Wedel, Georg Wolfgang, Mediziner (1645-1721). Eigenh. Brief mit U. ("GWedelius").

Jena, 23. VIII. 1708.

1 S. Qu.-8vo. Verso Siegelreste und eh. Adresse (Faltbrief).

 1,800.00

Schöner Gelehrten- und Freundschaftsbrief an seinen Kollegen Günther Christoph Schelhammer (1649-1716) in Kiel, über Iatrochemie sowie die Aussicht, trotz seines fortgeschrittenen Alters noch einmal Vater zu werden: "Non respondi hactenus gratissimis tuis, in quibus nil quicquam desidero, quam ut Philosophiae Chimicae, si ita loqui fas est, superstructae illi Peripaticae, paulo faventior reddaris, inprimis post, quam universalis medicinae, seu artis divinae, experimento laudatissimo Paykulii, vere adepti, sed infelicis, lux clarior emicuit, cum aliis. B. Posnero nostro olim persuadere sum annisus, ut, saltem ex hypothesi, chimica principia admitteret & doceret, sed maluit ille carere fructu praesentaneo, quam aures dare. Ego vero persuasissimus sum, cum meis, esse hanc philosophiam genuinam, facillimam, maiestati divinae congruam, & utilissimam. Delector iam apprime publicis lectionibus Physiologicis, quibus iam occupor denuo, in excolendis utrisque. Una vero insignissime, quod Deus O. M. coniugi lectissimae clementissime benedixerit, mihique in senio prolem, divinae singularis signum gratiae concessurus sit, quam suo tempore exosculabimur [...]".

Der Medizinprofessor Wedel, Doktorvater des Adressaten und einer der herausragenden Universitätslehrer des 17. Jahrhunderts, war Schüler des Jenenser Naturforschers Werner Rolfinck. Ab 1685 fürstlich sächsischer Leibarzt und seit 1694 kaiserlicher Pfalzgraf, war er einer der bekanntesten Vertreter der von Franciscus Sylvius vermittelten Paracelsischen Iatrochemie. "Hervorstechend ist besonders die Korrespondenz zwischen Schelhammer und Wedel. Es existieren insgesamt 69 Briefe [...] Die ausführliche Korrespondenz zwischen Wedel und Schelhammer läßt auf eine Freundschaft zwischen den beiden Männern schließen. Sie tauschten auf diese Weise ihre Forschungsergebnisse aus und erörterten medizinische und chemische Fragestellungen. Aber auch private Angelegenheiten und Sorgen sind diskutiert worden. Die gegenseitige Anerkennung der beiden Mediziner kommt u. a. in den Anreden ihrer Briefe zum Ausdruck" (Spanke). Der Adressat Schelhammer, Ziehsohn und Neffe Rolfincks, lehrte Botanik in Helmstedt, dann auch Chirurgie in Jena, bevor er 1695 auf den Kieler Lehrstuhl für Medizin berufen wurde. Der Leibarzt der Herzöge von Gottorf, wie Wedel Verfechter der Iatrochemie, ist auch bekannt als Korrespondent von Leibniz, der ihn schätzte. Sein 1704 verfasstes Hauptwerk, die "Ars medendi vindicata", erschien erst 1747 posthum.

In der oberen rechten Ecke etwas spätere hs. Numerierung "CIV" (wohl von der Hand des Herausgebers Christian Stephan Scheffel, 1730er Jahre); unten rechts von derselben Hand die Numerierung "33". Der Brief fehlt im von Hildegard Spanke erstellten Zensus der Wedel'schen Korrespondenz.

Spuren zeitgenöss. Faltung; am unteren Rand kl. Ausriss von der Siegelöffnung (keine Textberührung). Sehr schön erhalten.

Gedr. (mit Abweichung) in: C. S. Scheffel (Hg.), Fasciculus epistolarum selectiorum a Schelhammerum (Leipzig 1740), S. 367f., Nr. 104. Nicht bei: H. Spanke, Die Korrespondenz Georg Wolfgang Wedels (1645- 1721), in: Nouvelles de la republique des lettres 2 (1982), S. 115-131.

Stock Code: BN#44004 Tags: ,