Burckhardt, Jacob, Kulturhistoriker (1818-1897). Eigenh. Brief mit U. ("JBurckhardt").

Basel, 30. VIII. 1890.

3½ SS. auf Doppelblatt. Gr.-8vo.

 3,500.00

An den namentlich nicht genannten Kunsthistoriker und Museumsdirektor Oskar Eisenmann (1842-1933): "In Ihrem werthen Schreiben vom 19. d., das ich nach einer Ferienabwesenheit vorfand, beruhigt mich zunächst Ihre Zusicherung im Postscriptum, daß meine etwaige Ansicht über die Mediceergräber nicht in der öffentlichen Fehde verwerthet werden solle [...] Dieser Tage werde ich auch an Hrn. Habich schreiben, dessen herrliche Zweite Lieferung während meiner Abwesenheit hier anlangte. Vor einiger Zeit wird der verehrte Freund Sie vielleicht von einem kleinen Beitrag zur Tischplattenfrage unterhalten haben, welchen ich ihm übermachte. Es scheint mir nämlich daß die Außenseiten der Flügel des Altars Holbein's im Freiburger Münster, wenigstens das äußerste Bild links (S. Augustin & das auf der Erde sitzende Kind) dieselbe Hand mit der Tischplatte verrathen, soweit eine Miniaturarbeit mit Sachen großen Maßstabs kann verglichen werden. Freilich wird damit nur ab ignoto ad ignotum verwiesen, wie oft aber nehme ich Ihr herrliches Geschenk, die große Photographie vor mich und meine, es müsse am Ende gelingen, den Meister zu errathen. Und am Ende bringt unverhofft ein Zufall die Lösung [...]." - Edward Habich (eig. George Eduard, 1818-1901) betrieb eine Brauerei in Boston. Seine bedeutende Kunstsammlung war zeitweilig als Depositum in der Kasseler Galerie und wurde 1892 versteigert (Jahrbuch der kgl. preußischen Kunstsammlungen 1. 1880, SS. 17-29). Burckhardts Zuschreibung der Außenflügel des Oberriedaltars im Freiburger Münster an Holbein gilt inzwischen als falsch.

Oskar Eisenmann war von 1876 bis 1908 Direktor der Kasseler Galerie, "gestaltete 1887 zusammen mit Bredius die Sammlungen des Mauritiushauses neu, organisierte 1888/89 die Überführung und Katalogisierung der Gemäldesammlung des Welfenhauses nach Hannover und erreichte 1900 die Neugestaltung der Karlsruher Kunsthalle" (DBE).

Aus dem Besitz von Kurt Martin (1843-1933), dem ehemaligen Generaldirektor der Kasseler Gemäldegalerie.

Abgedruckt in: Jacob Burckhardt: Briefe. Vollständige und kritisch bearbeitete Ausgabe. Mit Benützung des handschriftlichen Nachlasses hergestellt von Max Burckhardt. 10 Bde. Basel, Schwabe, 1949-1986 (Gesamtregister 1994). Bd. IX. Ebd., 1980, Nr. 1317.

Papierbedingt leicht gebräunt, sonst wohlerhalten.

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