeit des Unternehmens war beendet, die zuvor international tätige Firma auf den Binnenmarkt zurückgeworfen.

Nach entsprechenden Anträgen ihrer Voreigentümer stand die Firma seit 1947 unter öffentlicher Verwaltung; Friedrich Hoffmann war zu ihrem interimistischen Leiter bestellt worden. Am 8. April 1949 verfügte die Rückstellungskommission endlich die Rückgabe des mittlerweile als Gilhofer KG firmierenden Unternehmens an seine rechtmäßigen Besitzer, die Nachkommen Heinrich Ranschburgs und William H. Schab. Danach kam es zu einer abschließenden Einigung zwischen Taeuber, Schab und den Erben Ranschburgs, in deren Zuge auch die Beteiligungsverhältnisse an der Gilhofer KG neu geordnet wurden. 1952 beendete der Katalog Nr. 292 (Zoologie und Botanik) die erste Folge der seit der Firmengründung zuvor durchlaufend numerierten Kataloge.

Neuanfang in den 1950er Jahren

Geschäftsfassade 1958

Mit dem 1958 erfolgten Eintritt Rudolf Hoffmanns (ab 1988 Alleineigentümer) konnte die Firma wieder an ihre alte Reputation anknüpfen. Durch unermüdliche Reisetätigkeit und die Erkundung neuer Einkaufsmöglichkeiten gelang es ihm, den Namen Gilhofer wieder auf dem internationalen Markt präsent zu machen und die Wiener Stellung der Firma, als das – in den Worten der Presse vom 1. Oktober 1983 – „erste Haus am Platz“ zu festigen.

1983: Hundert Jahre Gilhofer

Rudolf Hoffmann (1921–93) gemeinsam mit seinem Kompagnon Werner Taeuber (1920–88) auf der Gründungsmesse der Stuttgarter Antiquariatsmesse (1962)

Zu ihrem hundertjährigen Jubiläum war die Firma zumindest in Wien wieder Synonym für eine ganze Branche: „der – mit üblicher wienerischer Leichtigkeit aller Titel entledigte und mit einem simplen ‚der‘ geadelte – Gilhofer“. Allein die Korrespondenz zu diesem Jubiläum füllt drei Archivordner; neben den wichtigsten Vertretern des internationalen Handels und der großen Bibliotheken stellten sich auch zahlreiche Privatsammler und langjährige Freunde des Unternehmens mit ihren Glückwünschen ein. Zu letzteren zählte der mittlerweile über achtzigjährige Otto Ranschburg, der „hochverehrte Senior der Firma“, der seinen „lieben Freunden“ am 20. September 1983 aus New York „alle guten Wünsche und Gratulationen“ übermitteln konnte.

2005: Inlibris Gilhofer Nfg.

Seit 2005 setzt Inlibris von der Wiener Rathausstraße aus die Tradition des Hauses Gilhofer fort

2004/05 übernahm die Inlibris GmbH, 1993 gegründet von Hugo Wetscherek, das traditionsreiche Unternehmen. Wetscherek, ausgebildet im Wiener Antiquariat Christian M. Nebehay, führte die Erfolgsgeschichte des Hauses Gilhofer fort mit den Verkäufen namhafter Nachlässe wie denen des Kafkafreunds Robert Klopstock und des Regisseurs Max Reinhardt, aber auch von Sammlungen wie den letzten in Privatbesitz befindlichen großen Wittgenstein-Manuskripten und von mehreren herausragenden Briefen Martin Luthers. Erst 2017 erwarb das Haus im Dorotheum fürs eigene Lager das teuerste jemals in Österreich versteigerte Buch – ein auch in den internationalen Medien beachtetes Ereignis.

Internationale Messetätigkeit: auf der Sharjah International Book Fair in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Seit über einem Jahrzehnt stark im Mittleren Osten engagiert, zählt das Haus Inlibris Gilhofer Nfg. heute auch einige der wichtigsten Museen und Nationalbibliotheken der arabischen Halbinsel zu seinen Kunden. Im Rahmen seiner engen geschäftlichen Beziehungen nach China wiederum gelang dem Unternehmen unter anderem der Verkauf des bedeutendsten noch in privater Hand befindlichen Marx-Manuskripts: Es erzielte den höchsten Preis, der je für eine nicht-musikalische Handschrift bezahlt wurde, das Doppelte des bislang von Kafkas Process-Manuskript gehaltenen Rekords.

Expansion

Ein Blick auf den Eingangsbereich zu unserem Ausstellungsraum in Wien

Von Anfang an hat Inlibris nicht nur mit Kunden, sondern auch mit Kollegen die Kooperation gesucht. Wir sind stolz darauf, einige unserer ehrgeizigsten und erfolgreichsten Projekte gemeinsam mit Freunden abgeschlossen zu haben.

Seit über 25 Jahren arbeiten wir immer wieder mit Kotte Autographs (Roßhaupten) zusammen. Eine unserer letzten gemeinsamen Unternehmungen war die Einrichtung eines Schauraums für herausragende Stücke im Dachgeschoß oberhalb unserer langjährigen Büroräumlichkeiten – logische Folge einer fast schon zwei Jahrzehnte währenden gemeinschaftlichen Ausstellungstätigkeit auf den wichtigsten Messen der westlichen Welt.

Das imposante Portal der Sharjah Publishing City, Firmensitz der Inlibris FZE sowie Standort unseres dortigen Büros und Lagers

Unsere Messeabenteuer im Mittleren Osten teilen wir zumeist mit dem niederländischen Antiquariaat Forum, das sich – wie andere Kollegen – entschieden hat, für einzelne Erwerbungen sich mit uns zusammenzutun. Die Suche nach neuen und aufregenden Einzelstücken hat uns schon vor Jahren mit noch einem weiteren herausragenden niederländischen Händler zusammengeführt, Konstantinopel Rare Books.

Zur Kundenpflege und vereinfachten Geschäftsabwicklung auf drei Kontinenten werden heute eigene Geschäftsrepräsentanzen in den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterhalten. Inlibris LLC in New York entstand bereits 2013 als unabhängiges Unternehmen; unser Schauraum und Büro in Sharjah wurden 2017 als Inlibris FZE gegründet, eine 100%-Tochter der Inlibris GmbH in Wien.