Press archives

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Several of the collections and archives we offered during the past years generated considerable media attention both at home and abroad. Sometimes this attention proved helpful in selling a formerly unknown or merely unappreciated item. The following list contains most of the press features published about us since the mid-1990s, including not only important events (some comprising more than 50 international news items), but also shorter articles, often concerning a sale remarkable for the price realized.

Themen

Press archives: Iffland

Evangelischer Pressedienst
27.03.2014

Nachlass von August Wilhelm Iffland wieder in Berlin

Berlin (epd). Mehr als sechs Jahrzehnte galt der Nachlass des bedeutenden Berliner Theatermannes August Wilhelm Iffland (1759-1814) als verschollen. Seitdem das Konvolut unvermittelt im Angebotskatalog der diesjährigen Antiquariatsmesse in Ludwigsburg aufgetaucht war, bemühte sich das Land Berlin um eine Rückführung der 34 Bände mit 6.000 Schriftstücken. Mit Erfolg, wie der in Rückführungsfragen versierte Rechtsanwalt Peter Raue am Mittwoch in der Bundeshauptstadt verkünden konnte.

Die Dokumente aus Ifflands Zeit als Direktor des Königlichen Nationaltheaters zu Berlin kehrten nunmehr als Schenkung zurück. Die Briefe, Bühnenbildentwürfe, Regiepläne sowie Kostüm- und Besetzungsverzeichnisse repräsentieren deutsche Theatergeschichte zwischen 1796 bis 1814 auf eine Weise, die es nach Ansicht von Fachleuten neu zu entdecken gilt. Denn die Dokumente zeigen Iffland nicht nur als künstlerischen Leiter eines der damals bedeutendsten deutschen Theater. Sie geben auch Einblicke in sein Wirken als Verwaltungsdirektor, technischer Leiter und Finanzdirektor, sagte Direktor Uwe Schaper vom Berliner Landesarchiv.

Dokumentiert ist beispielsweise Ifflands schlichtendes Eingreifen in einen handfesten Streit zweier Musiker, die ihre Unstimmigkeiten lautstark vor Publikum austrugen. In einem anderen Fall habe er das Schuldenproblem eines Schauspielers geregelt, der sich mit seinem Hausbau offenbar übernommen hatte. Schließlich geht es in den Dokumenten auch um Umbesetzungen bei Krankheit oder plötzlichen Todesfällen sowie um ein offenes Ohr für enttäuschte Hoffnungen, wenn sich die Erwartungen einzelner Schauspieler an die Vergabe bestimmter Rollen nicht erfüllten.

Der Iffland-Forscher Klaus Gerlach von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften nannte den zurückgekehrten Nachlass „das handschriftliche Monument des Berliner Nationaltheaters“. Anders als in Weimar, wo der Theaterleiter Johann Wolfgang Goethe ausschließlich für künstlerische Fragen zuständig war, offenbare Ifflands Nachlass neben einem ästhetischen Programm auch die damit verbundenen ökonomischen Abläufe. „Das Berliner Theater unter seiner Leitung war für die Herausbildung einer bürgerlichen Theaterkultur mindestens ebenso wichtig wie das Weimarer Theater“, sagte Gerlach.

Der Bestand soll nunmehr mit einem digitalen Forschungsprojekt wissenschaftlich ausgewertet und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Mindestens ebenso interessant indes ist die geradezu groteske Geschichte des Konvoluts in den vergangenen 60 Jahren. Den Nachlass des Schauspielers, Intendanten und Dramatikers habe er 1949 in einem Ost-Berliner Abrisshaus gefunden, behauptet der heute 90-jährige Berliner Theaterwissenschaftler Hugo Fetting. Das renommierte Wiener Antiquariat Inlibris zahlte ihm dafür 50.000 Euro. Als der Bestand der Akademie der Künste angeboten wurde, lehnte sie ab. Rechtsanwalt Raue sprach von einem „Kurzschluss“ der Akademie, die mittlerweile bedaure, „damals kein Interesse gezeigt zu haben“.

Neues Interesse regte sich spätestens im Zusammenhang mit der diesjährigen Antiquariatsmesse, nachdem bekannt geworden war, dass dort das Iffland-Konvolut für 450.000 Euro angeboten werden sollte. Mit Rechtsgutachten und in längeren Verhandlungen wurde schließlich zur Rückgabe nach Berlin eine gütliche Einigung erzielt. Dabei lege das Wiener Antiquariat Wert auf die Feststellung, dass es die Bestände „dem Land Berlin geschenkt habe“, betonte Raue. Inlibris erhielt lediglich 15.000 Euro als Aufwandsentschädigung für entstandene Kosten im Zusammenhang mit den Rückführungsverhandlungen.

Gegen Fetting läuft weiterhin ein Verfahren bei der Berliner Staatsanwaltschaft. Seine Version vom Fund der historischen Dokumente hält Rechtsanwalt Raue für unglaubwürdig, zumal wissenschaftliche Arbeiten als Quelle für den Iffland-Nachlass Archivstandorte in Ost-Berlin nennen. Fetting seinerseits habe auf konkrete Nachfrage erklärt, er wisse nicht, wohin die Bestände gelangt seien, sagte Klaus Gerlach, der 2004 vergleichende Forschungen zur Berliner und zur Weimarer Klassik begann.

Thomas Bickelhaupt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
27.03.2014

[Aus Urheberrechtsgründen verweisen wir auf <http://fazarchiv.faz.net>.]

Regina Mönch

Angst vor Anwaltskosten

Im Krieg David gegen Goliath, Berlin gegen den Wiener „Inlibris“-Geschäftsführer Hugo Wetscherek, musste David aufgeben. Anstatt 450.000 Euro für die Iffland-Akten zu bekommen, musste er sie jetzt Berlin schenken. Zu groß war die Angst vor den Anwaltskosten, die ihn ruiniert hätten. Stattdessen muss er sich mit 15.000 Euro aus Berlin abspeisen lassen.

Es geht um einen Kulturschatz: August Wilhelm Iffland, der wichtigste Theatermann Preußens, spielte für Schiller und Goethe und baute das Schauspiel in Berlin auf. Sein Nachlass war lange verschollen. 2012 bot das Wiener Antiquariat „Inlibris“ im ersten Beirk die 34 Bände zum Verkauf an. „Inlibris“-Chef Hugo Wetscherek wollte auf einer Messe 450.000 Euro für die Dokumente.

Berliner rettete Briefe aus Trümmern der Staatsoper
Dazu sollte es nie kommen. Berlin sah den Iffland-Schatz als „nationales Kulturgut“, wollte die Dokumente zurück und zeigte den Berliner Verkäufer, der die Bände nach Wien weitergegeben hatte, an. Der Sammler Hugo Fetting (90) wehrte sich: „Ich habe die Dokumente doch vor der Zerstörung gerettet!“ Fetting will sie bereits 1952 in den Trümmern der kriegszerstörten Staatsoper in Ost-Berlin entdeckt haben. Wetscherek soll 50.000 Euro dafür bezahlt haben. Bereits im Oktober 2013 hatte sich das Antiquariat mit der Berliner Akademie der Künste über andere Teile der Sammlung geeinigt und Dokumente zur Theatergeschichte zurückgegeben, die einst im Akademiebesitz waren. Zu der Vereinbarung gehörten ausdrücklich nicht die Iffland-Dokumente.

Wetscherek: „Anwaltskosten hätten mich umgebracht“
Nun ist der Rechtsstreit geschlagen, dem Wiener Antiquariat blieb nichts anderes übrig, als die Bücher herzuschenken. Geschäftsführer Hugo Wetscherek ist allerdings nach wie vor überzeugt, die Sammlung von dem 90-jährigen Hugo Fetting rechtmäßig erworben zu haben, was auch in der nunmehrigen Schenkungsurkunde vermerkt sei, so der Antiquar. „Ich habe mich einfach nicht getraut, das durchzuprozessieren“, so Wetscherek. Das Prozessrisiko sei ihm eindeutig zu groß gewesen. „Schon allein die Anwaltskosten der Gegenseite hätten mich umgebracht.

Berlin speiste Wiener mit 15.000 Euro ab
Am Dienstag musste Wetscherek die wertvollen Dokumente an einen Spediteur übergeben. „Ich habe lediglich darum gebeten, dass mir keine Kosten erwachsen.“ Das Land Berlin übernahm die Kosten, zahlte dem Wiener 15.000 Euro .

Dokumente kommen ins Internet
Die Dokumente sollen jetzt digitalisiert und ins Internet gestellt werden. Es handelte sich um Tausende Seiten von Briefen, Regieplänen, Kostüm -und Besetzungslisten.

APA/red.

Berlin übernimmt Tausende Briefe und Manuskripte des legendären Schauspielers und Theaterdirektors August Wilhelm Iffland (1759-1814). Mit der Übernahme von Teilen des Nachlasses aus einem Wiener Antiquariat sei das Archiv des einstigen Leiters des Berliner Schauspielhauses am Gendarmenmarkt für die Öffentlichkeit gerettet, so der Chef der Berliner Staatskanzlei, Björn Böhning. Berlin zahle dem Antiquariat 15.000 Euro für Unkosten. Die 34 Bände mit 6000 Briefen, Manuskripten und Besetzungslisten waren zunächst für 450.000 Euro auf einer Messe in Ludwigsburg angeboten worden. Berlin hatte Zweifel an den Eigentumsverhältnissen angemeldet. Letztlich habe man sich mit dem Antiquariat gütlich einigen können, sagte der Anwalt Peter Raue als Rechtsbeistand Berlins.

Berlin erhält den Nachlass des Schauspielers und Intendanten August Wilhelm Iffland zurück

Berlin. Mehr als sechs Jahrzehnte galt der Nachlass des bedeutenden Berliner Theatermannes August Wilhelm Iffland (1759-1814) als verschollen. Seitdem das Konvolut im Angebotskatalog der diesjährigen Antiquariatsmesse in Ludwigsburg aufgetaucht war, bemühte sich das Land Berlin um eine Rückführung der 34 Bände mit 6000 Schriftstücken. Mit Erfolg, wie der Rechtsanwalt Peter Raue am Mittwoch verkündete.

Die Dokumente aus Ifflands Zeit als Direktor des Königlichen Nationaltheaters zu Berlin kehren nunmehr als Schenkung zurück. Die Briefe, Bühnenbildentwürfe, Regiepläne sowie Kostüm- und Besetzungsverzeichnisse repräsentieren deutsche Theatergeschichte zwischen 1796 bis 1814. Die Dokumente zeigen Iffland nicht nur als künstlerischen Leiter eines der damals bedeutendsten deutschen Theater. Sie geben auch Einblicke in sein Wirken als Verwaltungsdirektor, technischer Leiter und Finanzdirektor, sagte Direktor Uwe Schaper vom Berliner Landesarchiv.

Der Iffland-Forscher Klaus Gerlach nannte den zurückgekehrten Nachlass „das handschriftliche Monument des Berliner Nationaltheaters“. Anders als in Weimar, wo der Theaterleiter Johann Wolfgang Goethe ausschließlich für künstlerische Fragen zuständig war, offenbare Ifflands Nachlass neben einem ästhetischen Programm auch die ökonomischen Abläufe. „Das Berliner Theater unter seiner Leitung war für die Herausbildung einer bürgerlichen Theaterkultur mindestens ebenso wichtig wie das Weimarer Theater“, sagte Gerlach. Der Bestand soll nun wissenschaftlich ausgewertet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Ebenso interessant ist die groteske Geschichte des Konvoluts in den vergangenen 60 Jahren. Den Nachlass des Schauspielers, Intendanten und Dramatikers habe er 1949 in einem Ost-Berliner Abrisshaus gefunden, behauptet der heute 90-jährige Berliner Theaterwissenschaftler Hugo Fetting. Das renommierte Wiener Antiquariat Inlibris zahlte ihm dafür 50 000 Euro. Gegen Fetting läuft ein Verfahren bei der Berliner Staatsanwaltschaft. Seine Version vom Fund der historischen Dokumente hält Rechtsanwalt Raue für unglaubwürdig.

EPD

Er war der wichtigste Theatermann Preußens: August Wilhelm Iffland (1759–1814) spielte für Schiller und Goethe und machte das Königliche Nationaltheater in Berlin als Direktor zur ersten Bühne des Landes.

Sein lange verschollener Nachlass kehrt nun nach einem Rechtsstreit nach Berlin zurück – gegen eine Zahlung von 15.000 Euro an ein Wiener Antiquariat, das die 34 Bände von einem Privatmann für 50.000 Euro erworben hatte. Die mehr als 6000 Seiten enthalten Briefe, unveröffentlichte Aufsätze zum Theater, Regiepläne, Kostüm- und Besetzungslisten. 2013 war das Konvolut im Katalog der Ludwigsburger Messe Antiquaria aufgetaucht, wo es für 450.000 Euro angeboten wurde. Berlin hatte daraufhin Zweifel an den Eigentumsverhältnissen angemeldet.

Wien/Berlin – Berlin übernimmt Tausende Briefe und Manuskripte des legendären Schauspielers und Theaterdirektors August Wilhelm Iffland (1759-1814). Es handelt sich dabei um jene 34 Bände, die das Wiener Antiquariat „Inlibris“ 2012 um kolportierte 50.000 Euro gekauft hatte.

APA/dpa

Bücher sollte man nicht ausleihen, man muss sie besitzen. Bei der 28. Ludwigsburger Antiquaria konnte man sich mit besonderen Exemplaren eindecken, bis auf den angekündigten Iffland-Nachlass.

Während Buchhandlungen in den Innenstädten Sorge haben, ihre Leser an das digitale Universum zu verlieren, zeigten sich die Antiquare in Ludwigsburg am Samstag selbstbewusst und gelassen. Als Händler des Besonderen bieten sie Gedrucktes, Gemaltes sowie Geschriebenes aus den letzten Jahrhunderten an und finden dabei nicht nur Liebhaber, sondern auch Käufer.

Die diesjährige Antiquaria geht allerdings in die Ludwigsburger Messegeschichte ein, weil die Veranstaltung in der Musikhalle schon im Vorfeld vom Gerangel um den 35-bändigen Nachlass des Schauspielers und Theaterdirektoren August Wilhelm Iffland (1759 bis 1814) überschattet wurde. Ifflands Korrespondenzbuch hatte das Wiener Antiquariat Inlibris für 450.000 Euro im Angebot. Nachdem dies bekannt wurde, und ein Streit um den rechtmäßigen Besitz des Konvoluts entbrannt ist, ruhen die Bände bei einer Anwältin.

Am Samstag war von dieser Aufregung kaum etwas zu spüren. Gleichwohl fanden sich die Liebhaber alter Bücher zahlreicher als in den Jahren zuvor ein, und der im Foyer aufgebaute Stand von Inlibris fand seine angemessene Aufmerksamkeit. Petra Bewer, Organisatorin der alljährlichen Antiquaria, hat schon im Vorfeld deutlich gemacht, dass sie die Angebote der Aussteller im Einzelnen nicht prüfe. Der ganze Vorgang um den Iffland-Nachlass sei einmalig, etwas Vergleichbares habe sie noch nicht erlebt.

Im medialen Dunst rund um Iffland geriet das eigentliche Thema der diesjährigen Antiquaria, „Zensur“ etwas in den Hintergrund, wurde aber nicht verdrängt. In zahlreichen Büchern steckte ein Zeichen mit einem roten „Z“, was es dem Suchenden leichter machte. Darunter „Josefine Mutzenbacher“, die auf dem Index stehenden „Essais“ von Michel de Montaigne und der 1936 im Exilverlag Querido erschienene Roman „Mephisto“ von Klaus Mann.

Als Insider der Antiquaria gilt der Ludwigsburger Buchhändler Jürgen Fetzer, der seine Schätze sonst in der Bogenstraße anbietet. In der Musikhalle fällt der Antiquar mit grüner Latzhose und ungewöhnlichem Angebot auf. Fetzers Schwerpunkte sind Kunstbücher aus Japan, China, Indien und die Literatur des 20. Jahrhunderts in Erstausgaben. Der Iffland-Fall habe der Antiquaria viel Aufmerksamkeit gebracht, sagte er. Auch mit Blick auf die Umsätze zeigte sich Fetzer am Samstag zufrieden. Wobei er den Sammlern doch auch ein schönes Bücherthema anzubieten habe.

Jörg Palitzsch

Wien/Berlin (APA/dpa) – Er war der wichtigste Theatermann Preußens: August Wilhelm Iffland spielte für Schiller und Goethe und baute das Schauspiel in Berlin auf. Sein lange verschollener Nachlass ist jetzt wieder in der Stadt. Dabei handelt es sich um jene 34 Bände, die das Wiener Antiquariat „Inlibris“ im Jahr 2012 von einem Privatsammler gekauft hatte. Nun gibt es eine Schenkungsvereinbarung.

Nach einem Rechtsstreit erhält Berlin Tausende Seiten von Briefen, Regieplänen, Kostüm -und Besetzungslisten wieder. Mit der Übernahme des Nachlasses sei das Archiv des langjährigen Leiters des Berliner Nationaltheaters für die Öffentlichkeit gerettet, sagte der Chef der Staatskanzlei, Björn Böhning (SPD), am Mittwoch. Berlin hat dem Antiquariat 15.000 Euro für dessen Unkosten bezahlt.

Die Akten waren im Vorjahr von „Inlibris“ für 450.000 Euro auf einer Messe in Ludwigsburg angeboten worden, worauf Berlin Zweifel an den Eigentumsverhältnissen anmeldete. „Inlibris“-Geschäftsführer Hugo Wetscherek ist allerdings nach wie vor überzeugt, die Sammlung von dem 90-jährigen Hugo Fetting rechtmäßig erworben zu haben, was auch in der nunmehrigen Schenkungsurkunde vermerkt sei, so der Antiquar zur APA. „Ich habe mich einfach nicht getraut, das durchzuprozessieren“, so Wetscherek. Das Prozessrisiko sei ihm eindeutig zu groß gewesen.

Dennoch verhehle er nicht, dass er, „wenn ich Ressourcen gehabt hätte“, sein Recht durchgefochten hätte. „Aber schon allein die Anwaltskosten der Gegenseite hätten mich umgebracht“, gibt sich Wetscherek, der das Konvolut gestern an den Spediteur übergeben hat, geschlagen. „Ich habe lediglich darum gebeten, dass mir keine Kosten erwachsen.“ Das Land Berlin hat nun seine Anwaltskosten übernommen.

Die 34 Bände mit 6.000 Briefen und anderen Manuskripten galten als verschollen. Die Akten seien ein bedeutendes Zeugnis der Berliner Theatergeschichte, sagte der Direktor des Landesarchivs, Uwe Schaper. Klaus Gerlach von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sagte, der Nachlass zeichne die Entstehung der Berliner Theaterkultur nach. Die Dokumente sollen jetzt digitalisiert und ins Internet gestellt werden.

Das Antiquariat hatte den Nachlass sowie weitere Dokumente zur Berliner Schauspielgeschichte vom Ost-Berliner Theaterwissenschafter Hugo Fetting für kolportierte 50.000 Euro erworben. Fetting hatte beteuert, die Dokumente in den Ruinen der kriegszerstörten Staatsoper entdeckt zu haben. Nachdem Berlin seine Ansprüche angemeldet hatte, zog „Inlibris“ die Iffland-Akten aus dem Angebot zurück. Bereits im Oktober 2013 hatte sich das Antiquariat mit der Berliner Akademie der Künste über andere Teile der Sammlung geeinigt und Dokumente zur Theatergeschichte zurückgegeben, die einst im Akademiebesitz waren. Zu der Vereinbarung gehörten ausdrücklich nicht die Iffland-Dokumente.

Das Archiv war bis 1944 im Theatermuseum im Berliner Schloss untergebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die Museumsbestände an die Berliner Staatsoper über.

Deutschlandradio
26.03.2014

Der Streit ist beigelegt.

Berlin übernimmt Tausende Briefe und Manuskripte aus dem Nachlass des Schauspielers und Theaterdirektors August Wilhelm Iffland. Die Stadt hatte die Dokumente von einem Wiener Antiquariat erhalten und dafür 15.000 Euro gezahlt. Sie waren zuvor für 450.000 Euro auf einer Messe in Ludwigsburg angeboten worden. Berlin erstattete allerdings Anzeige, weil vermutet wurde, dass der Verkäufer unrechtmäßig an die Dokumente gekommen. Letztlich habe man sich mit dem Antiquariat gütlich einigen können, hieß es.

Iffland war der wichtigste Theaterregisseur in Preußen. Für ihn schrieben Goethe und Schiller einige ihrer wichtigsten Stücke. Nach den Worten von Monika Grütters sind die Dokumente „nationales Kulturgut“.

Theatersuperstar: Die Briefe, Kostümverzeichnisse und Besetzungslisten des Schauspielers galten Jahre lang als verschollen.

Der Nachlass des preußischen Theatersuperstars August Wilhelm Iffland (1759-1814) ist wieder in Berlin. „Wir haben unsere Eigentumsansprüche geltend gemacht“, sagte Björn Böhning, Chef der Staatskanzlei und kommissarischer Kulturstaatssekretär, am Mittwoch im Roten Rathaus. Die rund 6000 Seiten, bestehend aus Ifflands Briefen, Manuskripten und Besetzungslisten, galten lange Zeit als verschollen.

Im Januar diesen Jahres tauchte das Konvolut in einem Messekatalog auf. Ein Wiener Antiquariat wollte die Schriftstücke für 450.000 Euro verkaufen. Der Berliner Theaterhistoriker Hugo Fetting hatte es zuvor für 50.000 Euro nach Österreich verkauft.

Nach Verhandlungen überlässt der Antiquar dem Land Berlin das Konvolut nun für 15.000 Euro. Das Landesarchiv verwahrt ab sofort die Schriftstücke. „Sie werden digitalisiert und ins Internet gestellt“, sagte Böhning. So soll endlich öffentlich zugänglich werden, wie Berlins Theaterbetrieb vor 200 Jahren funktionierte: Wer Freikarten bekam, wer sie sich erschnorrte, wie sich zwei Musiker lautstark vor dem Publikum stritten oder wie Theaterchef Iffland empörten Schauspielern erklärte, warum sie eine Rolle nicht bekamen.

Die Kunstexperte und Rechtsanwalt Peter Raue, Rechtsbeistand des Landes bei den Verhandlungen, räumte am Mittwoch auch mit der Geschichte auf, der mittlerweile über 90-jährige Hugo Fetting habe die Bände 1952 aus Kriegstrümmern gerettet. Nachweislich habe der Iffland-Schatz nach dem Zweiten Weltkrieg noch im Archiv der Staatsoper gelegen. Fetting, ehemaliger Mitarbeiter der Ost-Akademie der Künste, muss den Schatz demnach aus dem Archiv geschleust haben.

„Wir haben gegen Fetting Anzeige erstattet“, sagte Peter Raue. Seiner Meinung nach war Fetting nie berechtigter Eigentümer. Wie das Verfahren ausgeht, entscheidet nun die Staatsanwaltschaft.

Berliner Zeitung
26.03.2014

Berlin übernimmt Tausende Briefe und Manuskripte des legendären Schauspielers und Theaterdirektors August Wilhelm Iffland (1759-1814). Mit der Übernahme von Teilen des Nachlasses aus einem Wiener Antiquariat sei das Archiv des einstigen Leiters des Berliner Schauspielhauses am Gendarmenmarkt für die Öffentlichkeit gerettet, sagte der Chef der Berliner Staatskanzlei, Björn Böhning (SPD), am Mittwoch. Berlin zahle dem Antiquariat 15 000 Euro für Unkosten. Die 34 Bände mit 6000 Briefen, Manuskripten und Besetzungslisten waren zunächst für 450 000 Euro auf einer Messe in Ludwigsburg angeboten worden. Berlin hatte Zweifel an den Eigentumsverhältnissen angemeldet. Letztlich habe man sich mit dem Antiquariat gütlich einigen können, sagte der Anwalt Peter Raue als Rechtsbeistand Berlins.

dpa

Tausende Briefe des Berliner Theater-Machers gerettet

August Wilhelm Iffland gilt als einer der bedeutendsten Theatermacher Berlins. Der Schauspieler und Theaterdirektor des Schauspielhauses am Gendarmenmarkt wirkte bis 1814 in der Stadt und hinterließ tausende Briefe und Manuskripte. Um die Herkunft des Nachlasses gab es lange Streit.

Der Nachlass des bedeutenden Theatermachers August Wilhelm Iffland (1759-1814) kehrt nach Berlin zurück. Das Land erhält die 34 Bände mit 6.000 Schriftstücken geschenkt. Darunter sind Briefe, Bühnenbildentwürfe, Regiepläne, Kostüm- und Besetzungsverzeichnisse. Sie repräsentieren deutsche Theatergeschichte aus der Zeit von 1796 bis 1814.

Mit der Übernahme von Teilen des Nachlasses aus dem Wiener Antiquariat Inlibris sei das Archiv des einstigen Leiters des Berliner Schauspielhauses am Gendarmenmarkt für die Öffentlichkeit gerettet, sagte der Chef der Berliner Staatskanzlei, Björn Böhning (SPD), am Mittwoch. Inlibris erhalte für die Schenkung eine Aufwandsentschädigung von 15.000 Euro.

Der Iffland-Forscher Klaus Gerlach von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften nannte den zurückgekehrten Nachlass „das handschriftliche Monument des Berliner Nationaltheaters“. Anders als in Weimar, wo der Theaterleiter Johann Wolfgang Goethe ausschließlich für künstlerische Fragen zuständig war, offenbare Ifflands Nachlass neben einem ästhetischen Programm auch die damit verbundenen ökonomischen Abläufe.

„Das Berliner Theater unter seiner Leitung war für die Herausbildung einer bürgerlichen Theaterkultur mindestens ebenso wichtig wie das Weimarer Theater“, sagte Gerlach. Der Bestand soll nun mit einem digitalen Forschungsprojekt wissenschaftlich ausgewertet und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

60 Jahre lang verschollen

Interessant indes ist die Geschichte des Konvoluts in den vergangenen 60 Jahren. Den Nachlass des Schauspielers, Intendanten und Dramatikers habe er 1949 in einem Ost-Berliner Abrisshaus gefunden, behauptet der heute 90-jährige Berliner Theaterwissenschaftler Hugo Fetting. Das renommierte Wiener Antiquariat Inlibris zahlte ihm dafür 50.000 Euro.

Als der Bestand damals der Akademie der Künste angeboten wurde, lehnte sie ab. Rechtsanwalt Raue sprach von einem „Kurzschluss“ der Akademie, die mittlerweile bedaure, „damals kein Interesse gezeigt zu haben“.

Mit Rechtsgutachten und in längeren Verhandlungen wurde schließlich zur Rückgabe nach Berlin eine gütliche Einigung erzielt. Dabei lege das Wiener Antiquariat Wert auf die Feststellung, dass es die Bestände „dem Land Berlin geschenkt habe“, betonte Raue.

Gegen Fetting läuft ein Verfahren bei der Berliner Staatsanwaltschaft. Seine Version vom Fund der historischen Dokumente hält Rechtsanwalt Raue für unglaubwürdig, zumal wissenschaftliche Arbeiten als Quelle für den Iffland-Nachlass Archivstandorte in Ost-Berlin nennen.

Er war der wichtigste Theatermann Preußens: August Wilhelm Iffland spielte für Schiller und Goethe und baute das Schauspiel in Berlin auf. Sein lange verschollener Nachlass ist jetzt wieder in der Stadt. Dabei handelt es sich um jene 34 Bände, die das Wiener Antiquariat „Inlibris“ im Jahr 2012 von einem Privatsammler gekauft hatte. Nun gibt es eine Schenkungsvereinbarung.

Nach einem Rechtsstreit erhält Berlin Tausende Seiten von Briefen, Regieplänen, Kostüm -und Besetzungslisten wieder. Mit der Übernahme des Nachlasses sei das Archiv des langjährigen Leiters des Berliner Nationaltheaters für die Öffentlichkeit gerettet, sagte der Chef der Staatskanzlei, Björn Böhning (SPD), am Mittwoch. Berlin hat dem Antiquariat 15.000 Euro für dessen Unkosten bezahlt.

Die Akten waren im Vorjahr von „Inlibris“ für 450.000 Euro auf einer Messe in Ludwigsburg angeboten worden, worauf Berlin Zweifel an den Eigentumsverhältnissen anmeldete. „Inlibris“-Geschäftsführer Hugo Wetscherek ist allerdings nach wie vor überzeugt, die Sammlung von dem 90-jährigen Hugo Fetting rechtmäßig erworben zu haben, was auch in der nunmehrigen Schenkungsurkunde vermerkt sei, so der Antiquar zur APA. „Ich habe mich einfach nicht getraut, das durchzuprozessieren“, so Wetscherek. Das Prozessrisiko sei ihm eindeutig zu groß gewesen.

Dennoch verhehle er nicht, dass er, „wenn ich Ressourcen gehabt hätte“, sein Recht durchgefochten hätte. „Aber schon allein die Anwaltskosten der Gegenseite hätten mich umgebracht“, gibt sich Wetscherek, der das Konvolut am Dienstag an den Spediteur übergeben hat, geschlagen. „Ich habe lediglich darum gebeten, dass mir keine Kosten erwachsen.“ Das Land Berlin hat nun seine Anwaltskosten übernommen.

Die 34 Bände mit 6.000 Briefen und anderen Manuskripten galten als verschollen. Die Akten seien ein bedeutendes Zeugnis der Berliner Theatergeschichte, sagte der Direktor des Landesarchivs, Uwe Schaper. Klaus Gerlach von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sagte, der Nachlass zeichne die Entstehung der Berliner Theaterkultur nach. Die Dokumente sollen jetzt digitalisiert und ins Internet gestellt werden.

Das Antiquariat hatte den Nachlass sowie weitere Dokumente zur Berliner Schauspielgeschichte vom Ost-Berliner Theaterwissenschafter Hugo Fetting für kolportierte 50.000 Euro erworben. Fetting hatte beteuert, die Dokumente in den Ruinen der kriegszerstörten Staatsoper entdeckt zu haben. Nachdem Berlin seine Ansprüche angemeldet hatte, zog „Inlibris“ die Iffland-Akten aus dem Angebot zurück. Bereits im Oktober 2013 hatte sich das Antiquariat mit der Berliner Akademie der Künste über andere Teile der Sammlung geeinigt und Dokumente zur Theatergeschichte zurückgegeben, die einst im Akademiebesitz waren. Zu der Vereinbarung gehörten ausdrücklich nicht die Iffland-Dokumente.

Das Archiv war bis 1944 im Theatermuseum im Berliner Schloss untergebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die Museumsbestände an die Berliner Staatsoper über.

APA
Der Tagesspiegel
26.03.2014

Ende einer Räuberpistole: Der Iffland-Nachlass, ein aus 7000 Briefen bestehender Kulturschatz, kehrt heim nach Berlin.

Ein Kulturschatz kehrt zurück nach Berlin, so vermeldet es Björn Böhning als Chef der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters. Es geht um die umfangreiche Korrespondenz von August Wilhelm Iffland, die erst kürzlich unter merkwürdigen Umständen wieder aufgetaucht ist. Ein Iffland-Nachlass aus 34 Bänden mit rund 7000 Briefen und Schriftstücken war vom Wiener Antiquariat Inlibris im Auktionskatalog einer Messe im schwäbischen Ludwigsburg für 450 000 Euro zum Kauf angeboten worden (vgl. Tsp. vom 7. Januar 2014).

Der Wiener Antiquar hatte das Konvolut zuvor von dem heute 90-jährigen Berliner Theaterhistoriker und früheren Archivmitarbeiter der Staatsoper Unter den Linden Hugo Fetting für 50 000 Euro erworben. Fetting behauptete, die Papiere Anfang der 1950er Jahre in Ostberlin „aus einem Schutthaufen“ hinter der Staatsoper geborgen zu haben.

Iffland war zur Zeit der Weimarer und Berliner Klassik um 1800 ein hochberühmter Schauspieler und von 1796 bis zu seinem Tod 1814 Direktor des Königlichen Nationaltheaters in Berlin. Sein Korrespondenznachlass als Theaterdirektor enthält Briefe von August Wilhelm Schlegel, Johanna Schopenhauer, ein von Goethe unterschriebenes Papier, 17 Briefe des Dramatikers August von Kotzebue sowie Hunderte von Kostüm-, Besetzungs- und Dekorationsverzeichnissen zu den am Nationaltheater gespielten Stücken. Nur der Briefwechsel mit Schiller, dessen an Iffland geschickte Manuskripte und wohl auch einige Schreiben Goethes an Iffland gelten weiterhin als verschollen.

Sonderbar, dass das renommierte Wiener Antiquariat Inlibris angesichts der Umstände von einem gutgläubigen Besitz Hugo Fettings an dem ursprünglich im Berliner Stadtschloss verwahrten historischen Konvolut ausging – und die im Herbst 2013 um ein Gutachten gebetene Berliner Akademie der Künste nicht sofort Alarm schlug. Wie berichtet, hatte der Berliner Senat jedoch im Januar Besitzansprüche in Wien geltend gemacht, worauf Hugo Wetscherek, Chef der Firma Inlibris, das Verkaufsangebot für die Ludwigsburger Messe zurückzog. Nun heißt es, das Wiener Antiquariat habe die Iffland-Korrespondenzen dem Land Berlin „geschenkt“, der Senat bezahle nur 15000 Euro „Unkosten“. In Berlin soll nun das Landesarchiv zusammen mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften für die Aufbereitung und digitale Dokumentation der Manuskripte sorgen.

Peter von Becker
Der Tagesspiegel
26.03.2014

Streit um Kulturschatz beendet

Berlin erhält den Nachlass des bedeutensten preußischen Theatermachers zurück vom Wiener Antiquariat Inlibris zurück.

Der Nachlass von August Wilhelm Iffland, des bedeutendsten Theatermachers Preußens, kehrt nach Berlin zurück. Nach Informationen der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ haben sich das Land Berlin und das Wiener Antiquariat Inlibris geeinigt: Inlibris schenkt Berlin die 34 Bände mit 6.000 Schriftstücken: Es sind Briefe, Bühnenbildentwürfe, Regiepläne, Kostüm- und Besetzungsverzeichnisse – deutsche Theatergeschichte aus der Zeit von 1796 bis 1814. Das Antiquariat bekommt dafür lediglich 15000 Euro Aufwandsentschädigung.

Zum Nachlass gehören Briefe von Schlegel und Kotzebue, auch ein Schreiben von Goethe

Die Iffland-Bände galten mehr als sechzig Jahre lang als verschollen und waren erst im vergangenen Herbst wieder aufgetaucht, als Inlibris das Konvolut für 450.000 Euro auf der Ludwigsburger Messe Antiquaria verkaufen wollte.

Das Antiquariat hatte den Nachlass zuvor von Hugo Fetting, einem 90-jährigen Theaterwissenschaftler erworben. Der will sie Anfang der fünfziger Jahre in einem Abrisshaus gefunden haben.

In Fettings Berliner Wohnung standen sie sechs Jahrzehnte lang. Über den weiteren Verbleib und die Frage, wem der Kulturschatz gehört, war zuvor ein heftiger Kampf entbrannt. Den hat Berlin nun für sich entschieden.

KNA/cas

Das Archiv des preußischen Schauspielers und Theaterdirektors August Wilhelm Iffland (1759-1814) kehrt nach Berlin zurück. Nach einem Rechtsstreit erhält Berlin Tausende Seiten von Briefen, Regieplänen, Kostüm -und Besetzungslisten wieder.

Mit der Übernahme des Nachlasses von einem Wiener Antiquariat sei das Archiv des langjährigen Leiters des Berliner Nationaltheaters für die Öffentlichkeit gerettet, sagte der Chef der Staatskanzlei, Björn Böhning (SPD), am Mittwoch.

Das Wiener Antiquariat Inlibris schenkte Berlin die Dokumente, das Land zahlt lediglich 15 000 Euro für die Unkosten. Die 34 Bände mit 6000 Briefen und anderen Manuskripten galten als verschollen. Doch im vergangenen Jahr waren sie im Katalog der Ludwigsburger Messe Antiquaria aufgetaucht, wo sie für 450 000 Euro angeboten wurden. Berlin hatte daraufhin Zweifel an den Eigentumsverhältnissen angemeldet und Anzeige erstattet. Letztlich habe man sich mit dem Antiquariat gütlich geeinigt, sagte der Anwalt Peter Raue als Rechtsbeistand Berlins.

Die Akten seien ein bedeutendes Zeugnis der Berliner Theatergeschichte, sagte der Direktor des Landesarchivs, Uwe Schaper. Klaus Gerlach von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sagte, der Nachlass zeichne die Entstehung der Berliner Theaterkultur nach. Die Dokumente sollen jetzt digitalisiert und ins Internet gestellt werden.

Das Antiquariat hatte den Nachlass sowie weitere Dokumente zur Berliner Schauspielgeschichte vom Ost-Berliner Theaterwissenschaftler Hugo Fetting für 50 000 Euro erworben. Fetting hatte beteuert, die Dokumente in den Ruinen der kriegszerstörten Staatsoper entdeckt zu haben.

Nachdem Berlin seine Ansprüche angemeldet hatte, zog Inlibris die Iffland-Akte aus dem Angebot zurück. Bereits im Oktober 2013 hatte sich das Antiquariat mit der Berliner Akademie der Künste über andere Teile der Sammlung geeinigt und Dokumente zur Theatergeschichte zurückgegeben, die einst im Akademiebesitz waren. Zu der Vereinbarung gehörten ausdrücklich nicht die Iffland-Dokumente.

Das Archiv war bis 1944 im Theatermuseum im Berliner Schloss untergebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die Museumsbestände an die Berliner Staatsoper über.

dpa
Ludwigsburger Kreiszeitung
25.01.2014

Viel Wirbel gab es um den Nachlass von August Wilhelm Iffland: Hugo Wetscherek vom Wiener Antiquariat Inlibris hat gemeinsam mit seinem Partner Thomas Kotte aus Roßhaupten 34 Bände mit 6000 wertvollen Schriftstücken erworben und damit eine bundesweite Diskussion ausgelöst. Derzeit stellt Wetscherek auf der Antiquaria aus und hat sich mit uns über die Hintergründe des spektakulären Handels unterhalten.

Was ist das für ein Gefühl, mit dem Gezerre um den Iffland-Nachlass plötzlich so im Fokus der Kulturwelt zu stehen? Sie sind ja richtig berühmt geworden.

Hugo Wetscherek: Wir waren bisher auch nicht gerade unbekannt. Es gibt nicht so viele Leute, die solch ein Angebot haben. Wir hatten außerdem schon einige Auseinandersetzungen, etwa mit einer Sammlung von Franz Kafka oder auch von Thomas Bernhard. Da gab es ebenfalls diffuse Eigentumsansprüche, die sich nie durchgesetzt haben. Bei dem Nachlass von Iffland verlangen wir pro Brief 70 Euro. Derzeit werden solche Autographen aus dieser Periode mit etwa 400 bis 800 Euro pro Stück gehandelt. Man muss kein Mathematiker sein, um festzustellen, dass der Verkaufspreis von 450.000 Euro, wie im Antiquaria-Katalog zu lesen war, äußerst fair ist.

Das ist eine interessante Diskussion um Eigentum und Besitz im Zusammenhang mit antiquarischen Objekten.

Das ist tatsächlich ein spannendes Thema. Aber wir können ja nur mit Sachen handeln, die uns gehören. Alles andere wäre völlig widersinnig.

Hat sich Bruno Ganz schon bei Ihnen gemeldet? Der Schauspieler und Träger des Iffland-Rings auf Lebenszeit hat ja auf die Herausgabe der 34 Bände gedrängt.

Den Nachlass der öffentlichen Hand zu verkaufen, ist völlig in Ordnung. Wir verkaufen ungefähr ein Drittel unseres Bestandes an Institutionen, vor allem bei so großen Beständen. Einzelne Stücke wie der Brief von Martin Luther (Inlibris und Kotte waren 2013 mit dem 350.000 Euro-Stück auf der Antiquaria) oder ein Mozart-Manuskript oder ein Beethoven-Brief gehen eher in Privathände.

Was ist das für ein Gefühl, wenn man plötzlich diese verschollen geglaubten Bände in den Händen hat? Das ist ja lebendige Geschichte.

So ein großer Nachlass bedeutet für einen Händler vor allem viel Arbeit. Der geschichtliche Aspekt ist interessant, aber es kommt immer darauf an, wie sehr man sich darauf einlässt. Das Interessanteste am Iffland-Nachlass war für mich Hugo Fetting selbst. Der Mann ist 90 Jahre alt, aber wirkt gar nicht wie ein alter Mann. Wir haben von ihm einen ganzen Lastwagen mit seiner Sammlung gekauft und haben den kompletten Bestand gesichtet, aufgenommen und verlistet. Es haben vier Mitarbeiter ein Jahr daran gearbeitet. Wir haben diese Ressourcen – bei einer Institution hätte diese Arbeit mindestens drei Jahre gedauert.

Ist denn der Iffland-Nachlass so etwas Besonderes? Es ist ja nicht so, als hätte man ihn jahrzehntelang verzweifelt gesucht. Jetzt allerdings meldet das Land Berlin Eigentumsansprüche an.

Es ist wirklich ein bedeutender Bestand, natürlich. Es ist ein Unikat, wichtig für die Theaterwissenschaft, und es ist spannend. Hugo Fetting, der diesen Nachlass hatte, hat allerdings zuvor schon jahrelang versucht, ihn zu verkaufen und allen Berliner Institutionen angeboten. Die wollten nicht. Der Mann saß drei Jahrzehnte in seinem Büro in der Akademie der Künste, die Bände waren offen in seinem Regal aufgestellt. Er hat zudem darüber publiziert, es war also in der Fachwelt bekannt, dass er die Akten hatte. Wir haben ihn kennengelernt, weil er über Max Reinhardt geforscht hat und wir einen großen Bestand haben. Am Ende haben wir ja nicht nur die 34 Bände gekauft, sondern die gesamte Sammlung Fettings.

Und sich über die Herkunft Gedanken gemacht?

Wenn Sie von einem Sammlungsleiter einen ganzen Lastwagen kaufen, kontaktieren Sie natürlich dessen ehemaligen Arbeitgeber, in dem Fall die Berliner Akademie der Künste. Wir haben sie eingeladen, sich die Sachen anzuschauen und zu beurteilen. Ursprünglich haben wir sogar gedacht, die Akademie der Künste wäre unser erster Kaufinteressent.

Sie haben die Herkunft geklärt.

Wir haben keinen Grund, Fetting nicht zu glauben, der erzählt, er hätte den Nachlass in den Ruinen nach dem Krieg gefunden. Wir haben dieses Eigentum hundertprozentig erworben und uns dies von der Akademie der Künste zudem schriftlich bestätigen lassen. Am Ende gab es einen klaren Vertrag, in dem die Akademie der Künste nochmals unser Eigentum an den 34 Bänden bestätigte. Die Akademie bekam den gesamten Rest geschenkt. Die Fetting-Sammlung ist meines Erachtens die wichtigste Privatsammlung zur Theatergeschichte der Nachkriegszeit in Berlin, die jetzt bei der Akademie der Künste ist. Was diesen ganzen Irrsinn ausgelöst hat, der folgte, war, dass die Akademie einen Höhenflug gekriegt hat, nachdem sie einen ganzen Lastwagen voll geschenkt bekommen hat, mit den tollsten Sachen. Daraufhin haben sie den Berliner Kultursenat informiert, ohne diesen über unsere Vereinbarung zu informieren. Das Land hat zudem Fetting angezeigt, einen 90-Jährigen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Staatsanwaltschaft das weiter verfolgen wird, das ist lächerlich. Bei uns hätte eine Klage keinen Sinn gemacht, weil es keinerlei zivilrechtliche Ansprüche auf unseren Iffland-Nachlass gibt.

Die Bände liegen jetzt bei Ihrer Anwältin.

Genau. Wir sind derzeit in sehr aufwendigen Kaufverhandlungen mit autorisierten Vertretern Berlins. Nach all dem Wirbel ist jetzt wieder Normalität eingetreten. Im Moment geht es nur um den Preis. Ein Privater kauft sich den Nachlass sowieso nicht, irgendeine Institution wird es früher oder später kaufen. Wenn wir es nicht verkaufen, ist es aber auch nicht schlimm. Die Kafka-Sammlung haben wir zehn Jahre nicht verkauft, insgesamt haben wir 16 000 Objekte auf Lager. Das ist das Geschäft.

Seit zwei Jahren sind Sie auf der Ludwigsburger Antiquaria präsent. Was haben Sie dieses Jahr hier gefunden?

Einen Brief von Romy Schneider an eine Maria. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, wer die Empfängerin ist.

Janna Werner
Süddeutsche Zeitung
25.01.2014

[Aus Urheberrechtsgründen verweisen wir auf .]

Kristina Maidt-Zinke
Il Foglio Quotidiano
20.01.2014

In Germania riaffiorano tesori perduti: dopo i quadri di Monaco lettere, appunti e documenti di un capostipite del teatro tedesco

Non è il leggendario oro del Reno, quello venuto alla luce negli ultimi mesi in Germania, ma idealmente poco ci manca. Si tratta di veri e propri gioielli, dell’arte prima e ora della storia del teatro. Lo scorso novembre il settimanale Focus aveva lanciato lo scoop sulla „riapparizione“ di mille e più quadri di inestimabile valore. Ora invece è ricomparsa una serie di volumi che potranno dare un contributo eccezionale alla ricostruzione di uno dei periodi più significativi del teatro tedesco: gli anni a cavallo tra Sette e Ottocento. Il paragone con la saga dei Nibelunghi può apparire azzardato, eppure non lo è del tutto. Certo, al posto del perfido Hagen che affondò l’oro del Reno per sottrarlo a Sigfrido, i protagonisti sono due vecchietti, uno di ottanta e l’altro di novant’anni. Entrambi hanno però tenuto nascosto e custodito gelosamente tesori che non erano fino in fondo di loro proprietà.

Di Cornelius Gurlitt, il signore ottuagenario, e dei quadri custoditi nell’appartamento di Monaco – tra questi dei Renoir, Matisse, Picasso dati per dispersi, così come uno Chagall del quale nemmeno si conosceva l’esistenza – si è già scritto molto. Anche del fatto che, probabilmente, una parte di queste opere erano state sottratte dai nazisti agli ebrei. Il padre di Gurlitt, Hildebrand era, infatti, un noto commerciante d’arte, incaricato da Goebbels di requisire l’arte degenerata. Nuovissima (ma in alcuni dettagli simile alla vicenda Gurlitt, a iniziare dai dubbi su chi sia il legittimo proprietario) è invece la storia di Hugo Fetting, classe 1923, residente a Prenzlauer Berg, un quartiere di Berlino est. Anche Fetting per quasi sessant’anni ha custodito nel proprio appartamento 34 volumi contenenti una straordinaria raccolta di documenti, lettere e scritti vari, vergati niente meno che da August Wilhelm Iffland. Un nome che in Italia dice qualcosa solo agli appassionati di teatro, mentre in Germania Iffland – amico di Goethe e Schiller – viene considerato il nume indiscusso degli attori tedeschi. Non a caso, ancora oggi, il massimo riconoscimento alla carriera al quale un attore di lingua tedesca possa aspirare è vedersi conferire l’Iffland-Ring. Chi lo riceve lo tiene per tutta la vita e, prima di morire, è tenuto a designare chi dopo di lui lo porterà. Attualmente è l’attore svizzero Bruno Ganz a fregiarsi dell’anello. Gliel’ha tramandato, con grande sorpresa e delusione da parte dei fan di Karl Maria Brandauer, l’attore austriaco Josef Meinrad, morto nel febbraio del 1996.

Ma tornando a Iffland. Nato a Hannover, il 19 aprile del 1759, da famiglia piuttosto agiata (il padre era funzionario di corte), a soli diciotto anni era fuggito di casa. I genitori volevano che studiasse teologia, lui però era attratto dal teatro. E così era finito a Gotha, ai tempi, grazie all’Ekhof Theater, il teatro di corte della città, sede di uno dei più importanti palcoscenici di lingua tedesca. Da Gotha si sposta a Mannheim, la città del Palatinato legata al nome di Schiller: e proprio a Mannheim, nel 1782, va in scena la prima rappresentazione de „I masnadieri“. Per il ruolo del protagonista, Schiller aveva scelto Iffland e ancora oggi non c’è biografia dell’attore che non menzioni la magistrale interpretazione che fece del bandito Karl Moor. Quel successo apre a Iffland una nuova collaborazione, con Goethe che all’epoca era sovrintendente del teatro di corte di Weimar. Infine, a coronamento della sua fortunata carriera, Iffland nel 1796 otterrà la direzione del Nationaltheater di Berlino (l’odierno Konzerthaus sul Gendarmenmarkt).

Visto il personaggio, viste le sue frequentazioni, è ora più facile comprendere perché gli studiosi della storia del teatro attribuiscano così tanto valore ai quasi settemila documenti contenuti nei volumi di Fetting. Tra quelle pagine si trovano annotazioni, appunti, bozzetti di scenografie, fatture, oltre alla corrispondenza con innumerevoli personaggi illustri e non. Una varietà di contenuti che permette di completare, per esempio, il quadro che si aveva fino a oggi del lavoro di Iffland in veste di direttore del Nationaltheater. Attraverso questi documenti si comprende come fosse riuscito a coinvolgere gli attori, gli scenografi e anche operai e manovali nell’impresa di modernizzare il lavoro teatrale (dalla scenografia, alla regia, alla recitazione), sfrondandolo dai lasciti di un manierismo ormai superato. Ma sulla base delle entrate e delle uscite, meticolosamente annotate, dei salari o „gratificazioni“, come venivano chiamati i compensi degli attori, si può anche conoscere il costo di gestione di un teatro di allora. Purtroppo manca la corrispondenza con Goethe e Schiller, anche se, stando a un catalogo del 1929, nel quale vengono citati i volumi, ai tempi quelle lettere c’erano ancora. Soprattutto Schiller stimava molto Iffland e già dopo la prima de „I masnadieri“, gli aveva predetto un futuro di grandi successi. Anche il carteggio con Alexander von Humboldt non c’è più, mentre si è salvato quello con il drammaturgo – e per un certo periodo anche sovrintendente del teatro di corte di Vienna – August von Kotzebue. Per quel che riguarda la corrispondenza, il settimanale Spiegel riporta un divertente scambio epistolare tra Johanna Schopenhauer e Iffland. La signora Schopenhauer, madre del filosofo nonché scrittrice di successo (anche se poco apprezzata dal figlio) si era rivolta nel dicembre del 1804 al sovrintendente del Nationaltheater con la seguente preghiera: „Mio esimio direttore! Pur essendoVi del tutto estranea ho l’ardire di rivolgermi a Voi, con la preghiera di esaudire un mio desiderio. Un desiderio che, fatto rarissimo nella mia vita, mi induce a oltrepassare il limite della modestia. So però sin d’ora che il solo ricordo saprà procurarmi grande gioia anche in futuro, e per questo Vi chiedo se non sia possibile spostare il ‚Wilhelm Tell‘ da mercoledì a venerdì. Abito ad Amburgo e come ben saprete il nostro teatro lascia un tantino a desiderare“. Per essere persona „a lui del tutto estranea“ aveva certo un bell’ardire la signora Schopenhauer, nel chiedergli di spostare una programmazione. Iffland, da vero gentiluomo, le aveva però risposto a stretto giro di posta e con grande galanteria: „Mi sento estremamente lusingato dalla fiducia accordatami e dell’attenzione dimostrata al teatro. Volentieri farei qualsiasi cosa per poter esaudire questo Vostro desiderio, ma non foss’altro per la complicata macchina organizzativa, mi vedo confrontato con l’impossibilità di dar seguito alla mia volontà“. Sono proprio questi documenti a sollecitare l’immaginazione e a infondere vita nei libri di storia. Nonché a dare l’idea dell’importanza che il teatro rivestiva in quegli anni: in una città come Berlino, che contava 170 mila abitanti, i teatri disponevano complessivamente di duemila posti. Insomma il palcoscenico era un po‘ come il cinema oggi.

E ora è arrivato il momento di introdurre Hugo Fetting, senza il quale, chissà dove sarebbe oggi questa parte del lascito Iffland. Chi è dunque questo signore? Classe 1923, è nato a Marienhof, una località del Meclemburgo, nella Germania orientale. Da ragazzo, ha raccontato Fetting in un’intervista del 2004, si era iscritto alla Hitler Jugend per pura convenienza: la tessera gli serviva per avere la patente e così poter guidare la moto. Mandato poi al fronte, era stato ferito proprio il giorno dell’ultimo compleanno di Hitler, cioè il 20 aprile del 1945 e per questo aveva appreso nel lazzaretto della fine della guerra. Una volta tornato a casa, e pur avendo in tasca il diploma di ferroviere (mestiere esercitato anche dal padre), Fetting era riuscito a passare l’esame di ammissione per studiare germanistica, storia del teatro e dell’arte a Rostock e Berlino est. Politicamente parlando, non era un fanatico sostenitore della Ddr, ma nemmeno uno che si metteva nei pasticci per combattere il regime. Si sapeva arrangiare, e così, pur non essendosi mai iscritto al partito, negli anni Cinquanta era riuscito a entrare come collaboratore all’Accademia delle Belle Arti. Ci era rimasto per oltre vent’anni, e poi era passato all’Accademia delle Scienze. Nel 1978 aveva completato gli studi, conseguendo il dottorato in Storia del teatro. A quel punto aveva iniziato anche a collaborare con riviste del settore, scrivendo recensioni, saggi e critiche, a volte anche per giornali della Germania occidentale e per la casa editrice Reclam. Dalla sua biografia si apprende che si era specializzato nello studio del regista e drammaturgo austriaco Max Reinhardt, ma per l’esame di dottorato aveva preparato una tesi su Iffland. Oggi Fetting ammette senza problema che quella tesi l’aveva preparata attingendo in gran parte ai volumi che custodiva in casa. Ma allora non aveva detto nulla e, cosa a ben vedere ancora più sorprendente, nessuno dei docenti che avevano esaminato il suo lavoro, sembra essersi chiesto da dove mai provenissero tutte quelle informazioni su Iffland. E chissà se a domanda diretta, Fetting anche a loro avrebbe raccontato la storia che nel frattempo ha raccontato ai media. La storia è questa: doveva essere fine estate o inizio autunno del ’52. Berlino est era ancora un cumulo di macerie. Un giorno il giovane Fetting era passato nei pressi dell’edificio che un tempo ospitava la sovrintendenza dei Preussischen Staatstheater ed era in procinto di venir abbattuto. Ad attirare la sua attenzione erano state le ruspe e la gente che rovistava tra le macerie. Così si era avvicinato anche lui. E sarà stata la sua passione per il teatro, oppure semplice fortuna, fatto sta, che tra stucchi, intonaci e detriti a un certo punto aveva trovato decine di volumi che gli pareva costituissero un tutt’uno, anche se lì per lì non si era preso la briga di vedere cosa contenessero. Aveva invece chiamato un amico e facendo avanti e indietro con i mezzi pubblici più volte erano riusciti a portarli a casa tutti. Solo allora, sfogliandoli con calma Fetting si era reso conto di quel che aveva trovato.

Certo, la storia ha dell’incredibile, anche se, a differenza di Gurlitt che aveva semplicemente „ereditato“ i quadri dal padre Hildebrand, Fetting la collezione di cimeli teatrali se l’è messa insieme pezzo dopo pezzo da sé. Questo però non sgombera il campo da domande e dubbi. Per esempio, perché, una volta capito il valore del ritrovamento, non abbia mai pensato di restituirlo. Allo Spiegel ha risposto che nessuno si era mai interessato alla sua raccolta, che pure aveva offerto a diversi musei teatrali. Un’altra domanda si pone, esattamente come nel caso Gurlitt: non era possibile scoprire prima quelle opere? Gurlitt, per esempio, aveva venduto ripetutamente quadri e disegni a collezionisti e gallerie, soprattutto in Svizzera. Opere che di tanto in tanto ricomparivano alle aste. Ma nonostante fossero date per perse da quasi mezzo secolo, nessuno pare si sia mai chiesto da dove e perché sbucassero proprio ora. C’è voluto, come è stato raccontato, un banalissimo controllo di valuta su un treno Zurigo-Monaco per scoprire la Wunderkammer di Gurlitt. Un analogo dubbio viene ora riguardo a questa parte del lascito Iffland. Perché anche Fetting si è sempre mosso con grande disinvoltura o sfacciataggine, a seconda dei punti di vista. Non solo aveva fatto la tesi di dottorato usando documenti che ufficialmente risultavano dispersi, ma a pensarci bene quei volumi, li aveva rinvenuti più o meno in concomitanza con l’inizio della sua collaborazione all’Accademia di Belle Arti di Berlino est. E anche casa sua è una specie di Wunderkammer, questo almeno racconta chi in passato l’aveva frequentata. Tutti cimeli che gli erano stati dati dai legittimi proprietari, sostiene Fetting. All’Accademia aveva messo in piedi un nuovo archivio. Un lavoro eccellente a quanto pare, che gli era valso non solo la stima dei colleghi, ma anche la fiducia di molti attori, ballerini, registi, che avevano voluto affidargli i loro lasciti.

Ma la sua età oggi è parecchio avanzata, e Fetting si sarà probabilmente chiesto che ne sarebbe stato del suo archivio personale, il giorno che lui fosse morto. E così, qualche anno fa, aveva cominciato a cercare acquirenti. Per prima cosa aveva bussato alla porta dell’Akademie der Künste (di fatto l’erede naturale dell’Accademia di Berlino est). Oltre ai volumi Iffland aveva proposto anche altre preziose testimonianze, per esempio lettere di Helene Weigel, la moglie di Brecht. Ma gli archivisti dell’Accademia si erano mostrati molto sospettosi e cauti. Loro sì si erano posti la domanda sul legittimo possesso da parte di Fetting di quel materiale. E così gli avevano proposto solo un „Finderlohn“, cioè la ricompensa per il ritrovamento. Fetting non aveva accettato, e si era portato via di nuovo tutto. Era sicuro che tra gli antiquari avrebbe trovato l’acquirente che faceva al caso suo. Insomma, disposto a pagare il giusto. E, infatti, l’acquirente l’aveva trovato: Inlibris di Vienna. Hugo Wetscherek, titolare di Inlibris, non si era fidato ciecamente, ma una volta accertata l’autenticità dei documenti Iffland, gli aveva subito comperato i volumi. A un prezzo che lascia però piuttosto perplessi: 50 mila euro, una cifra irrisoria vista l’importanza di questi materiali. Una cifra ancora più incongrua se si tiene conto che Inlibris non è un mercante qualsiasi. Costituito nel 1883, è oggi, come si legge sulla sua webpage, il più importante antiquario di libri e stampe antiche in Austria. Detto altrimenti, Wetscherek doveva essere ben consapevole del valore di ciò che stava acquistando. Una consapevolezza che, in fondo, avrebbe almeno un po‘ dovuto avere anche Fetting, il quale ha passato tutta la vita maneggiando questo tipo di opere. E allora perché Wetscherek gli aveva potuto offrire una cifra così bassa e lui aveva accettato? Verrebbe da insinuare che non poteva chiedere di più, perché era merce che scottava, perché aveva sempre saputo che quei volumi non gli appartenevano. No, non è vero, ribatte cocciuto Fetting. Quei volumi gli appartenevano eccome, visto che li aveva salvati dalla distruzione. Vero, e per questo ha diritto al Finderlohn e niente più, sostiene ora il Senato di Berlino, intromessosi nella questione. Secondo l’amministrazione della città, i volumi fanno parte del lascito del Berliner Theatermuseum, un museo fondato nel 1929 dai Preussischen Staatstheatern, e che tra il 1937 e il 1945 era stato ospitato nel Lynar-Flügel, un’ala del Berliner Schloss.

Al momento comunque, i volumi si trovano bloccati a Vienna. In attesa di dirimere la spinosa questione della proprietà, il Senato di Berlino ha chiesto a Inlibris di non vendere i documenti Iffland. Inlibris voleva, infatti, metterli in vendita alla 28esima edizione di Antiquaria, la fiera del libro antico che si tiene a Ludwigsburg (nei pressi di Stoccarda), dal 23 al 25 gennaio. Sul sito della manifestazione si può consultare il catalogo, e lì dentro si trova ancora, oltre alla descrizione del lascito, anche il prezzo: 450 mila euro. Per Fetting leggere quella cifra dev’essere stato un brutto colpo.

Andrea Affaticati

Streit ums überraschend am Kunstmarkt wieder aufgetauchte Iffland-Archiv

August Wilhelm Iffland war schon zu Lebzeiten eine Legende. Als bedeutendster Theatermann Preußens hat er Goethe und Schiller zu Stars gemacht.

Er spielte den Franz Moor in der Mannheimer Uraufführung von Schillers „Räubern“, trat in Goethes Hoftheater in Weimar auf und machte das Königliche Nationaltheater in Berlin – unter seiner Leitung von 1796 bis zu seinem Tod 1814 – zur führenden Bühne.

Ein „Klassiker“ ist im Grunde die überraschende Wiederentdeckung des Iffland-Archivs: Nach dem Rechtsstreit über die Besitzverhältnisse beim jahrzehntelang im Tresor verwahrten Kafka-Nachlass ortet das deutsche Feuilleton jetzt einen weiteren „Fall Gurlitt“.

Die Parallelen: Es geht immer um Geld. Die Besitzverhältnisse sind ungeklärt und Eigentümeransprüche nach Jahrzehnten auch nur schwer bis nicht mehr nachzuweisen. Kurzum: Die Rechtslage ist schwierig.

Die Vorgeschichte

Das verschollen geglaubte Korrespondenzarchiv des berühmten Schauspielers und Theaterdirektors August Wilhelm Iffland (1759–1814) tauchte plötzlich nach Jahrzehnten wieder auf.

Unter merkwürdigen Umständen. Im Katalog der „Antiquaria“-Messe für seltene Bücher, Bilddrucke und Autografen ab 23. Jänner in Ludwigsburg bei Stuttgart, angeboten um 450.000 Euro vom Wiener Antiquariat „Inlibris“.

„Gefunden“ und „aus dem Müll vor der Vernichtung gerettet“ habe die 34 Bände mit rund 6000 Briefen aus Ifflands Korrespondenz der heute 90-jährige Ost-Berliner Theater-Historiker Hugo Fetting 1952 oder 1953 aus den Trümmern des Preußischen Staatstheaters.

Er verwahrte das theatergeschichtlich enorm wichtige Konvolut mehr als ein halbes Jahrhundert lang in seiner Privatwohnung in Ostberlin auf.

Er hätte das Material bereits mehrfach in Berlin zum Kauf angeboten, aber sei bei den städtischen Institutionen auf kein Interesse gestoßen. Deshalb verkaufte er seine umfangreiche Sammlung vor knapp mehr als einem Jahr schließlich an „Inlibris“. Um angeblich 50.000 Euro.

Komplizierte Rechtslage

Zum Iffland-Konvolut gehören Briefe von August Wilhelm Schlegel, Johanna Schopenhauer, ein Schreiben von Goethe, 17 Briefe des Dramatikers August von Kotzebue sowie Hunderte von Kostüm-, Besetzungs- und Dekorationsverzeichnissen des Berliner Theaters.

Nur der Briefwechsel mit Schiller, dessen an Iffland geschickte Manuskripte und wohl auch einige Goethe-Briefe fehlen.

Während es in der Causa Gurlitt zumindest teilweise um Raubkunst geht, spielt der Kunst-Krimi um Fetting in den Nachkriegswirren am Beginn in den Ruinen der jungen DDR.

Verzwickt ist in beiden Fällen die Eigentümerfrage. Wobei manche offenbar davon ausgehen, dass langer Dauerbesitz Eigentum begründet.

„Sammlung Fetting“

Jetzt sind die Anwälte am Zug. Die Berliner Kulturverwaltung erhebt zwar Anspruch auf das „Kulturgut von nationalem Rang“. Denn heute sei das Landesarchiv Berlin die Eigentümerin der Iffland-Akten.

Aber einerseits scheint der Nachweis schwierig. Andererseits hat die Akademie der Künste in Berlin, nachdem sie jene Akten mit Besitzstempel der Akademie zurückerhalten hatte, das „Eigentumsrecht von Inlibris“ am Iffland-Konvolut bereits anerkannt. Und obendrein schriftlich auf die Besitzansprüche daran verzichtet. Möglicherweise, ohne dazu überhaupt berechtigt gewesen zu sein.

Inlibris-Geschäftsführer Hugo Wetscherek ist sich der „problematischen Provenienz“ der „Sammlung Fetting“ bewusst, fühlt sich allerdings im Recht. Eine Klage auf Herausgabe der von der Wiener Anwältin Ingrid Schwarzinger verwahrten Iffland-Bände wurde bisher nicht eingereicht. Da die Rechtslage äußerst vertrackt und unter Umständen aufgrund von Verjährungsfristen und möglichen Lücken in der Provenienz unklar ist, könnte Berlin eine außergerichtliche Einigung anpeilen. Die sei indes für Wetscherek nur möglich, wenn der Verkaufspreis gezahlt werde. Unabhängig davon bleibt Ifflands Korrespondenz mit Schiller und Goethe weiterhin verschollen.

Werner Rosenberger
Frankfurter Allgemeine Zeitung
18.01.2014

[Aus Urheberrechtsgründen verweisen wir auf <http://fazarchiv.faz.net>.]

Saskia Müller

34 verschollen geglaubte Bände mit Korrespondenz aus dem Berliner Nationaltheater unter dem berühmten Schauspieler A. W. Iffland wurden vom Sammler Hugo Fetting nach Wien verkauft – Berlin erhebt nun Besitzansprüche.

Der Aufruhr erinnert an den „Fall Gurlitt“: Im Wiener Antiquariat „Inlibris“ ist das 34 Bände und 6000 Seiten umfassende Archiv August Wilhelm Ifflands (1759-1814), seines Zeichens Intendant des Berliner Nationaltheaters zu Goethes Zeiten, aufgetaucht. Verkauft vom 90-jährigen Theaterwissenschafter Hugo Fetting. Nun erhebt Berlin Besitzansprüche an den verschollen geglaubten Theaterschatz.

Institutionen zeigten angeblich kein Interesse

Die mediale Aufmerksamkeit rund um die „Iffland-Akten“, die derzeit bei der Wiener Anwältin Ingrid Schwarzinger verwahrt werden und vom Verkauf auf der Ludwigsburger Messe „Antiquaria“ zurückgezogen wurden, ist seit wenigen Wochen groß. Den Wiener Antiquar Hugo Wetscherek, der das Konvolut für 450.000 Euro dort angeboten hatte, beschäftigt die Causa allerdings schon bald zwei Jahre: Im Frühjahr 2012 war Hugo Fetting, der jahrzehntelang an der Berliner Akademie der Künste gearbeitet und ein umfangreiches Privatarchiv aufgebaut hatte, an das Wiener Antiquariat herangetreten.

Zahlreiche Institutionen – darunter auch die Berliner Akademie der Künste – hätten kein Interesse am Ankauf gezeigt, also überließ er sein Archiv Wetscherek. Für nicht bestätigte, aber medial kolportierte 50.000 Euro.

Unterlagen nach Berlin geschickt

Was folgte, war ein monatelanges Tauziehen von „Inlibris“ mit der Berliner Akademie, deren Stempel sich laut Wetscherek lediglich auf ein paar der Schriftstücke fanden. Da es sich jedoch um einen ehemaligen Mitarbeiter handelte, der auch die für die Akademie geführte Korrespondenz seinem Privatarchiv einverleibte, hatte Wetscherek sich dort gemeldet und einen Vertreter nach Wien eingeladen, um etwaige Stücke aus der Sammlung zu retournieren.

Im Endeffekt schickte man „eine LKW-Ladung“ mit Unterlagen wie Korrespondenz, Bühnenbildskizzen, etc. nach Berlin – als Schenkung, wie Wetscherek sagte. Im Gegenzug erhielt der Wiener Antiquar ein einseitiges Provenienzgutachten zu den Iffland-Akten, erarbeitet von Stephan Dörschel vom Archiv Darstellender Kunst, das bescheinigt, dass die Akten zu keinem Zeitpunkt im Besitz der Akademie waren, deren Mitarbeiter Fetting seit März 1952 war.

Widersprüchliche Meldungen

Exakt im selben Jahr – laut anderslautenden Medienberichten erst 1953 – will Fetting das Konvolut vor der ehemaligen Generalintendanz der Preußischen Staatstheater in Ost-Berlin gefunden haben. „Da waren auch Leute, die die Trümmer durchwühlten“, zitiert der „Spiegel“ Fetting. „Zwischen den Steinhaufen lagen Papiere und einzelne alte Bände“, die er zusammen mit einem Freund abtransportierte.

In Folge stand das Archiv gar über drei Jahrzehnte in seinem Büro der Akademie, wie eine ehemalige Mitarbeiterin in dem Provenienzgutachten zu Protokoll gab. Dort ist auch zu lesen, dass Fetting laut einem „Arbeitsbericht der Sektion Darstellende Kunst“ für das 1. Quartal 1953 die „Vorbereitung der Herausgabe einer Auswahl der Schriften Ifflands“ geplant habe.

„80 bis 90“ Prozent an Akademie übergeben

Erst mehr als 30 Jahre später, 1978, schloss Fetting seine Dissertation mit dem Titel „Das Repertoire des Berliner Königlichen Nationaltheaters unter der Leitung von August Wilhelm Iffland (1796-1814) bei Berücksichtigung der künstlerischen Prinzipien und kulturpolitischen Wirkungsfaktoren seiner Gestaltung“ an der Universität Greifswald ab.

Zwar wird in den Unterlagen der Akademie 1954 die geplante „Übernahme des Archivs der Staatsoper“ erwähnt – aus dem die Akten ursprünglich stammten – in späteren Unterlagen taucht dieses Archiv jedoch nicht mehr auf.

Zudem konnte in den Verwaltungsakten kein Leihvorgang betreffend der Akten gefunden werden. Daher ging die Akademie davon aus, sich nie im Besitz der Akten befunden zu haben, was sie im Rahmen einer fünfseitigen „Vereinbarung“ zwischen „Inlibris“ und der Akademie der Künste am 16. Oktober 2013 dazu veranlasste, das „Eigentumsrecht von Inlibris an der Aktensammlung der Theaterdirektion unter Iffland am deutschen Nationaltheater Berlin“ anzuerkennen. „Die Akademie der Künste verzichtet auf die Geltendmachung jedweder Rechte an der Aktensammlung“. In weiterer Folge habe er „80 bis 90 Prozent“ der gesamten Sammlung Fetting an die Akademie übergeben, so Wetscherek.

Verantwortliche erwirkten Angebot-Rücknahme

„Sehr überrascht“ sei Wetscherek dann gewesen, als sich nach der Veröffentlichung des Kaufangebots auf der Ludwigsburger Messe, wo das Konvolut als „Die Geburt des deutschen Nationaltheaters: Das bislang verschollene Korrespondenzarchiv Ifflands“ angeboten wurde, Ende November die Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten des Berliner Bürgermeisters meldete. Betreff: „Strafsache“.

Die Berliner Verantwortlichen erwirkten die Rücknahme des Verkaufsangebots von der Antiquaria. „Die gegenständlichen ‚Iffland‘-Akten‘ wurden vom damaligen Archiv der Staatsoper Berlin an die damalige Akademie der Künste der DDR, insbesondere an Herrn Dr. Fetting, verliehen“, heißt es in dem Schreiben, das auch auf die Iffland-Forschungen Fettings verweist. Da das Landesarchiv Berlin Eigentümerin der Akten sei, habe man nun Strafanzeige gegen Unbekannt sowie gegen Fetting „wegen aller in Betracht kommender Delikte“ gestellt.

Seither wird der „Sachverhalt“ geklärt, aus Berlin werden immer wieder Details an die Presse abgegeben. Wetscherek selbst will sich unterdessen an das Stillschweigeabkommen halten, hat die Akten anwaltlich hinterlegt und hofft, das Archiv nach Berlin verkaufen zu können, „wo es auch hingehört“, wie er sagte.

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Wiener Antiquariat gelangte in den Besitz des Materials

Wien/Berlin – In Deutschland herrscht helle Aufregung: 60 Jahre nach dem „Verschwinden“ ist die umfangreiche Theaterkorrespondenz von August Wilhelm Iffland aufgetaucht. Das Wiener Antiquariat Inlibris wollte dieses Konvolut – 34 blau eingebundene Folianten mit 6000 Schriftstücken – bei der Messe Antiquaria in Ludwigsburg, die von 23. bis 25. Jänner stattfindet, um 450.000 Euro verkaufen. Doch dazu wird es nicht kommen: Die Berliner Kulturverwaltung erhob Anspruch auf den Schatz und erstattete Anzeige „wegen aller in Betracht kommender Delikte“. Die Korrespondenz wird nun bei der Wiener Anwältin Ingrid Schwarzinger verwahrt, bis der komplexe Fall geklärt ist.

Iffland, 1759 in Hannover geboren, war wohl der berühmteste Schauspieler seiner Zeit. Er verkörperte 1782 den Franz Moor in der Uraufführung von Schillers Die Räuber. 1796 wurde er Direktor des Nationaltheaters auf dem Gendarmenmarkt. Iffland, der auch als Dramatiker große Erfolge feierte, vermochte in Berlin eine regelrechte Theaterbegeisterung zu entfachen. Er starb 1814.

An ihn erinnert ein Ring, der von seinem Träger testamentarisch an den seiner Meinung nach „jeweils bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters auf Lebenszeit verliehen“ wird. Derzeit ist der Iffland-Ring, seit 1954 zweckgebundenes Eigentum der Republik Österreich, in Besitz von Bruno Ganz. Er erhielt ihn 1996 nach dem Tod von Josef Meinrad.

Eine komplette Lkw-Ladung

Die Iffland-Materialien waren Teil eines riesigen Archivs, das Hugo Fetting, ein nun 90-jähriger Theaterwissenschafter im Ruhestand, über Jahrzehnte in Berlin-Ost aufgebaut hatte. Hugo Wetscherek, Geschäftsführer von Inlibris, kaufte dessen Archiv, eine komplette Lkw-Ladung, um angeblich 50.000 Euro. Spätestens bei der Sichtung stellte sich heraus, dass zahlreiche Materialien mit einem Stempel der Akademie der Künste versehen waren. Fetting hatte früher in der Akademie als Archivar gearbeitet. Wetscherek überließ der Akademie in der Folge das gesamte Material – bis auf die Iffland-Akten. Im Gegenzug anerkannte die Akademie das „Eigentumsrecht von Inlibris“ an diesem Konvolut. Sie dürfte allerdings nicht befugt gewesen sein.

Die Berliner Kulturverwaltung schrieb Wetscherek, dass die Iffland-Akten vom einstigen Archiv der Staatsoper Berlin an die Akademie der Künste der DDR verliehen worden seien: „Da Dr. Fetting seinerzeit zur Geschichte der Staatsoper Berlin forschte und publizierte, hatte er ein großes Interesse an den Iffland-Akten aus dem Archiv der Staatsoper.“ Heute sei das Landesarchiv Berlin die Eigentümerin der Iffland-Akten.

Tatsächlich gibt es eine Dissertation von Fetting aus 1978 mit dem Titel Das Repertoire des Berliner Königlichen Nationaltheaters unter der Leitung von A.W. Iffland. Der Autor will aber auf andere Weise in den Besitz der Korrespondenzen gekommen sein: Dem Spiegel sagte er, er habe das Material „im Sommer oder Herbst 1952“ aus den Trümmern der Generalintendanz der Preußischen Staatstheater geborgen. Der Süddeutschen Zeitung hingegen nannte er den „Mai oder Juni 1953“: Die Akten seien aus dem Fenster auf den „Müll“ geworfen worden, da habe er sie mitgenommen und also gerettet. Ist er aber auch der rechtmäßige Besitzer? Darüber wird eifrig diskutiert.

Wetscherek widerspricht der Ansicht, dass die Iffland-Materialien „verschollen“ gewesen seien: „Sie standen im Arbeitszimmer von Fetting. Und man hat ihn mit den Akten in die Pension ziehen lassen.“ Fetting hätte sein Archiv in Berlin zum Kauf angeboten, doch niemand sei interessiert gewesen. Daher habe er sich an Inlibris gewandt. In Berlin betont man nun die Bedeutung des nationalen Kulturguts. Doch man scheint keine Ansprüche geltend machen zu können: Die Kulturverwaltung will sich gütlich einigen – und nannte Wetscherek bereits einen Preis, den sie zu zahlen bereit ist.

Thomas Trenkler
Kronen Zeitung
14.01.2014

Gurlitt 2? Iffland-Fundus galt als verschollen – 90-jähriger Berliner verhökerte „Besitz“ nach Wien

Dieser Fall weckt Erinnerungen an den Kunst-Krimi rund um Cornelius Gurlitt und den Münchner Nazi-Schatz: So verkaufte ein 90-jähriger Berliner den als verschollen geglaubten Nachlass von Theaterlegende August W. Iffland an ein Wiener Antiquariat. Die Stadt Berlin erklärte den „Kunst-Krieg“ und erstattete Anzeige.

Offenbar war Cornelius Gurlitt nicht der Einzige, der im Chaos der Nachkriegszeit Kunstschätze gesichert hatte – und dessen Fundus erst jetzt ans Tageslicht kommt. So lagerte der pensionierte Theaterwissenschafter Hugo Fetting (90) in seiner Berliner Wohnung über Jahrzehnte 7000 Manuskripte, Briefe und Bühnenentwürfe des berühmtesten preußischen Theaterheros: August Wilhelm Iffland (1759-1814). Und jetzt beschloss Fetting, den wertvollen Nachlass an das Wiener Antiquariat „Inlibris“ zu verkaufen, das wiederum die Dokumente veröffentlichte.

Doch als der Berliner Kultur-Senat auf diesen Deal aufmerksam wurde, fielen die Experten samt Bürgermeister Wowereit aus allen Wolken. Ifflands Nachlass in Besitz von Österreichern und nicht in einem Berliner Museum – für die Politiker ein Skandal. Also hagelte es gleich einmal eine Strafanzeige gegen Sammler Fetting, der mit den als verschollen geglaubten Kulturgütern so lange hinterm Berg gehalten hatte. Dem Antiquariat „Inlibris“ wurde indessen eine „außergerichtliche Einigung hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse“ vorgeschlagen. Geschäftsführer Hugo Wetscherek: „Die wollen die Dokumente geschenkt haben. Aber das wird nicht passieren. Der Preis beträgt wie für jeden anderen Interessenten auch 450.000 Euro. Wir sind schließlich Geschäftsleute.“

Glaubt der Kunstkenner, dass sein Berliner Geschäftspartner tatsächlich unrechtmäßig an den Iffland-Nachlass gekommen sein könnte? „Ich weiß nur, dass er Berlins Regierung über den Bestand schon vor Jahren informiert und niemand reagiert hatte“, so Wetscherek.

Brigitte Blabsreiter
Berliner Zeitung
14.01.2014

Alle jubeln über die Korrespondenzbücher des Schauspielers und Theaterleiters August Wilhelm Iffland – gefunden angeblich im Müll. Sofort wurden sie zum nationalen Kulturerbe erklärt. Aber wofür brauchen wir sie eigentlich?

Es sind jetzt also die Korrespondenzbücher von August Wilhelm Iffland wieder da. 34 Bände, 6000 Briefe und Dokumente, aufgetaucht unter abenteuerlichen Umständen. Was wurde das allseits bejubelt. Iffland! Der Musterschauspieler!

Überall war man sich sofort einig, dass dieser Mann ungemein lobenswert und wichtig, bedeutend und nationalkulturerbewürdig sei. Bruno Ganz, der derzeitige Träger des Iffland-Ringes, einer honorigen, auf Lebenszeit verliehenen Auszeichnung – fordert natürlich die Veröffentlichung des Iffland-Nachlasses. Weil er so wichtig ist. Aber warum eigentlich?

Blockbuster-Theater

Es gibt für diese reflexhafte Iffland-Wertschätzung zwei Gründe, sie sind sehr verschieden und sehr aufschlussreich. Zum einen: Iffland war nicht nur Schauspieler. Er war auch ein seinerzeit erfolgreicher Dramatiker, vornehmlich Verfasser von Rührstücken.

Mehr als 70 Dramen und Übersetzungen verdanken wir diesem protestantischen Mann, der am Mannheimer Nationaltheater bekannt wurde (er war 1782 der Franz Moor in der „Räuber“-Uraufführung von Schiller!), dort in den künstlerischen Vorstand aufstieg, also Regisseur und 1796 zum Intendanten des Berliner Königlichen Nationaltheaters ernannt wurde. Seine konservative Position gegenüber der Französischen Revolution soll ihm dabei übrigens sehr zugute gekommen sein.

In Berlin stand er einem Haus mit 2000 Plätzen vor, das zwei Mal täglich Vorstellungen gab – Iffland leitete eine Blockbuster-Bühne in einer theatervernarrten Stadt. Nie wieder war Theater in Berlin so wichtig wie damals. Und die Dokumente des Nachlasses erlauben womöglich ein genaueres Verständnis, wie der Intendant Iffland den Erfolg zu organisieren vermochte. Auch, warum er für Heinrich von Kleist zum Intimfeind wurde.

Bemerkenswert zudem: In Zeiten, da das Theater allenthalben mit schwindender Bedeutung und wachsendem Legitimationsdruck, folglich gegen Subventionskürzungen zu kämpfen hat, werden Zeiten gefeiert, in denen das Theater Leit- und Vorbildmedium war. Als ob man mit Iffland etwas beschwöre, was endgültig vorüber ist. Als ob, hinterhältige Dialektik!, der einstige Glanz des Theaters sein heutiges Elend zu begründen habe.

Nahezu distanzlose Huldigung

Der andere Grund für die nahezu distanzlose Iffland-Huldigung: Er hat zutiefst, tiefer als vielen bewusst, das heute handelsübliche Theaterverständnis geprägt. Seine kleine, 1785 in Gotha erschienene Schrift „Fragmente über Menschendarstellung auf den deutschen Bühnen“ fordert in schönster Eindeutigkeit, was bis heute als leitend für die allgemeine Theatererwartung gilt:

Der Darsteller habe ein „mächtiger Menschenmaler“ zu sein, er dürfe nicht „künsteln“, sondern müsse „natürlich“ wirken, müsse dabei den „wahren“ Menschen so zeigen, dass es im Zuschauer „das Gefühl für den edlen Anstand“ wecke.

Das Theater diene der „Bildung der Seele“, der Schauspieler als „Menschenkenner“ werde so zum „Volkslehrer“. Anders als etwa an Goethes Weimaraner Bühne hat Iffland jene illusionistische Als-ob-Spielweise gefordert und durchgesetzt, die vom Darsteller das vollkommene Hineinverwandeln in eine Figur verlangt. Auf dass sie wie „aus einem Guss“ erscheine.

In Hollywood und im deutschen Fernsehen finden sich heute die treusten Iffland-Jünger; und auch ins Theater gehen nach wie vor viele mit eben dieser Hoffnung auf die „große Würkung“ dieser illusionistischen „Täuschungen“.

Nationales Kulturgut

Iffland wusste übrigens, dass Theater mehr und anders sein kann als Illusionsspiel; und er wusste, wie hervorragend sich solches Theater in den Dienst der Herrschenden stellen lässt; vermutlich wird auch darüber der Nachlass bestens Auskunft geben.

(Man lese hierzu das hervorragende Buch der Leipziger Theaterwissenschaftlerin Gerda Baumbach: Schauspieler. Historische Anthropologie. Bd. 1: Schauspielstile, Leipzig 2012). Damals war dieser Illusionismus eine enorme, offenbar allseits elektrisierende Neuerung, heute ist er auch Ballast.

Der Iffland-Nachlass, hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters schnell erklärt, sei ein „nationales Kulturgut“. Es stünden auch die Chancen für eine gütliche Einigung zwischen dem Land Berlin und dem Besitzer, einem Wiener Antiquar, also eine Rückführung nach Berlin und in die öffentliche Hand gut. Sehr schön. Nur sollte die Nation ihr Kulturgut mit kritischem Interesse würdigen.

Dirk Pilz
Der Spiegel
13.01.2014

Wieder sind bei einem älteren Herrn verschollen geglaubte Kulturgüter aufgetaucht. Diesmal sind es Hinterlassenschaften aus dem Theater der Klassikerzeit. Der SPIEGEL konnte sie einsehen.

Er geht dann doch ans Telefon, seine Stimme ist klar und kräftig. Nein, die ganzen Zeitungsberichte über sich habe er nicht gelesen. „Heute Morgen habe ich das erste Mal bei meinem Doktor gehört, dass ich ein bekannter Mann sei, über den man spricht.“

Das sagt Hugo Fetting, 90 Jahre alt, Theaterwissenschaftler im Ruhestand, wohnhaft in Berlin, Prenzlauer Berg. Es ist der Mittwoch der vergangenen Woche. Der alte Mann ist mittendrin in einer Geschichte, die von Ferne an den Fall Gurlitt erinnert, nicht weil es auch diesmal wieder um die Nazis ginge – nein, geht es nicht –, sondern weil es um vertrackte juristische Fragen geht: Wann nämlich sind Kunst- und Kulturgüter Privatbesitz, ab wann kann die Allgemeinheit über deren Verbleib mitbestimmen, und ab wann gehören sie womöglich der Allgemeinheit, gar der Nation?

Am Tag bevor der alte Mann ans Telefon ging, haben die „Frankfurter Allgemeine „, die „Süddeutsche Zeitung“ und der „Tagesspiegel“ über ihn berichtet beziehungsweise über etwas, was er jahrzehntelang bei sich zu Hause gehütet hat: Die Theaterkorrespondenz von August Wilhelm Iffland, der als einer der größten Schauspieler seiner Zeit gilt und in der Goethe-Ära Theaterdirektor in Berlin gewesen war. Anhand dieses Quellenkonvoluts könne man auf einzigartige Weise nachvollziehen, wie Iffland das Nationaltheater am Gendarmenmarkt zu einer der führenden Bühnen Deutschlands gemacht habe, ja, wie sich überhaupt das Theaterleben der Klassikerzeit gestaltete, es sei „ein Kulturgut von nationalem Rang“, heißt es in der Berliner Kulturverwaltung.

Fetting hatte dieses Konvolut jahrzehntelang in Verwahrung gehabt und darin geforscht. Vor gut einem Jahr verkaufte er dann seine umfangreiche Theatersammlung – mitsamt dem Iffland-Konvolut an das Wiener Antiquariat Inlibris, das die Iffland-Briefe jetzt im Januar auf einer Messe in Ludwigsburg veräußern wollte. Ausgelobter Preis: 450 000 Euro.

„Was?!“, ruft der alte Mann am Telefon aus. „So viel?!“ Er selbst habe doch nur 50 000 Euro für seine komplette Sammlung bekommen.

Doch aus dem Verkauf auf der Antiquariatsmesse wird jetzt nichts. Das Konvolut liegt in Verwahrung bei einer Wiener Rechtsanwältin, denn die Berliner Kulturverwaltung erhebt Anspruch darauf. Es gehöre, so heißt es, als nationales Kulturerbe in den Besitz des Landes Berlin und habe rein rechtlich dort auch immer hingehört.

Fetting versteht das alles nicht. Er sagt am Telefon, er habe die alten Bände vor der Zerstörung gerettet, natürlich sei er davon ausgegangen, dass sie ihm gehören.

Er erzählt, wie er sie gefunden habe. Es müsse im Sommer oder Herbst 1952 gewesen sein. Ost-Berlin war eine Trümmerlandschaft. Einmal sei er an der ehemaligen Generalintendanz der Preußischen Staatstheater vorbeigekommen, einem Gebäude, das gerade abgerissen wurde. „Die Wände standen noch, aber die Fenster waren raus.“

„Da waren auch Leute, die die Trümmer durchwühlten. Zwischen den Steinhaufen lagen Papiere und einzelne alte Bände.“ Zusammen mit einem Freund habe er die Bände in alten Reisetaschen zu sich nach Hause gebracht. „Mehrere Male sind wir gefahren, erst mit der Straßenbahn, Linie 70, dann mit einem Auto.“ Später „beim Blättern“ habe er gesehen, dass das Konvolut mit Iffland zu tun hat.

Mehr als 60 Jahre danach in Wien liegen in der Kanzlei der Anwältin Ingrid Schwarzinger die 34 blau eingebundenen Folianten, leicht zerrupft, aber nicht wesentlich beschädigt, in drei Umzugskartons. Der Sachverständige des Antiquariats Inlibris, Christopher Frey, holt die Bände heraus und erklärt, nicht einzelne der insgesamt 7000 Schriftstücke seien die Sensation, „wirklich einmalig an diesem Fund ist es, dass wir hier ein so enormes Corpus haben“. Das Corpus belege, wie Iffland mit seinem ganzen Betrieb – von den Handwerkern über die Schauspieler bis zu den Autoren – dafür kämpfte, die damals manierierte Theaterkunst realistischer, natürlicher zu machen.

In den Folianten sind Handwerkerrechnungen und Strichlisten über ausbezahlte Schauspielerhonorare („Gratifikationen, welche gezahlt wurden“) abgeheftet. Man stößt auf penible Inventaraufstellungen der Dekoration und den offensichtlich kompletten Briefwechsel zwischen Iffland und dem im 19. Jahrhundert vielgespielten, 1819 erstochenen Dramatiker August von Kotzebue, Autor von Lustspielen wie „Das Posthaus in Treuenbrietzen“.

Neben amtlichen Anweisungen vom preußischen Hof, in denen beispielsweise der Schauspielerin Karoline Döbbelin im April 1803 per Dekret das Spiel auf einer Sommerbühne in Charlottenburg genehmigt wurde, neben Berichten über abgerissene und wiederangenähte Messingknöpfe und diverse andere Kostümreparaturen finden sich zahlreiche Bitten um Gefälligkeiten, zu denen das bürgerliche und adlige Publikum den Theaterdirektor mehr auffordert als anfleht.

Aus Hamburg wendet sich am 28. Dezember 1804 Johanna Schopenhauer an Iffland, eine damals 38 Jahre alte Kaufmannsfrau und Salondame, die bald eine von ihrem Sohn, dem Philosophen Arthur Schopenhauer, keineswegs sehr geschätzte Erfolgsschriftstellerin werden wird. Sie gibt sich, für gehobene bürgerliche Damen damals üblich, einen französischen Vornamen, nennt sich Jeanette und schreibt: „Mein Herr Direktor! Ich wage es, obgleich Ihnen völlig unbekannt, mich geradezu an Sie zu wenden, um Sie um Erfüllung eines Wunsches zu bitten, der mich dazu bringt, die Gränzen (sic!) der Bescheidenheit ein wenig zu übertreten, welches wohl selten in meinem Leben der Fall gewesen seyn mag. Sie bereiteten mir eine süße Erinnerung auf viele Jahre vor, wenn sie den Wilhelm Tell Mittwochs, statt Freitag gäben. Ich wohne in Hamburg, unser Theater ist soso, wie Sie wohl wissen.“

Der Theaterdirektor Iffland soll in seinem Spielplan fix mal den „Wilhelm Tell“ umpflanzen! Er antwortet galant und postwendend am 30. Dezember 1804: „Geschmeichelt von Ihrem Vertrauen und dem Anteil, welchen Sie dem Haus widmen, würde ich alles tun Ihren Wunsch … zu erfüllen, allein in Betreff der Maschinerie stellt sich Unmöglichkeit meinem Willen entgegen.“

Einige der prominentesten Aktenstücke allerdings fehlen in den Bänden. Originalbriefe Schillers, Goethes, Achim von Arnims, Wilhelm von Humboldts und anderer Berühmtheiten wurden, so lässt sich anhand eines Ausstellungskatalogs aus dem Jahr 1929 rekonstruieren, aus den Folianten herausgetrennt, sie sind bis heute verschollen.

Das einzige Schreiben Goethes, das sich heute in den 34 Bänden findet, ist ein offenbar diktierter Brief aus der Weimarer Theaterintendanz, in dem es heißt: „Hierbey ein Exemplar Mahomet für Iffland. Sie haben ja wohl die Güte es ihm mit der heutigen Post zuzuschicken und ihm dabei von mir ein freundliches Wort zu sagen.“ Nur die Paraphe „G“ stammt vom Geheimrat selbst.

All dies hat Hugo Fetting jahrzehntelang unter Verschluss gehalten, er hatte, das wird beim Telefongespräch mit ihm deutlich, keinerlei Unrechtsbewusstsein, er glaubt, es habe sich in all den Jahren keiner für die Sammlung interessiert, angeboten habe er sie allen deutschsprachigen Theatermuseen, keines habe sie haben wollen.

Kurz bevor er das Iffland-Konvolut aus den Trümmern geborgen haben will, war Fetting Mitarbeiter der Akademie der Künste der DDR geworden, er hat dort ein Archiv für Darstellende Kunst aufgebaut, dafür gaben ihm später Schauspieler, Tänzer, Regisseure ihre Nachlässe. Fetting blieb bis 1977 bei der Akademie und war dort hochgeschätzt, danach wechselte er zur Akademie der Wissenschaften.

Auch als Privatmann hatte er zu sammeln begonnen und zu Hause etliche Dokumente berühmter Bühnenmenschen gehortet. An den Wänden seiner Wohnung am Prenzlauer Berg hingen Bühnenbildentwürfe.

In den vergangenen Jahren, nun hochbetagt, versuchte Fetting, seine Sammlung zu verkaufen und wandte sich dabei auch an die Akademie der Künste. Die Archivare dort stutzten, viele Briefe, die Fetting ihnen anbot – von der Dresdner Tänzerin Gret Palucca oder von der Schauspielerin Helene Weigel –, gehörten ihrer Meinung nach eindeutig der Akademie. Auch das Iffland-Konvolut, so meinten die Archivare, könne doch eigentlich nicht rechtmäßig Herrn Fetting gehören.

Sie boten ihm etwas an, was sie heute „Finderlohn“ nennen, Fetting lehnte ab und wandte sich ans Wiener Antiquariat, das freudig die ganze Sammlung nahm, das Iffland-Konvolut und den Rest. Dies wiederum passte der Akademie nicht, sie wollte zumindest die Künstlerbriefe zurück. Und um sie zu bekommen, machte die Akademie – wie sie vergangenen Donnerstag einräumte – einen Fehler: Sie setzte ein Schriftstück auf, in dem sie festhielt, dass die Briefe zwar nachweislich ihr gehörten, das Iffland-Konvolut aber „Eigentum“ des Antiquariats sei. Das Antiquariat sah sich daraufhin als rechtmäßiger Eigentümer. Die Akademie aber hätte niemals eine solche „Eigentumsanerkenntnis“ aufsetzen dürfen – weil sie selbst über keinerlei Rechte an dem Iffland-Konvolut verfügte.

Wem gehört das Iffland-Konvolut? Es wird dauern, bis das geklärt ist. Das deutsche Recht unterscheidet zwischen „Besitz“, „Eigentum“ und „herrenlosen Sachen“. Ein „Eigentum“ gehört jemandem, ein „Besitz“ kann vorübergehend von einem zum anderen wechseln, „herrenlose Sachen“ gehören niemandem.

Fetting glaubt, herrenlose Sachen an sich genommen, ja gerettet zu haben. Das Land Berlin sieht sich als Eigentümer und klagt gegen Fetting, ist aber auf eine gütliche Einigung aus. Die Aussichten des alten Mannes, recht zu behalten, sind auch nicht besonders hoch. In den siebziger Jahren schrieb er eine Doktorarbeit, in der er aus dem Iffland-Konvolut zitierte und dabei deren Provenienz wohl verschleierte – seine Gegner sagen heute, daran sei zu erkennen, dass er damals schon wusste, dass er nicht zu Recht im Besitz der Dokumente gewesen sei. Außerdem gibt es da noch diese Künstlerbriefe aus der DDR, bei denen die Akademie glaubt nachweisen zu können, dass Fetting sie wohl nicht legal in seinem Besitz gehabt hatte.

Das Sammeln und Besitzen, Vererben und Schenken ist in Deutschland kompliziert. Der Fall Gurlitt ragt hinein in die finstere Nazi-Zeit. Der Fall Fetting hat seinen Beginn in den Ruinen der jungen DDR.

Wolfgang Trautwein ist Direktor des Archivs der Akademie der Künste. Über seine Arbeit mit den Nachlässen sagt er Ende vergangener Woche mit leichtem Stöhnen: „Wir haben hier fast jeden Tag noch mit den Folgen des Krieges zu tun.“

Susanne Beyer, Wolfgang Höbel, Sven Röbel
Süddeutsche Zeitung
11.01.2014

[Aus Urheberrechtsgründen verweisen wir auf .]

Stephan Speicher
Neues Deutschland
11.01.2014

Ein zweiter »Fall Gurlitt« bricht sich Bahn, überraschend ist das Iffland-Archiv auf dem Kunstmarkt wieder aufgetaucht, wieder sind Herkunft und Besitzverhältnisse unklar, und das einzig Gute an dem Fall ist – der Berliner Senat zählt es zum nationalen Kulturgut und klagt es ein. Das wird die Rechtsgelehrten beschäftigen, und es wird dauern, ehe die Akademie der Künste der Forderung von Bruno Ganz, dem gegenwärtigen Träger des »Iffland-Ringes«, nachkommen kann, das Konvolut aus rund 6000 Dokumenten zu veröffentlichen.

Aber was ist das überhaupt, der »Iffland-Ring«, das »Iffland-Archiv«, und wer war Iffland selbst? Es erreicht uns hier eine Flaschenpost aus Berlins klassischer Epoche. August Wilhelm Iffland (1759-1814) war der berühmteste Schauspieler und Charakterdarsteller seiner Zeit und zugleich Berlins erster großer Theaterdirektor; er leitete das Königliche Schauspielhaus von 1796 bis zu seinem Tode. Als junger Mann hatte er 1782 den Franz Moor in der spektakulären Uraufführung von Schillers »Räubern« in Mannheim gespielt, er blieb dem Dichter verbunden und wollte ihn 1804 als Künstlerischen Direktor an sein Theater holen. Ehe es dazu kam, starb Schiller. Schillers späte Dramen (ab dem »Wallenstein«) kamen kurz nach den Weimarer Premieren immer zuerst in Berlin heraus. Iffland brachte die Weimarer Klassiker, aber auch Shakespeare, Lessing u.a. in glanzvollen Inszenierungen auf seine Bühne. Berlin wurde dank Iffland die Wiege des klassischen deutschen Nationaltheaters.

Ifflands Nachlass ging in das Archiv des Schauspielhauses am Gendarmenmarkt ein und wurde später, von 1929 bis 1945, Teil des Berliner Theatermuseums. Dieses Archiv war einmalig in ganz Europa. Allein die Theaterbibliothek der Königlichen Theater (Opernhaus und Schauspielhaus) hatte 30 000 Bände, 5000 Stiche und Bilder und 100 Faszikel mit Manuskripten von Goethe, Schiller, Weber, Wagner, Meyerbeer u.a. enthalten, die 1929 in den Museumsbestand übergingen. Ein Teil der Goethe- und Schiller-Briefe befand sich im Iffland-Nachlass. Im Krieg wurden die unersetzbaren Museumsbestände ausgelagert und verstreut, danach galt das meiste als verloren.

Die Berliner Theaterwissenschaftlerin Ruth Freydank, langjährige Leiterin der Theater- und Literatur-Abteilung des Märkischen Museums, hat im Auftrage des Berliner Senats recherchiert und das verlorene Museum akribisch dokumentiert. Sie erwähnt auch die 29 Schiller-Briefe und Briefe von Goethe, Kleist, Tieck u.a., die 1910 in einem Reclam-Bändchen nachgedruckt wurden. Vielleicht fehlen sie deshalb in dem Konvolut, das jetzt auf einer Messe in Ludwigsburg zum Kauf angeboten wurde. Publiziert hat Freydank ihre Arbeit auf eigene Kosten, weil weder der Senat noch sonst eine Institution die Druckkosten übernahmen und sich auch kein renommierter Verlag fand. Der Titel der zweibändigen Dokumentation lautet »Der Fall Berliner Theatermuseum – Teil I: Geschichte – Bilder – Dokumente / Teil II: Relikte einer Berliner Theaterbibliothek – Dokumentation«. Das Titelblatt schmückt ein Porträt von August Wilhelm Iffland.

Dank Iffland wurde Berlin eine Weltstadt des Theaters. Auf dem Totenbett vererbte er seinen Ring an den jeweils größten Schauspieler der nächsten Generation, eine rührende Adaptation von Lessings Ring-Parabel. Der erste, der ihn trug, war Ludwig Devrient. Ihm folgten unter anderem Theodor Döring, Albert Bassermann, Werner Krauß und 1996 Bruno Ganz. Doch den Mimen verweigert die Nachwelt die Kränze. Berlin hat vielleicht das beste Theater Europas, aber anders als Moskau, Paris oder Wien kein Theatermuseum. Die Initiative TheaterMuseum Berlin e.V. steht einsam auf weiter Flur und scheint ins Leere zu arbeiten. Das muss sich ändern. Das wiedergefundene Iffland-Archiv braucht wie alles, das noch verstreut vorhanden ist und von Berlins einstiger künstlerischer Größe zeugt, endlich einen würdigen Raum.

Gerhard Müller
Deutsche Welle
11.01.2014

Er hat Goethe und Schiller zu Stars gemacht und war der berühmteste Theatermacher Preußens. Jetzt streiten sich ein Antiquariat und die Stadt Berlin um den wieder aufgetauchten Nachlass von August Wilhelm Iffland.

„Deutschland wird in diesem jungen Mann noch einen Meister finden“, würdigte ihn einst Friedrich Schiller für seiner Rolle als Franz Moor in „Die Räuber“. August Wilhelm Iffland war Preußens berühmtester Schauspieler und Regisseur. Von 1796 bis zu seinem Tod im Jahr 1814 leitete er das Königliche Nationaltheater in Berlin.

Schiller und Goethe schrieben für ihn ihre wichtigsten Stücke. Sein Briefwechsel mit ihnen und anderen Größen dieser Zeit ist für Kunstliebhaber und Experten „ein Kulturgut von nationalem Rang“. Lange Zeit galt der Iffland-Nachlass als verschollen. Doch plötzlich sind 6000 Schriftstücke in 34 Bänden wieder aufgetaucht. Für knapp eine halbe Million Euro hatte das Wiener Antiquariat Inlibris das Archiv kürzlich in einem Messekatalog angeboten. Es hatte die Sammlung des Theaterhistorikers Hugo Fetting gekauft.

Nach Gurlitt kommt nun Fetting

Die Schriftstücke befanden sich vermutlich jahrzehntelang in der Wohnung des heute 90-jährigen Fetting in Berlin-Prenzlauer Berg. Eine Privatwohnung und ein alter Mann mit Kunstschätzen – das erinnert an den Fall Gurlitt. Allerdings handelt es sich beim Iffland-Nachlass nicht um NS-Raubkunst. Trotzdem gibt es Parallelen: Auch bei den Iffland-Papieren ist die Rechtslage schwierig. Vor 1945 gehörten die Papiere zum Bestand des damaligen Theatermuseums in Berlin. Heute können jedoch keine Eigentümeransprüche mehr daran nachgewiesen werden.

Eigentum an Iffland-Nachlass durch „Ersitzung“?

Hugo Fetting fühlt sich „völlig im Recht als Finder und Eigentümer“. Das sagte er in einem Interview gegenüber dem „Tagesspiegel“. Er habe die Papiere im Sommer 1953 per Zufall in Trümmern in Berlin gefunden. Dann habe sich über 50 Jahre niemand bei ihm gemeldet. Bei so einer langen Zeit sprechen Juristen von „Ersitzung“ von Eigentum. Aber in diesem Fall fällt das aus, denn Eigentum kann nur „ersitzen“, wer dieses gutgläubig erworben hat.

„Als Theaterhistoriker wusste Fetting sehr genau, was er da jahrzehntelang in den Händen hatte, und dass es sich dabei um öffentliches Eigentum der Stadt Berlin handelte“, sagt Ruth Freydank gegenüber der DW. Sie hat zwölf Jahre über die einst bedeutende Sammlung des ehemaligen Berliner Theatermuseums geforscht, darunter auch über das Iffland-Archiv.

Fetting hat Iffland-Nachlass als Quelle seiner Doktorarbeit genutzt

Hugo Fetting war von den 50er bis in die 70er Jahre Mitarbeiter der Akademie der Künste (AdK) der DDR und hatte 1978 bei seiner Doktorarbeit das Iffland-Archiv als Quelle angegeben. Es scheint sich nur niemand darüber gewundert zu haben.

Die Iffland-Korrespondenz hatte Fetting 2010 der Berliner Akademie der Künste angeboten. Doch die hatte abgelehnt. „Wir waren bereit, ihm einen Finderlohn zu zahlen, aber nicht mehr“, sagt Archivdirektor Wolfgang Trautwein. 2013 verkaufte Hugo Fetting schließlich die Papiere an das Antiquariat Inlibris in Wien. „Mein Mandant hat die Sammlung gekauft und ist seitdem Eigentümer“, sagt die Anwältin des Antiquariats, Ingrid Schwarzinger. Inlibris sei in Besitz gekommen, aber mit Blick auf die Vorgeschichte keinesfalls der Eigentümer, entgegnet der Kunstrechtsexperte Nicolai Kemle.

Hat die AdK dem Antiquariat die Eigentumsrechte übertragen?

Der Geschäftsführer des Wiener Antiquariats, Hugo Wetscherek, hat sich nach dem Erwerb des Iffland-Nachlasses und weiteren Dokumenten aus der vermeintlichen Privatsammlung Fetting mit der AdK in Verbindung gesetzt. Beide Seiten einigten sich über die Teile der Sammlung, die einst in Akademiebesitz waren. Für die Iffland-Korrespondenz sollen beide Parteien eine Vereinbarung unterzeichnet haben, in der die AdK das Eigentumsrecht von Inlibris an der Aktensammlung unter Iffland anerkennt. „Das ist eine sehr unglückliche Formulierung“, so Wolfgang Trautwein von der AdK. Hat das Land Berlin durch diese Vereinbarung etwa seinen Eigentumsanspruch am Iffland-Nachlass verspielt?

„Wenn es diese Formulierung tatsächlich so in der Vereinbarung gibt, dann ist Inlibris tatsächlich Eigentümer und kann mit dem Nachlass machen, was es will“, so Rechtsanwalt Kemle. Im Moment scheint eine außergerichtliche Einigung eine Lösung für alle Beteiligten zu sein. Doch Hugo Wetscherek ist auf Berlin im Moment nicht gut zu sprechen. Am Mittwoch sei ein Unterhändler bei ihm im Büro vorbeigekommen, der ihm für den Iffland-Nachlass einen Finderlohn anbieten wollte. „Ich bin der AdK in der Vereinbarung entgegengekommen, den Nachlass abzugeben und dafür die Eigentumsrechte zu erhalten. Jetzt will sich aber niemand mehr an diese Vereinbarung erinnern“, so Wetscherek.

Iffland-Nachlass zu nationalem Kulturgut erklären

Es lässt sich im Moment nur vermuten, dass der ursprünglich veranschlagte Verkaufspreis von 450.000 Euro für eine außergerichtliche Lösung nicht mehr ausreichen wird. Kunstrechtsexperte Nicolai Kemle wirft aber im Interview mit der DW noch eine andere Idee in die Waagschale, um die verschlungene Rechtlage zu lösen: „Man könnte den Iffland-Nachlass zum nationalen Kulturgut erklären lassen, dann darf er Deutschland nicht mehr verlassen.“ Die neue Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat sich dem schon angeschlossen. Sie begreift den Iffland-Schatz als „nationales Kulturgut“. So stehen die Chancen für eine Rückführung aus Wien möglicherweise also nicht schlecht.

Das Antiquariat Inlibris hat die Papiere erst einmal vom Markt genommen. Die Geschichte um den Iffland-Nachlass ist jedoch noch nicht zu Ende: Es könnte sein, dass bald noch die Korrespondenz Ifflands mit Goethe und Schiller auftaucht – das wäre das i-Tüpfelchen auf dem Streit. Bis auf einen Goethe-Brief war diese in den 34 Bänden nämlich nicht enthalten.

Annika Zeitler

Osnabrück. Das Archiv des legendären Theatermanns August Wilhelm Iffland ist auf verschlungenen Pfaden wieder aufgetaucht. Was macht es inhaltlich so wertvoll, dass Berlin um es kämpft?

Stoff für ein eigenes Theaterstück liefert das verschollen geglaubte Archiv des legendären Theaterneuerers August Wilhelm Iffland , das nun auf nebulösen Pfaden aufgetaucht ist. 34 Bände mit rund 6000 Briefen und Hunderten von Kostüm-, Besetzungs- und Dekorationsverzeichnissen des Königlichen Nationaltheaters Berlin wurden vom Wiener Antiquariat Inlibris zum Kauf angeboten – für 450 000 Euro. Das Land Berlin erhob im November 2013 Anklage gegen den Sammler, der das Antiquariat beauftragt hatte. Denn das Iffland-Archiv gehörte vor 1945 wohl zum Bestand des Museums der Staatlichen Theater in Berlin. Daraus ist es in den Kriegswirren verschwunden und auf unklare Weise in die Hände des Sammlers und Theaterhistorikers gelangt. Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz möchte das „nationale Kulturgut“ aber unbedingt in Berlin behalten. Was machen eigentlich die 34 Bände für uns Nachgeborenen inhaltlich so wertvoll?

An August Wilhelm Iffland (1759–1814), viel gespieltem Dramatiker, Theaterdirektor der deutschen Klassik und einem der größten Schauspieler seiner Zeit, führte in der Goethezeit kein Weg in Theaterdingen vorbei. Also stand er auch in regem Austausch mit Stücke schreibenden Dichterfürsten wie Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe oder August von Kotzebue.

Iffland selbst spielte den Franz Moor in der Mannheimer Erstaufführung von Schillers „Die Räuber“, arbeitete auf Einladung Goethes in Weimar und prägte vor allem als Direktor des Nationaltheaters nicht nur das Berliner Theaterleben. „Er bewegte sich damals in einem riesigen Beziehungsgeflecht, in einer Kommunikationsfülle mit intensiven Netzwerken, die wir heute im Internetzeitalter nur bestaunen können“, sagt Silke Gablenz Kolokovic, künstlerische Leiterin und Vorstandsvorsitzende des „Liebhabertheaters Schloss Kochberg“ bei Weimar.

Das kleine Theater mit 73 Sitzplätzen, einstiger Landsitz von Goethes Herzensfreundin Charlotte von Stein, hat sich seit zehn Jahren ganz auf Stücke und Spielweise des Barock, der Klassik und Romantik spezialisiert. Logisch, dass Silke Gablenz Kolokovic viel über Iffland weiß und von seinen nun aufgetauchten, umfangreichen Korrespondenzen noch mehr Informationen für ihren Spieltrieb erhofft. „Ich glaube, dass man von ihm auch viel über Theaterleitung lernen kann,“ sagt sie mit Blick auf ihre eigene Position, weil der Theaterbetrieb damals unkomplizierter gehandhabt werden musste.“

Doch was war das Epochale an diesem August Wilhelm Iffland, von dem heute kaum mehr als die hohe Theaterauszeichnung des Iffland-Ringes öffentlich bekannt ist, den seit 1996 der Schauspieler Bruno Ganz trägt? „Iffland war damals berühmt wie später Stanislawski , weil er die neue realistische Geste auf der Bühne eingeführt hat“, betont auf Anfrage der Berliner Literaturwissenschaftler Conrad Wiedemann, Inspirator des Projekts „Berliner Klassik“.

Iffland hat mit den festen Regeln des Barock- und Aufklärungstheaters gebrochen, die vorschrieben, wie Darsteller im 90-Grad-Winkel ihre Füße zu setzen und ihre Arme nicht über Schulterhöhe zu erheben hatten, erklärt Wiedemann. „Für die Psychologie der Gruppe auf der Bühne interessierte sich erst Iffland, Individualpsychologie war damals überhaupt sehr neu.“ Deshalb wurde dies auch ausführlich und haarklein betrieben und schlug sich schriftlich nieder. Briefe, Publikumsreaktionen, Regiekonzepte aus dem Iffland-Nachlass hält Wiedemann daher für höchst aufschlussreich und von großem öffentlichen Interesse.

So sieht es auch der Opernregisseur Nils Niemann, Spezialist für historische Theaterpraxis, der auf Schloss Kochberg inszeniert und dort entsprechende Kurse gibt. Er hält sich für sein Forschen und Arbeiten schon jetzt an das, was von Ifflands Bühnenbildern, Kostümzeichnungen, Korrespondenzen mit Schauspielern überliefert ist. „In seinen Kostümzeichnungen steckt so viel Charakterisierungskunst, dass man etwa am Faltenwurf von Kleidung erkennen kann, ob eine Figur ein schlechtes Körpergefühl ausdrücken soll. Da stimmt jedes kleine Detail.“ Deshalb lohne es, ohne vorgefasste Meinungen über die damalige Bühnenarbeit genau hinzuschauen: „Damit von dieser Kunst nicht zu viel verloren geht.“ Auch er wartet gespannt auf die Hinterlassenschaften aus Händen des akribischen Theaterpraktikers Iffland.

Christine Adam

Thriller um einen über 200 Jahren alten Dichter-Schatz: Weil das Wiener Antiquariat „Inlibris“ das verschollen geglaubte Archiv des berühmten Schauspielers und Theaterdirektors August Wilhelm Iffland (1759–1814) auf einer Messe um 450.000 Euro anbot, ermittelt jetzt die deutsche Justiz!

Denn das Land Berlin glaubt, dass die wertvollen Dokumente (34 Bände mit 6.000 Briefen und Manuskripten) „unrechtmäßig erworben“ wurden. Fakt ist: Gegen Sammler Hugo F., der „Inlibris“ den Nachlass überließ, wurde Strafanzeige erstattet, das Antiquariat hat inzwischen das Verkaufsangebot zurückgezogen.

In Wien versteht man die Aufregung nicht: „Wir haben fünf Jahre lang verhandelt, Geschäft und Sammler waren bekannt. Der Streit ist völlig unverständlich“, so „Inlibris“- Chef Hugo Wetscherek.

Thomas Staisch
Neue Osnabrücker Zeitung
10.01.2014

Kommentar: Theater/Kulturpolitik

Sicher, es geht um viel Geld im Ringen um das nun wieder aufgetauchte Iffland-Archiv. Das juristische Gezerre um die Besitzrechte zwischen Land und Sammler kann dauern. Wie auch immer es ausgeht: In Privatbesitz und als Handelsware auf dem Markt kann dieser große, theatergeschichtliche Schatz eigentlich nicht bleiben. Zu viele Informationen über die uns doch recht ferne Goethezeit schlummern darin. Der forschende Blick in das riesige, wohl vorzügliche Kontaktnetz des berühmten Theaterdirektors lässt fragen: Waren Kulturschaffende im ausgehenden 18. Jahrhundert geschichtlich so benachteiligt, wie wir aus unserer elektronischen Totalvernetzung heraus gern glauben? Es muss jedenfalls eine elektrisierende Zeit des Umbruchs in Theater- und anderen Dingen gewesen sein, über die wir Näheres erfahren sollten, um nicht auf historisch blamable Weise arrogant zu bleiben.

Christine Adam
Hamburger Abendblatt
09.01.2014

Von den Briefen und Manuskripten des Theaterdirektors fehlte jede Spur. Jetzt beschäftigen sich Anwälte mit diesem Schatz

Berlin/Ludwigsburg. Er war der wichtigste Theatermacher in Preußen: Für August Wilhelm Iffland (1759–1814) schrieben Goethe und Schiller einige ihrer wichtigsten Stücke, als Intendant beherrschte er die Szene in Berlin und Weimar. Jahrelang galt der Nachlass des legendären Schauspielers und Theaterdirektors als verschollen. Jetzt sind Tausende Briefe und Manuskripte Ifflands wieder aufgetaucht – im Katalog der Ludwigsburger Messe Antiquaria.

Um die Dokumente ist allerdings Streit ausgebrochen. Das Land Berlin hat Ende November 2013 Anzeige gegen einen Sammler eingereicht, der das Archiv einem Wiener Antiquariat angeboten hatte, wie der Sprecher der Kulturverwaltung, Günter Kolodziej, sagte. Es bestehe der Verdacht, dass der Verkäufer unrechtmäßig an den Iffland-Nachlass gekommen sei. Zuvor hatten mehrere Zeitungen über den Fall Iffland berichtet.

Nach Angaben der Berliner Kulturverwaltung sei mit der Anzeige zunächst verhindert worden, dass die wertvollen Dokumente weiterverkauft wurden. Die 34 Bände mit rund 6000 Briefen, Manuskripten und Besetzungslisten waren vom Wiener Antiquariat Inlibris für 450.000 Euro im Katalog der Messe Antiquaria unter dem Titel „Die Geburt des deutschen Nationaltheaters: Das bislang verschollene Korrespondenzarchiv Ifflands“ angeboten worden.

Bisher sei das Angebot nicht zurückgezogen worden, wie Messeveranstalterin Petra Bewer sagte. Inlibris sei erstmals in Ludwigsburg vertreten. Ein Angebot mit 450.000 Euro habe es hier noch nie gegeben. Sollte es rechtliche Bedenken geben, werde es aber sicher nicht zur Messe kommen.

Inlibris hatte vom Berliner Sammler Hugo Fetting zahlreiche Dokumente zur Berliner Theatergeschichte, darunter auch den Iffland-Nachlass, erworben. Wie aus dem Briefwechsel zwischen der Senatskanzlei und der Inlibris-Anwältin hervorgeht, strebt das Land keinen Rechtsstreit um die Iffland-Akte an. Bevorzugt werde eine außergerichtliche Einigung.

Inlibris hat unterdessen die Iffland-Akte aus ihrem Angebot zurückgezogen, wie Antiquariats-Geschäftsführer Hugo Wetscherek bestätigte. Er habe die Dokumente einer Anwaltskanzlei bis zur Klärung der Eigentumsfrage übergeben. Wetscherek warf Berlins Senat vor, Druck gegen ihn aufzubauen. Es sei bekannt gewesen, dass Fetting, einstiger Mitarbeiter der Ost-Berliner Akademie der Künste, seine Sammlung zum Verkauf angeboten habe.

Inlibris hatte sich bereits im Oktober mit der Akademie der Künste über andere Teile der Sammlung Fetting geeinigt. Dabei gab das Wiener Antiquariat Dokumente zur Theatergeschichte zurück, aus denen hervorgeht, dass sie einst im Akademiebesitz waren. Es handelt sich dabei unter anderem um Bühnenbildentwürfe, Briefe und Gemälde, darunter von der Tänzerin Gret Palucca und der Schauspielerin Helene Weigel. Zu der Vereinbarung gehört ausdrücklich nicht die Iffland-Akte.

Wie der Nachlass Ifflands in den Besitz des einstigen Akademiemitarbeiters Fetting kam, ist bis heute ungeklärt. Nach einem Gutachten des Leiters des Archivs Darstellende Kunst der Akademie der Künste, Stephan Dörschel, habe Fetting jahrelang die Bände in seinem Arbeitszimmer aufbewahrt und „seine Finger drauf gehabt“. Dies habe eine frühere Mitarbeiterin zu Protokoll gegeben.

Das Archiv war bis 1944 im Theatermuseum im Berliner Schloss untergebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die Museumsbestände an die Berliner Staatsoper über. In einer von Fetting vorgenommenen Bestandsaufnahme aus dem Jahr tauchten die Iffland-Papiere 1967 nicht mehr auf, heißt es in dem Gutachten.

Esteban Engel
Hamburger Abendblatt
09.01.2014

Kommentar

Wenn die Geschichte denn stimmt, war es zunächst eine Rettungstat, als der Ost-Berliner Theater-Historiker Hugo Fetting 1953 den immerhin 34 Bände umfassenden Iffland-Nachlass aus den Trümmern des Preußischen Staatstheaters barg. Dass er dieses theatergeschichtlich enorm wichtige Konvolut jedoch anschließend für sich behielt, dürfte schon damals gegen geltendes Recht verstoßen haben. Denn unstrittig ist, dass der Bestand 1929 vom Preußischen Staatstheater an das Berliner Theatermuseum übergeben wurde und damit städtisches Eigentum war. Wenn der heute 90-Jährige treuherzig zu Protokoll gibt, dass er sich „völlig im Recht als Finder und Eigentümer fühle“, da sich ja 50 Jahre niemand bei ihm gemeldet habe, gibt er damit ein merkwürdiges Rechtsempfinden zu erkennen.

Man kann nur begrüßen, dass die Berliner Kulturverwaltung durch eine Anzeige den ursprünglich geplanten Weiterverkauf der Dokumente erst einmal verhindert hat. Da die Rechtslage unter Umständen aufgrund von Verjährungsfristen und möglichen Lücken in der Provenienz dennoch unklar sein könnte, ist nachvollziehbar, dass das Land Berlin jetzt eine außergerichtliche Einigung mit dem Wiener Antiquariat anstrebt, das den Nachlass von Fetting erworben hat. Denn vor allem muss es darum gehen, den kulturgeschichtlich so bedeutsamen Bestand für die Öffentlichkeit und die Forschung zu bewahren.

Matthias Gretzschel

Warum der Iffland-Nachlass für die Hauptstadt so wichtig ist: Der Germanist Conrad Wiedemann gibt Politikern Nachhilfe

Er hält das Konvolut zu dem Schauspieler und Berliner Theaterintendanten August Wilhelm Iffland (1759 bis 1814) für einen der wichtigsten Nachlass-Funde der Nachkriegs-Zeit, wie er gestern der „Welt“ gegenüber beteuerte: Conrad Wiedemann, der lange Jahre die Forschungsstelle „Weimarer Klassik“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften leitete. Im Gespräch mit der „Welt“ präzisiert er jetzt, was der Fund birgt und wie man damit umgehen muss

Die Welt: 34 Bände, 7000 Briefe an Iffland, 1000 Antwort-Entwürfe von ihm selbst aus seiner großen Zeit als König des Berliner Nationaltheaters von 1796 bis 1814 – was kommt da auf uns zu?

Conrad Wiedemann: Da kommt immens aufschlussreiches Material auf uns zu, das zweifelsfrei belegen wird, was die Deutschen ja nur schwer begreifen: dass Berlin um 1800 unumstritten die deutsche Theaterhauptstadt war.

Die Welt: Nicht Weimar?

Wiedemann: Weder Weimar noch Mannheim, wo Iffland seine erste Triumphe feierte. Aber spätestens mit seinen Bühnenreformen um 1800 am Königlichen Theater am Gendarmenmarkt spielte die Musik in Berlin.

Die Welt: Wie muss man sich das vorstellen?

Wiedemann: Nun, das Berliner Theater mit seinen 2000 Plätzen war das größte im Land. Es spielte täglich zwei Vorstellungen, und die waren gut besucht. Nahezu jeden Tag gab es in der Berliner Presse Theaterkritiken. Es musste nur einer der Hauptdarsteller ausgewechselt werden, schon schrieb man darüber. Iffland selbst galt einhellig als größter deutscher Schauspieler seiner Zeit. In der preußischen Hauptstadt herrschte eine regelrechte Theatermanie.

Die Welt: Aber er war ja vor allem Intendant.

Wiedemann: Ja, und als Intendant gehen wichtige Reformen auf ihn zurück. Er sorgte dafür, dass sein Haus als erstes überhaupt in Deutschland über eine eigene Schneiderei verfügte. Er setzte durch, dass jeder Schauspieler für jede seiner Rollen über ein passendes Kostüm gebot. Glaubwürdigkeit und Lebensechtheit waren Ifflands Ziele. Er nahm den Historismus am Meininger Theater vorweg, das dann als Meininger Errungenschaft Epoche machen sollte. Aber der Erfinder dieser „historischen Wahrhaftigkeit“ ist Iffland.

Die Welt: Sie selber haben zehn Jahre lang den Arbeitsschwerpunkt „Berliner Klassik“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften mit vier Mitarbeitern geleitet. Hat da Iffland eine Rolle gespielt?

Wiedemann: Und ob! Wir haben die Revolutionsdramen von Iffland ediert, zu seiner Kostümreform publiziert, 5000 Theaterzettel zu seinen Inszenierungen ins Netz gestellt.

Die Welt: Das alles ist Teil einer spezifisch berlinischen Klassik?

Wiedemann: Allerdings. Die Berliner Klassik ist ein Begriff der Absetzung zur Weimarer Klassik. Beide Bewegungen haben sich die Vervollkommnung des Individuums und den Humanitätsglauben auf die Fahnen geschrieben. Aber die Weimarer Klassik um Goethe läßt das Individuum im Zusammenspiel mit der Natur zu sich selber kommen. Die Berliner Klassik im Zusammenspiel mit der Gesellschaft.

Die Welt: Die Berliner Klassik war also die eigentlich urbane?

Wiedemann: Ja. In Berlin konnte man die ganze Bandbreite der Gesellschaft erleben, nicht nur ein paar Adelige wie in Goethes „Wahlverwandtschaften“. Berlin war im Gegensatz zu Weimar eine große Stadt mit vielen sozialen Brennpunkten und Konflikten, 1800 die neuntgößte in Europa, um genau zu sein. Da alles spiegelt sich in Ifflands Spielplanpolitik, der von der hohen Klassik – der Siegeszug Schillers auf deutschen Bühnen beginnt ja mit Ifflands Berliner Inszenierungen; hier wurde der „Tell“ uraufgeführt – über das Historiendrama, das aktuelle Gesellschaftsstück, die Zauberposse bis hinunter zum Schwank und zur Operette alles anbot, was damals auf den Bühnen Erfolg hatte.

Die Welt: Da Sie mit Ihren Mitarbeitern sich so für Iffland interessiert haben: Ist Ihnen nie aufgefallen, dass seine Korrespondenz verschollen war?

Wiedemann: Doch, und einer meiner Mitarbeiter, Klaus Gerlach, der fünf Bücher zu Iffland vorgelegt hat, ist ja auch aufgefallen, dass plötzlich 34 Bände Iffland-Nachlass in einem Ludwigsburger Auktionskatalog angeboten wurden. Er hat dann auch den Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz eingeschaltet, der ja jetzt verhindern konnte, dass der Fund unter den Hammer kommt. Ob er aber auch nach Berlin zurückkehrt, ist ja noch offen.

Die Welt: Gesetzt den Fall, er kommt: Was sollte dann mit den 34 Bänden geschehen?

Wiedemann: Nun, es müsste schleunigst eine Forschungsstelle geschaffen werden, die das alles erschließt. So geschah es ja auch, als Berlin vor zehn Jahren aus Kiew den Nachlass der Sing-Akademie zurück erhielt. Da engagierte sich sofort die Deutsche Forschungsgemeinschaft und schuf zwei Arbeitsstellen. Da die Akademie der Künste sich nicht für Iffland interessiert, wäre es sinnvoll, die Forschungsstelle an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften anzusiedeln, wo es ja bereits eine Tradition der Iffland-Forschung gibt.

Die Welt: Wäre dieser Fund nicht auch ein Anlass, der Forderung nachzukommen, die ja von vielen Theaterenthusiasten erhoben wird, endlich in Berlin ein Theatermuseum einzurichten?

Wiedemann: Ja, es ist kaum zu fassen, dass es das nicht gibt. Doch was die Realisierung angeht, bin ich skeptisch: Berlin hat schon sehr viele Museen, das Geld ist knapp, und ich bezweifle auch, dass so ein Museum politisch gewollt ist.

Tilman Krause
Stuttgarter Zeitung
09.01.2014

Stuttgart – Antiquaria sind etwas für Kenner, Liebhaber und Spezialisten. Wenn nun aller Augen auf Ludwigsburg gerichtet sind, wo Petra Bewer seit 28 Jahren als Veranstalterin der Antiquariatsmesse das Fachpublikum versammelt, müsste das für sie eigentlich ein Grund zur Freude sein. Doch wirkt sie von dem medialen Getöse, mit dem nun zwei Wochen vor Beginn ihre Veranstaltung in die Schlagzeilen der Feuilletons geraten ist, einigermaßen irritiert. In der Tat mischt sich hier auf eigentümliche Weise Erfreuliches mit Bedenklichem. Um was geht es?

Wie berichtet, wurde im aktuellen Katalog der Antiquaria der Verkauf eines bislang verschollen geglaubten Bestands von unschätzbarer kultureller Bedeutung angeboten: das Korrespondenzarchiv des Theaterheros der Goethezeit, August Wilhelm Iffland. Rund sechstausend Briefe in 34 Bänden, die Korrespondenz der Dichter der Klassik und Romantik mit ihrem adäquaten Umsetzer, denn als solcher darf Iffland nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Intendant des Nationaltheaters in Berlin gelten – deutsche Theatergeschichte also zum Preis von 450 000 Euro. Ein solches Werk sticht aus den antiquarischen Quisquilien, so schön sie im Einzelnen sein mögen, in seiner geistesgeschichtlichen Relevanz heraus.

So weit, so erfreulich für Petra Bewer – wäre da nicht die leidige Eigentümerfrage, die inzwischen dazu geführt hat, dass der Anbieter, das Wiener Antiquariat Inlibris, das Konvolut von der Messe zurückgezogen hat. Denn auf die spektakuläre Ankündigung des Katalogs ist auch die Berliner Kulturverwaltung aufmerksam geworden und hat rechtliche Schritte eingeleitet, den Verkauf zu unterbinden. Berlin ist der Auffassung, dass die Iffland-Korrespondenz Eigentum des Landes ist und alles getan werden muss, das Konvolut zurückzugewinnen.

Angegriffenes Rechtsbewusstsein?

Und schon ist man mitten in einem Kriminalstück, wie es Iffland nicht besser hätte inszenieren können. Die Rollen sind folgendermaßen besetzt: ein Mitarbeiter der Berliner Akademie der Künste, der mittlerweile 90-jährige Hugo Fetting, der sich im Chaos der Nachkriegszeit aus Trümmern diese und andere Dokumente gesichert hat, dessen Rechtsbewusstsein aber womöglich von wissenschaftlicher Leidenschaft und sammlerischer Obsession etwas angegriffen worden ist; ein Antiquar, der sich dies zunutze machte, das Konvolut und weitere Schriften zu einem Zehntel jener Summe erwarb, für die er es nun in Ludwigsburg an den Mann bringen wollte; schließlich eine freihändig agierende Direktion der Akademie, die mit dem Geschäftsführer von Inlibris windige Deals abschloss im Stile von: Gibst du mir das zurück, schenke ich dir jenes. So jedenfalls erklärt Hugo Wetscherek vom besagten österreichischen Antiquariat seine Abmachung mit der Akademie: Inlibris anerkennt die Eigentumsrechte der Akademie an einem Teil der erworbenen Stücke, Bühnenbildentwürfe, Briefe und Gemälde, dafür anerkennt die Akademie die Eigentumsrechte von Inlibris an der Aktensammlung der Theaterdirektion.

Wem also gehört Iffland? Die Theaterhistorikerin Ruth Freydank hat darauf eine klare Antwort: „Ein solcher Bestand muss auf jeden Fall in öffentlicher Hand bleiben.“ Freydank hat über die Vorgeschichte der Iffland-Hinterlassenschaften geforscht, bis sich deren Spuren im Nachkriegsdunkel zerstreut haben, aus dem sie nun unversehens wieder aufgetaucht sind. „Hier hat man es mit einem Schlüsselmoment der deutschen Theatergeschichte zu tun: binnen kürzester Zeit hat Iffland von 1796 an das Berliner Haus zum führenden Theater Deutschlands gemacht. Er verhalf mit seinen Aufführungen Schiller zum Durchbruch“, sagt die 78-jährige Wissenschaftlerin, die in der DDR die Abteilung Berliner Theatergeschichte am Märkischen Museum geleitet hat. Trotz ihres Alters und eines zur Zeit lädierten Knöchels sei sie beinahe in die Luft gesprungen, als sie jetzt von dem wiederaufgetauchten Dokumentenbestand gehört habe. „Das Einzigartige daran ist die Vollständigkeit, mit der sich hier der Austausch innerhalb der damaligen Geisteselite belegen lässt. Der germanistischen Forschung erschließt dies eine neue unschätzbare Quelle“, sagt Ruth Freydank.

Und noch einen zweiten wichtigen Effekt hat der Fund für die engagierte Theaterforscherin: Durch solch spektakuläre Erfahrungen würden die Versäumnisse der Vergangenheit endlich offenbar. Welche merkwürdigen Spielregeln in den Archiven der Nachkriegszeit teils geherrscht haben, weiß sie aus eigener Anschauung. „Höchste Zeit, dass man sich in Berlin wieder mit der Einrichtung eines Theatermuseums befasst.“

Jetzt ist das Gericht am Zug

Während sich im Felde der Kunst mittlerweile eine intensive Provenienzforschung etabliert hat, fehlt Vergleichbares noch auf anderen Gebieten, schon allein deshalb, weil es sich hier um Objekte handelt, die in der Regel zu weitaus weniger aufsehenerregenden Summen gehandelt werden. Jetzt ist erst einmal das Gericht am Zug. Die Berliner Senatsverwaltung hat gegen Unbekannt und gegen Hugo Fetting eine Strafanzeige „wegen aller in Betracht kommender Delikte“ gestellt. Solange wird es noch dauern, bis der Schatz des einstigen Berliner Impresario seiner fälligen wissenschaftlichen Auswertung zugeführt wird.

Als höchste Auszeichnung für einen Schauspieler gilt im deutschsprachigen Raum der Iffland-Ring, der auf Lebenszeit verliehen wird. Zur Zeit trägt ihn der Schweizer Bruno Ganz. Auch er meldet sich nun zu Wort und fordert, die Dokumente, Briefe und Bühnenbildentwürfe müssten veröffentlicht werden, da sie für die Geschichte des Theaters von großer Bedeutung seien. Etwas in dieser Größenordnung hat Petra Bewer von der Ludwigsburger Antiquariatsmesse bisher noch nicht zu bieten gehabt. Und dabei wird es wohl auch bleiben. „Das antiquarische Buch zieht in der Regel nicht die Aufmerksamkeit auf sich wie die Bildende Kunst.“ Sie könnte es verschmerzen. Sorge macht ihr etwas anderes: „Dass durch den Fall ein negatives Licht auf die Szene fallen könnte.“

Stefan Kister
Der Tagesspiegel
09.01.2014

Das Kulturgut dürfte kaum noch zu verkaufen sein: Land Berlin und Besitzer wollen sich gütlich einigen

Die Aufsehen erregenden Wiederentdeckung des Briefarchivs von August Wilhelm Iffland beschäftigt jetzt auch die Bundesregierung. Die neue Kulturstaatsministerin Monika Grütters sagte dem Tagesspiegel: „Der Fall zeigt, dass die Restitution von Kunst und Kulturgut aus der ehemaligen DDR, verbunden mit verstärkter Provenienzforschung, eindeutig geklärt werden muss. Eine entsprechende Novellierung des bestehenden Kulturgutschutzgesetzes haben wir in Vorbereitung.“

Augenblicklich liegen die 34 Bände mit insgesamt mehr als 7000 Schriftstücken aus Ifflands Direktion von 1796 bis 1814 am Königlichen Nationaltheater zu Berlin in einem Depot der Wiener Rechtsanwältin Ingrid Schwarzinger, die das Wiener Antiquariat Inlibris gegenüber dem Berliner Senat vertritt.

Inlibris-Geschäftsführer Hugo Wetscherek, der die Iffland-Korrespondenzen von dem heute 90-jährigen Berliner Theaterhistoriker Hugo Fetting für offenbar 50 000 Euro erworben hat, möchte die Zwischenlagerung als „Zeichen des guten Willens“ verstehen. Er beharrt aber auf seinem Verfügungsrecht, auch wenn er auf einen angekündigten Verkauf der kulturhistorisch bedeutsame Sammlung für 450.000 Euro zunächst verzichtet.

Das Land Berlin hat zwar bei der hiesigen Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen Fetting gestellt, jedoch von einer zivilrechtlichen Klage auf Herausgabe bei einem Wiener Gericht bisher abgesehen. Beide Seiten versuchen eine gütliche Einigung. Im Hintergrund steht dabei eine schwer nachvollziehbare „Vereinbarung“ zwischen der Berliner Akademie der Künste (AdK) und Wetscherek über die Iffland-Sache. Bereits 2010 hatte der frühere Mitarbeiter der Ostberliner Akademie der Künste Hugo Fetting der Nachfolge-Institution seines früheren Arbeitgebers Ifflands Korrespondenz nebst weiteren Teilen seiner „Privatsammlung“ angeboten. Statt den Bund und den Kulturstaatsminister als Träger der AdK damals zu informieren, gab die Akademie bei einem Berliner Anwalt ein Gutachten in Auftrag, das laut Auskunft des Archivdirektors Wolfgang Trautwein „aus Verjährungsgründen“ einen eigenen Anspruch auf Fettings Besitztümer verneinte.

Dies stößt nun auf Kritik beim Bund und wirkt vollends kurios. Denn Fetting behauptet, die Iffland-Papiere 1953 aus einem „Trümmerhaufen“ nahe der Staatsoper Unter den Linden „gerettet“ zu haben. Fünf Jahre später hatte er, gestützt auf seine Beute, über Iffland promoviert, aber in der Dissertation die Provenienz seiner kostbaren Quelle verschwiegen.

Mit allem Grund: Paragraf 935 BGB lässt eine gutgläubige „Ersitzung“ bei offenkundig abhandengekommenem fremdem Eigentum nicht zu. Die 34 Korrespondenz-Bände stammen aus dem Besitz des vormaligen Preußischen Staatstheaters (bis 1945 Nachfolger des Königlichen Nationaltheaters). Auf dem Grundstück des vom Krieg schwer beschädigten Gebäudes der ehemaligen Generalintendanz des Staatstheaters hat der junge Archivar Fetting das Material – womöglich in offenen Räumen und Regalen – „gefunden“. Dabei bestand kein Zweifel, dass die Sammlung des einstigen Theaterdirektors mit tausenden Schriftstücken (unter anderem einem Brief Goethes) amtlicher, öffentlicher Besitz war.

Tatsächlich hatte das Iffland-Konvolut seit 1929 zum Berliner Theatermuseum gehört, das seinerseits dem Preußischen Staatstheater unterstand. Einzige institutionelle Nachfolgerin der Preußischen Staatsbühnen ist heute die Staatsoper Unter den Linden. Für das einstige Museum aber wäre die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und damit auch der Bund zuständig. Das spricht für eine Abstimmung zwischen Kulturstaatsministerin Monika Grütters und dem Senat. Grütters sagt, auch sie begreife den Iffland-Schatz als „nationales Kulturgut“, sehe die Sache aber erstmal bei Berlin. In jedem Fall stehen die Chancen für eine Rückführung gut – weil der Wiener Antiquar angesichts der Provenienz und Art seiner Erwerbung dafür jetzt keinen Käufer mehr finden dürfte.

Peter von Becker
Mannheimer Morgen
09.01.2014

Hintergrund: Zum „überraschenden“ Archiv-Fund des Mannheimer Schauspielers und Berliner Theaterdirektors August Wilhelm Iffland

Mit Sensationsfunden ist das derzeit ja so eine Sache. Kaum taucht etwas Spektakuläres auf, schon muss – ob verkrampft oder gierig, zumindest aber sehr kritisch – auf die Eigentumsverhältnisse geschielt werden. Der Fall Gurlitt hat es gelehrt, der Fall Iffland marschiert in eine ähnliche Richtung. Was ist passiert?

Auf der Ludwigsburger Fachmesse „Antiquaria“ (23. bis 25. Januar) sollte ein Schatz des Wiener Antiquariats Inlibris zum stolzen Preis von 450 000 Euro angeboten werden, der auch für Mannheim relevant ist: „Korrespondenzarchiv Ifflands“ heißt die Position aus 6000 handschriftlichen Stücken in 34 Bänden des einstigen Direktors des Königlichen Nationaltheaters in Berlin (1796 bis 1814), auf der jetzt – nachdem das Land Berlin eine Anzeige einreichte – der Stempel „zensiert“ prangt.

Vom Nationaltheater nach Berlin

Bevor August Wilhelm Iffland Herr des von Carl Gotthard Langhans neu errichteten Schauspielhauses am Gendarmenmarkt wurde, war er nahezu ebenso lang Schauspieler und Dramatiker am Mannheimer Nationaltheater. In den zahlreichen Publikationen zum Fund findet sich allenfalls eine Bemerkung, dass Iffland den Franz Moor in Schillers „Räuber“-Uraufführung spielte. Der Uraufführungsort und das Wort Mannheim fallen nirgends, obwohl sich unter den theaterwissenschaftlich wie kulturhistorisch höchst bedeutenden Schriften, neben Briefen von August Wilhelm Schlegel, Ludwig Tieck (und einem Goethe-Brief), auch Schriftwechsel mit den zeitgleich mit ihm in Mannheim tätigen Größen Wolfgang Heribert von Dalberg und August von Kotzebue befinden.

Der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz will „das Kulturgut von nationalem Rang“ nun wieder in Berlin sehen. Obwohl Iffland an der Spree stets höchst unzufrieden war, ist Berlin jetzt in heller Aufregung und reklamiert die Schriften des wichtigsten Theatermannes der Goethe-Zeit für sich. Dort waren sie auch beheimatet.

Von 1929 bis 1945 war der Iffland-Nachlass im Berliner Stadtschloss öffentlich ausgestellt und von dort – Protokolle der Auslagerung sind nicht vorhanden – vor den Bomben in Sicherheit gebracht worden. Gefunden hat ihn – und da wird es spannend – ein heute 90-jähriger Herr namens Hugo Fetting, der ihn (laut „Tagespiegel“) 1953 in den Trümmern der ehemaligen Generalintendanz der Preußischen Staatstheater gefunden haben will. Im Gegensatz zu Cornelius Gurlitt hortete der Finder/In-Verwahrung-Nehmer/Retter/Aneigner seine Hebung nicht im Verborgenen, sondern publizierte als Theaterwissenschaftler munter zu seinen Schätzen. Auf Existenz und Verbleib des Archivs hätte man also in der Germanistik, in Berlin, am Iffland-Geburtsort Hannover oder auch in Mannheim früher kommen können. Das Spiel beginnt aber erst, als sich Fetting sechs Jahrzehnte später gegen Bares vom Fund trennen will. Die Berliner Akademie der Künste bietet ihm auf dessen Angebot und Nachfrage allenfalls Finderlohn. Und Finder Fetting wendet sich an das Wiener Antiquariat, das ihn von 70 000 auf 50 000 Euro herunterhandelt und die Ware für besagte 450 000 Euro in Ludwigsburg zu veräußern gedachte.

Nun ist es ein Fall für die Gerichte geworden. Das Antiquariat, das sich nach seinem Empfinden im Vorfeld in Sachen Eigentumsklärung mit der Akademie einig war, und zahlreiche Berliner Kulturinstitutionen werden nun die komplexe Rechtsnachfolge der einstigen Staatstheater, Museen und Generalintendanzen klären müssen. Und Hugo Fetting wird sich gefallen lassen müssen, dass der angebliche Trümmerfund nochmals unter die Lupe genommen wird.

Komplexe Ansprüche

Für Mannheim besteht keine Hoffnung auf Ansprüche, war der Nachlass doch eindeutig schon 1814 in Berliner Hand. Vielleicht sollte man auf den Rat eines Kollegen der Ururenkelgeneration hören: Bruno Ganz, prominenter aktueller Preisträger des nach dem Theaterfürsten benannten Iffland-Ringes, fordert ohne lokalpatriotischen Anstrich die Veröffentlichung der Dokumente, weil sie für das Theater wichtig sind.

In diesem Jahr jährt sich der Todestag des großen Schauspielers und Schiller-Zeitgenossen Iffland also zum 200. Mal. Da könnten dann Forscher und Theaterinteressierte in Berlin, Mannheim, Gotha und Hannoveraner ihrem Iffland noch ein Stück näher kommen und die Bezüge zu seinem Wirken jeweils vor Ort verdichten…

Ralf-Carl Langhals
Badische Zeitung
09.01.2014

50 Jahre lang hat sich niemand dafür interessiert: Nun ist die Korrespondenz August Wilhelm Ifflands aufgetaucht.

Im Katalog der Antiquariatsmesse Ludwigsburg, die vom 23. bis zum 25. Januar stattfindet, ist der Posten noch aufgeführt: Für 450 000 Euro bieten die Antiquariate Inlibris und Kotte das 34-bändige Korrespondenzarchiv des legendären Berliner Schauspielers und Theaterintendanten August Wilhelm Iffland an – obwohl das sensationelle Angebot inzwischen zurückgezogen wurde. Die Nachricht vom Wiederauftauchen der Dokumente, die unter anderem den Briefwechsel mit dem Dramatiker Kotzebue enthalten und einen unschätzbar wertvollen Einblick in die Berliner Theatergeschichte um 1800 geben, hat die Kulturwelt elektrisiert. Die Rede ist schon von einem zweiten Fall Gurlitt. Das scheint einigermaßen übertrieben zu sein.

Tatsache ist, dass der 90-jährige Theaterwissenschaftler Hugo Fetting, zeitweiliger Mitarbeiteter an der Akademie der Künste in der DDR, 50 Jahre lang im Besitz der rund 6000 Seiten umfassenden Korrespondenz Ifflands mit seinen Zeitgenossen gewesen ist. Die Bände will er 1953 auf einer Müllhalde an der Berliner Oberwallstraße gefunden haben, wo sich bis zum Ende der Krieges die Generalintendanz der Berliner Theater befunden hatte. Davor gehörte das Iffland-Archiv zu den Beständen der Preußischen Staatstheater, die es dem in den Zwischenkriegs jahren gegründeten Theatermuseum überließen, das 1937 ins Stadtschloss übersiedelte. Wohin die Bestände von dort ausgelagert wurden, um sie vor Bombenangriffen in Sicherheit zu bringen, lässt sich nicht hundertprozentig rekonstruieren, wie die Theaterwissenschaftlerin Ruth Freydank in ihrem 2011 erschienenen Buch „Der Fall Berliner Theatermuseum“ darlegt, das den Spuren des erhaltenen Materials minutiös nachgeht.

Wie es sein kann, dass ein Privatmann über eine so lange Zeit eine für die deutsche Theatergeschichte so zentrale Dokumentensammlung in seinem „Besitz“ halten und wissenschaftlich für eigene Studien ausschlachten konnte, erstaunt. 2012 hatte Fetting versucht, die Bände dem Archiv der Berliner Akademie der Künste zu verkaufen. Doch diese wollte ihm einen Finderlohn zahlen – unter der Prämisse, dass es sich um öffentliches Eigentum handele.

Dafür kaufte dann das Wiener Antiquariat Inlibris Fetting die Bände, aus denen die wichtigsten Briefe der Großen ihrer Zeit (Goethe, Schiller, Kleist) für eine Ausstellung ausgegliedert worden waren und als verschollen gelten, für die bescheidene Summe von 50 000 Euro ab. Da dem Antiquariat Zweifel an der privatem Provenienz der Sammlung kamen, verhandelte es mit der Akademie der Künste, die am Ende aber nichts dagegen hatte, dass Inlibris das Konvolut auf der „Antiquaria“ anbot – im Gegensatz zur Berliner Senatsverwaltung, die Strafanzeige gegen Unbekannt erstattete und Inlibris aufforderte, das Angebot zurückzuziehen.

Man wird abwarten müssen, ob und wie die Sache juristisch geklärt werden kann. Betonen muss man nicht, dass ein Verlust des Iffland-Archivs nicht zu verschmerzen wäre. In dem Sinne hat jetzt Bruno Ganz, derzeitiger Träger des lebenslang verliehenen Iffland-Ringes, die Veröffentlichung der Korrespondenz gefordert. Unglaublich, dass daran all die Jahre niemand gedacht hat.

BZ
Thüringische Landeszeitung
09.01.2014

Sein verschollener Nachlass aus der Klassikerzeit ist wieder aufgetaucht und sollte auf einer Antiquariatsmesse verkauft werden.

Weimar/Gotha/Berlin. Heftiger Aufruhr ist in Berlin um den verschollen geglaubten Nachlass August Wilhelm Ifflands (1759-1814), des berühmtesten Theatermachers der Goethezeit, entstanden. Ein Wiener Antiquariat hatte das wertvolle Konvolut aus 6000 Briefen, Manu-skripten und Theaterzetteln im Katalog für eine Messe in Ludwigsburg angeboten. Daraufhin stellte die Berliner Kulturverwaltung Strafanzeige gegen den Sammler, aus dessen Besitz die Dokumente stammen.

Auf jeden Fall sollen die in 34 Bände gebundenen Blätter für die Öffentlichkeit und Wissenschaft gesichert werden. Statt eines Rechtsstreits erwarten Experten jedoch eine außergerichtliche Einigung. Darum wird sich nun in erster Linie das Land Berlin bemühen. Aus Weimar und Gotha, wo Iffland ebenfalls auftrat, sind vorerst keine Initiativen zu erwarten.

Um die Bedeutung des Schauspielers, Autors und Regisseurs für die Klassikzeit zu ermessen, muss man sich nur diese Szene vorstellen: Als am Abend des 13. Januar 1782 im Theater Mannheim der Vorhang fällt, brechen Tumulte der Begeisterung aus, schlagartig avanciert ein schwäbischer Feuerkopf zum „Rising Star“ am Dramatikerhimmel – Friedrich Schiller. Und die ambivalente Figur des Franz Moor, der „Canaille“, gab kein anderer als Iffland. „Sie hätten ihn sollen sehen auf den Knieen liegen und beten, als um ihn schon die Gemächer des Schlosses brannten“, schreibt Schiller in einer anonymen Selbstrezension.

Später begegnete man sich – anno 1796 – wieder: in Weimar. Dort trat Iffland auf Einladung des Intendanten Goethe auf, überwarf sich aber alsbald mit ihm. Ignoriert man die nichtigen Eifersüchteleien im Theaterbetrieb, so dürfte es den Klassiker Goethe gewurmt haben, dass das gemeine Publikum viel lieber die unterhaltsamen Stücke von Iffland und Kotzebue sehen wollte. Iffland ging daraufhin nach Berlin und wurde 1811 Direktor des königlichen Schauspiels, der nunmehr führenden Bühne in deutschen Landen.

Erste Gehversuche auf den Brettern, die die Welt bedeuteten, hatte der junge Iffland ebenfalls in Thüringen unternommen. 1777 heuerte er als 18-Jähriger bei Conrad Ekhof am Gothaer Hoftheater an. Aus dieser Zeit existieren in der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt aber lediglich vier Briefe, in denen er erwähnt wird. Ohnedies zog es ihn schon 1779, mit einem Großteil des Ensembles, gen Mannheim.

Kathrin Paasch, Leiterin der Forschungsbibliothek, wird sich deshalb vorerst nicht um den nun wiederentdeckten Iffland-Nachlass bemühen. „Uns würde das schon interessieren“, sagte sie gestern der TLZ. „Aber Berlin ist da wichtiger.“ Auch Hellmut Seemann, Präsident der Klassik Stiftung Weimar, vertritt die Auffassung, dass diese Bestände nach Berlin gehören.

Dort wurden sie auch lange Zeit im Archiv der Darstellenden Künste aufbewahrt: bis 1944 im Berliner Schloss und nach dem Zweiten Weltkrieg in der Staatsoper. Laut ei­nem jetzt angestellten Gutachten des zuständigen Archivleiters in der Akademie der Künste, Stephan Dörschel, tauchen die Iffland-Papiere jedoch in einer Bestandsaufnahme von 1967 nicht mehr auf.

Der pikante Hintergrund: Just dieses Inventar hatte der damalige Mitarbeiter der DDR-Akademie der Künste, Hugo Fetting, vorgenommen. Laut Dörschels Darstellung habe Fetting jahrelang die Bände in seinem Arbeitszimmer aufbewahrt und „seine Finger drauf gehabt“. Der inzwischen 90-jährige Fetting, ein promovierter Theaterhistoriker, erklärte indes am Dienstag im „Tagesspiegel“ (Berlin), wie er an Ifflands Nachlass gekommen sei: „Ich habe die Sachen per Zufall im Sommer 1953 in der Oberwallstraße in den Trümmern der ehemaligen Generalintendanz der Preußischen Staatstheater gefunden und nach Hause genommen. Das wäre kurz danach verloren gegangen (…). Ich fühle mich völlig im Recht als Finder und Eigentümer, nachdem sich über 50 Jahre niemand gemeldet hat.“

Und so veräußerte Fetting voriges Jahr Ifflands Briefe nebst anderen Dokumenten aus dem Berliner Theaterleben an das Wiener Antiquariat, das sie nun für 450.000 Euro feilbot. Inzwischen ist das Angebot storniert worden. Gespannt darf man sein, welcher Preis bei der angestrebten außergerichtlichen Einigung bezahlt wird. Klar ist zurzeit nur, dass Ifflands Nachlass in öffentliche Hände gehört. Dafür setzt sich auch Bruno Ganz als Träger des Iffland-Ringes ein. Diese Auszeichnung – ein Kunstidol – wird seit je dem „zur Zeit Würdigsten“ unter den deutschsprachigen Schauspielern auf Lebenszeit verliehen.

Wolfgang Hirsch
Oberbayerisches Volksblatt
09.01.2014

Tausende verschollene Papiere Ifflands sind wieder aufgetaucht – Berlin fordert die Rückgabe

Er war der wichtigste Theatermacher in Preußen: Für August Wilhelm Iffland (1759 bis 1814) schrieben Goethe und Schiller Stücke, als Intendant beherrschte er die Szene in Berlin und Weimar.

Jahrelang galt der Nachlass des Schauspielers und Theaterdirektors als verschollen – jetzt sind tausende Briefe und Manuskripte Ifflands wieder aufgetaucht. Um die Dokumente ist allerdings Streit ausgebrochen. Das Land Berlin hat Ende November 2013 Anzeige gegen einen Sammler eingereicht, der das Archiv einem Wiener Antiquariat angeboten hatte, wie der Sprecher der Kulturverwaltung, Günter Kolodziej, sagte. Es bestehe der Verdacht, dass der Verkäufer unrechtmäßig an den Iffland-Nachlass gekommen sei.

Nach Angaben der Berliner Kulturverwaltung sei mit der Anzeige zunächst verhindert worden, dass die Dokumente verkauft wurden. Die 34 Bände mit rund 6000 Briefen, Manuskripten und Besetzungslisten waren vom Wiener Antiquariat Inlibris für 450 000 Euro im Katalog der Messe „Antiquaria“ in Ludwigsburg unter dem Titel „Die Geburt des deutschen Nationaltheaters: Das bislang verschollene Korrespondenzarchiv Ifflands“ angeboten worden. Inlibris hatte vom Berliner Sammler Hugo Fetting zahlreiche Dokumente zur Berliner Theatergeschichte, darunter auch den Iffland-Nachlass, erworben. Wie aus dem Briefwechsel zwischen der Senatskanzlei und der Inlibris-Anwältin hervorgeht, strebt das Land keinen Rechtsstreit um die Iffland-Akte an. Bevorzugt werde eine außergerichtliche Einigung. Inlibris hat unterdessen das Konvolut aus seinem Angebot zurückgezogen, wie Antiquariats-Geschäftsführer Hugo Wetscherek bestätigte.

Er habe die Dokumente einem Anwalt übergeben. Es sei längst bekannt gewesen, dass Fetting, einstiger Mitarbeiter der Ost-Berliner Akademie der Künste, seine Sammlung zum Verkauf angeboten habe. Inlibris hatte sich im Oktober mit der Akademie über andere Teile der Sammlung geeinigt. Dabei gab das Wiener Antiquariat Dokumente zur Theatergeschichte zurück, aus denen hervorgeht, dass sie im Akademiebesitz waren. Zu der Vereinbarung gehört ausdrücklich nicht die Iffland-Akte. Wie der Nachlass in den Besitz Fettings kam, ist ungeklärt. Nach einem Gutachten des Leiters des Archivs Darstellende Kunst der Akademie der Künste, Stephan Dörschel, habe Fetting die Bände im Arbeitszimmer aufbewahrt und „seine Finger drauf gehabt“. Das Archiv war bis 1944 im Theatermuseum im Berliner Schloss untergebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die Museumsbestände an die Berliner Staatsoper über. In einer von Fetting vorgenommenen Bestandsaufnahme tauchten die Iffland-Papiere 1967 nicht mehr auf, heißt es in dem Gutachten.

Bruno Ganz, der aktuelle Träger des Iffland-Rings, wünscht sich eine schnelle Veröffentlichung der Dokumente.

Esteban Engel
Vorarlberger Nachrichten
09.01.2014

Berlin, Wien. Der Schauspieler Bruno Ganz hat die Veröffentlichung jüngst aufgetauchter Manuskripte des legendären Theaterdarstellers August Wilhelm Iffland (1759–1814) gefordert. Die Dokumente, darunter Briefe und Bühnenbildentwürfe, seien für die Geschichte des Theaters wichtig, sagte Ganz.

Der Künstler ist der aktuelle Träger des Iffland-Rings, der an Schauspieler auf Lebenszeit verliehen wird. Um den Nachlass Ifflands ist, wie berichtet, ein Streit entbrannt. Die rund 6000 Dokumente sollten auf einer Messe in Ludwigsburg verkauft werden. Das Land Berlin hat Anzeige gegen einen Sammler eingereicht, der das Archiv einem Wiener Antiquariat angeboten hatte. Es bestehe der Verdacht, dass der Verkäufer unrechtmäßig an den Iffland-Nachlass gekommen sei. Das Antiquariat hatte den Nachlass daraufhin vom Markt genommen. Iffland gilt als wichtiger Theatermacher.

Die Zeit
09.01.2014

Der Streit um den Nachlass eines vor 200 Jahren Gestorbenen.

Das Herrliche, aber auch das Gemeine am Theater ist, dass sein Wesentliches nicht überliefert werden kann: das Spiel auf der Bühne. So kommt es, dass von den größten Bühnenkünstlern nur ein Name bleibt, der ab und zu, wie höhnischer Donnerschlag aus der Vergangenheit, von uns Heutigen vernommen wird, aber im Grund nichts mehr bedeutet: „Pallenberg! Gründgens! Korrrrtner!“

Aus der größten Ferne, die man sich vorstellen kann, dringt nun dieser Name zu uns: Iffland, gesprochen mit mindestens vier f. August Wilhelm Iffland (1759 bis 1814) war der erste wahre deutsche „Theatermacher“. Es gab nichts, was er sich nicht zutraute: Er war Schauspieler, Theaterdirektor, Dramatiker. Bei der Uraufführung von Schillers Räubern gab er den Franz Moor, von 1796 bis zu seinem Tod leitete er das Nationaltheater Berlin. Goethe rühmte seine Einbildungskraft, Ludwig Börne allerdings schimpfte über Ifflands Dramatik: „Dreistündige Leiden, als wäre dies nichts bei der Kürze des menschlichen Lebens!“

Nun könnte Iffland so etwas wie Auferstehung im Gedächtnis der Deutschen feiern: Unermessliche Zeugnisse seines Schaffens sind aufgetaucht. Auf der Antiquariatsmesse Antiquaria in Ludwigsburg (23. bis 25. Januar) sollte das lange verschollene Korrespondenzarchiv Ifflands zum Verkauf angeboten werden: 6000 Schriftstücke in 34 Bänden, ein Vermächtnis. Zurzeit sind die Bände im Besitz des Wiener Antiquariats Inlibris, welches sie für 450 000 Euro anbieten wollte. Dazu wird es nicht kommen.

Es ist nämlich strittig, wer der rechtmäßige Besitzer der Dokumente ist. Einst gehörten sie zur Sammlung des Berliner Theatermuseums, das bis 1944 existierte. Um sie vor Kriegsschäden zu bewahren, wurden die Bestände ausgelagert, viele gingen in der Nachkriegszeit verloren. Inzwischen hat sich ein Finder zu erkennen gegeben: der Theaterwissenschaftler Hugo Fetting, ein langjähriger Mitarbeiter der Akademie der Künste der DDR. Er habe die Iffland-Konvolute, so erzählte er jetzt der Süddeutschen Zeitung, 1953 auf einer Müllhalde in Berlin gefunden. Ende 2012 verkaufte er seinen Haldenfund an das Antiquariat Inlibris – für 50 000 Euro, wie er der SZ sagte.

Nun herrscht Chaos: Die Berliner Akademie der Künste erkennt das Eigentumsrecht von Inlibris am Iffland-Schatz an, die Berliner Senatsverwaltung hingegen zieht es massiv in Zweifel. Sie hat „Strafanzeige gegen unbekannt sowie insbesondere gegen Herrn Dr. Hugo Fetting“ gestellt. Fraglich, ob die historischen Zeugnisse je ans Licht der Öffentlichkeit kommen. Es droht langer juristischer Streit. Wir hoffen, dass er ein gutes Ende findet, und lesen derweil Iffland. In seinem Drama Die Jäger steht: „Gut getragne Widerwärtigkeit ist auch Glück.“

Peter Kümmel
Augsburger Allgemeine
09.01.2014

Wieder ein Fund. Plötzlich taucht der verschollene Iffland-Nachlass auf. Wem gehört der nun?

Augsburg. Gefunden, wiedergefunden wird ja alle Nas‘ lang etwas. Auf Dachböden, in Kellern, per Metalldetektor im Erdreich, in Münchner Wohnungen, in Museumsarchiven. Doch zur Entdeckungsfreude kommt nicht selten die Entdeckerlast der Klärung: Wem gehört der Schatz eigentlich? Siehe München gestern.

Und siehe Wien und Roßhaupten im Allgäu heute. Da wie dort sitzt ein Antiquariat, „Inlibris“ in Wien, Kotte in Roßhaupten. Beide arbeiten seit Jahr und Tag Hand in Hand, sie vertrauen sich „blind“, wie Hugo Wetscherek aus Wien gestern telefonisch erklärte. 2013 haben sie einen Luther-Brief an Melanchthon gemeinsam verkauft, jetzt wollten sie gemeinsam auf der Ludwigsburger „Antiquaria“ (23.-25. Januar) den Nachlass des großen preußischen Theatermachers August Wilhelm Iffland (1759-1814) für 450.000 Euro veräußern.

Wollten. Denn dagegen hat die Verwaltung des Berliner Senats Einspruch erhoben. Derzeit ist der Nachlass in 34 Bänden mit 6000 Blättern bei einem Anwalt hinterlegt.

Der Nachlass Ifflands! Der Nachlass des Schauspielers und Theaterdirektors, der in der Rolle von Franz Moor „Die Räuber“ von Friedrich Schiller mit uraufführte und als Intendant die (Weimarer) Klassiker auf die Bühne brachte und mit ihnen korrespondierte. Gibt’s diesen Nachlass überhaupt noch? Gilt er nicht als verschollen seit dem Zweiten Weltkrieg?

Er galt es bis vor kurzem. Bis die beiden Antiquariate ihn jüngst anboten. Wo also kommt er her? Er kommt über einen Mittelsmann von dem Berliner Theaterhistoriker Hugo Fetting (* 1923), der jahrzehntelang Mitarbeiter der Ostberliner Akademie der Künste war – und in Sachen Iffland auch publizierte.

Einst gehörte der Iffland-Nachlass zu den Beständen der Preußischen Staatstheater; bei der Auslagerung gegen Kriegsende wurden die Bestände aufgeteilt und erreichten schließlich den Preußischen Kulturbesitz einerseits, die Ostberliner Akademie der Künste andererseits. Aber bei der Auslagerung in den Kriegswirren verlor sich der konkrete Aufenthaltsort des Iffland-Nachlasses; er galt seitdem als verschollen – bis ihn dann Fetting gegen angeblich 50.000 Euro verkaufte. Wo aber hatte Fetting ihn her?

Er selbst erklärt, dass er die 6000 Seiten im Frühling 1953 auf dem Müll nahe der Generalintendanz gefunden habe – zusammen mit anderem historischen Material (zum Beispiel über Helene Weigel), das er ebenfalls „Inlibris“ Wien und Kotte Roßhaupten verkauft hat. Nun aber wird es sehr spannend.

Denn dieses andere historische Material ist mittlerweile wieder nach Berlin rückübergeben worden, und zwar ins Archiv der Akademie der Künste, die einleuchtend Besitzanspruch darlegen konnte. Nur der Iffland-Nachlass verblieb in Wien, ja mehr noch: Das Archiv der Akademie der Künste anerkannte schriftlich, dass das Eigentumsrecht bei „Inlibris“ liege und dass es „auf die Geltendmachung jedweder Rechte an der Aktensammlung“ verzichte. Diese Erklärung liegt unserer Zeitung auch schriftlich vor. Daraus folgert Wetscherek: „Die Eigentumsrechte sind von allen Seiten festgeschrieben.“

Doch genau das missfällt dem Regierenden Bürgermeister – und dem Land Berlin. Es hat Strafanzeige gegen Fetting eingereicht, weil dieser im Verdacht stehe, unrechtmäßig an den Nachlass gelangt zu sein. Laut dem Leiter des Archivs der Akademie der Künste hat Fetting die 34 Bände jahrelang in seinem Arbeitszimmer aufbewahrt. Und zwar als Leihgabe der Oper unter den Linden, wie es eine ehemalige Mitarbeiterin der Ostberliner Akademie zu Protokoll gegeben hatte.

Wie also war es wirklich? Hat Hugo Fetting die Iffland-Dokumente tatsächlich auf dem Müll gefunden – und quasi gerettet? Oder hat er sie geliehen, unterschlagen und dann letztlich gestohlen, um sie weiterzuverkaufen? Nicht nur im Fall Gurlitt holt uns der Nationalsozialismus mit seinen Folgen abermals ein.

Rüdiger Heinze
die tageszeitung
08.01.2014

BRIEFE – Um die Dokumente gibt es Streit

Er war der wichtigste Theatermacher in Preußen: Für August Wilhelm Iffland (1759-1814) schrieben Goethe und Schiller einige ihrer wichtigsten Stücke, als Intendant beherrschte er die Szene in Berlin und Weimar. Jahrelang galt der Nachlass des legendären Schauspielers und Theaterdirektors als verschollen – jetzt sind Tausende Briefe und Manuskripte Ifflands wiederaufgetaucht. Um die Dokumente ist allerdings Streit ausgebrochen. Das Land Berlin hat Ende November 2013 Anzeige gegen einen Sammler eingereicht, der das Archiv einem Wiener Antiquariat angeboten hatte, wie der Sprecher der Kulturverwaltung, Günter Kolodziej, am Dienstag sagte. Es bestehe der Verdacht, dass der Verkäufer unrechtmäßig an den Iffland-Nachlass gekommen sei.

Nach Angaben der Berliner Kulturverwaltung sei mit der Anzeige zunächst verhindert worden, dass die wertvollen Dokumente weiterverkauft wurden. Die 34 Bände mit rund 6.000 Briefen und Manuskripten waren vom Wiener Antiquariat Inlibris für 450.000 Euro angeboten worden.

Inlibris hatte vom Berliner Sammler Hugo Fetting zahlreiche Dokumente zur Berliner Theatergeschichte erworben, darunter auch den Iffland-Nachlass. Wie aus dem Briefwechsel zwischen der Senatskanzlei und der Inlibris-Anwältin hervorgeht, bevorzugt das Land eine außergerichtliche Einigung.

Inlibris hat unterdessen die Iffland-Akte aus ihrem Angebot zurückgezogen, wie Antiquariatsgeschäftsführer Hugo Wetscherek am Dienstag bestätigte. Er habe die Dokumente einer Anwaltskanzlei bis zur Klärung der Eigentumsfrage übergeben. Wetscherek warf dem Senat vor, Druck gegen ihn aufzubauen. Es sei längst bekannt gewesen, dass Fetting seine Sammlung zum Verkauf angeboten habe.

dpa

Der Schauspieler Bruno Ganz hat die Veröffentlichung jüngst aufgetauchter Manuskripte des legendären Theaterdarstellers August Wilhelm Iffland (1759-1814) gefordert.

Die Dokumente, darunter Briefe und Bühnenbildentwürfe, seien für die Geschichte des Theaters wichtig, sagte Ganz der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Donnerstag). Ganz ist Träger des Iffland-Rings, der an Schauspieler auf Lebzeit verliehen wird. Um den Nachlass Ifflands ist ein Streit entbrannt. Die rund 6000 Dokumente sollten auf einer Messe in Ludwigsburg verkauft werden. Das Land Berlin hat Anzeige gegen einen Sammler eingereicht, der das Archiv einem Wiener Antiquariat angeboten hatte. Es bestehe der Verdacht, dass der Verkäufer unrechtmäßig an den Iffland-Nachlass gekommen sei. Das Antiquariat hatte den Nachlass daraufhin vom Markt genommen – bis zur Klärung der Herkunft. Iffland gilt als der wichtigste preußische Theatermacher.

dpa

Bruno Ganz fordert die Veröffentlichung der rund 6000 Dokumente. Der Finder will die 34 Bände 1953 in den Trümmern der einstigen Generalintendanz der Preußischen Staatstheater entdeckt haben.

Es kann nur einen Träger geben: Wer den Iffland-Ring bekommen hat, behält ihn bis zum Lebensende und gibt ihn dann an den aus seiner Sicht „bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters“ weiter.

Seit 1996 trägt Bruno Ganz den Fingerring mit dem Bild des Schauspielers, Theaterdirektors und Dramatikers August Wilhelm Iffland, der am Mannheimer Nationaltheater in der Uraufführung von Friedrich von Schillers Drama „Die Räuber“ Franz Moor spielte und in Berlin als Direktor des Königlichen Nationaltheaters (1796-1814) Bühnengeschichte schrieb. Bruno Ganz hat sich jetzt in den Streit um die jüngst aufgetauchten Iffland-Manuskripte eingeschaltet und fordert deren Veröffentlichung. Die Dokumente, darunter Briefe und Bühnenbildentwürfe, seien für die Geschichte des Theaters wichtig.

Um diesen Nachlass Ifflands ist ein Streit entbrannt. Die rund 6000 Dokumente sollten Ende dieses Monats auf einer Messe in Ludwigsburg verkauft werden. Aber das Land Berlin hat Strafanzeige gegen den Sammler Hugo Fetting eingereicht, der das Archiv einem Wiener Antiquariat angeboten hatte. Es bestehe der Verdacht, dass der Verkäufer unrechtmäßig an den Iffland-Nachlass gekommen sei. Das Antiquariat hatte den Nachlass daraufhin vom Markt genommen – bis zur Klärung der Herkunft.

Einen Freibrief ausgestellt

Die vom Bund finanzierte Akademie der Künste Berlin war frühzeitig in den Fall involviert. Sie machte Ansprüche auf Teile der Sammlung Fetting geltend – und verzichtete gleichzeitig auf den Iffland-Nachlass, „weil der nicht uns gehört“, wie Archiv-Direktor Wolfgang Trautmann gegenüber der Morgenpost sagte. Bei den anderen, überwiegend aus dem 20. Jahrhundert stammenden Teilen der Sammlung sei die Akademie der Künste der DDR Eigentümer gewesen, teilweise sind die Materialien mit einem entsprechenden Stempel versehen.

Dass die Akademie in einem Gutachten explizit auf Ansprüche auf den Iffland-Nachlass verzichtet und damit aus Sicht des Antiquariats einen Freibrief ausstellte, bezeichnet Trautwein als „unglückliche Formulierung“. Nachdem der Vertrag mit dem Auktionshaus im Herbst 2013 unterzeichnet worden war, habe man das Landesarchiv Berlin über den Iffland-Nachlass informiert.

Strafanzeige gestellt

Das Landesarchiv hat das dann der Senatskulturverwaltung mitgeteilt, die „juristische Schritte eingeleitet hat, um einen Weiterverkauf zu verhindern“, wie Sprecher Günter Kolodziej sagte. Er hofft, dass die Sammlung nach Berlin zurückkehrt. Wie der Iffland-Nachlass, der aus 34 Bänden mit rund 6000 Briefen, Manuskripten und Besetzungslisten besteht, in den Besitz von Hugo Fetting gekommen sein soll, kam, klingt kurios: Fetting, der von 1953 bis Mitte der 70er Jahre an der Ost-Akademie arbeitete, will den Schatz im Sommer 1953 in den Trümmern der ehemaligen Generalintendanz der Preußischen Staatstheater an der Oberwallstraße gefunden haben. Er nahm die Sachen mit nach Hause.

Conrad Wiedemann, der lange Jahre die Forschungsstelle „Weimarer Klassik“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften leitete, hält das wieder aufgetauchte Iffland-Konvolut für einen der wichtigsten Nachlass-Funde der Nachkriegs-Zeit. Er plädiert in der Tageszeitung „Die Welt“ dafür, „schleunigst eine Forschungsstelle“ zu schaffen, „die das alles erschließt“. Und gibt den Kollegen von der Akademie der Künste einen Seitenhieb mit. Da die sich „nicht für Iffland interessiert, wäre es sinnvoll, die Forschungsstelle an der Akademie der Wissenschaften anzusiedeln, wo es ja bereits eine Tradition der Iffland-Forschung gibt.“

Stefan Kirschner
Weser-Kurier
08.01.2014

Berlin. Berlin will den Verkauf Tausender Briefe und Manuskripte des legendären Schauspielers und Theaterdirektors August Wilhelm Iffland (1759-1814) verhindern. Das Land habe Ende November 2013 Anzeige gegen einen Sammler eingereicht, der das Archiv des Schauspielers und langjährigen Leiters des Nationaltheaters in Berlin einem Wiener Antiquariat angeboten hatte, sagte gestern der Sprecher der Kulturverwaltung, Günter Kolodziej. Es bestehe der Verdacht, dass der Verkäufer unrechtmäßig an den Iffland-Nachlass gekommen sei. Damit sei zunächst verhindert worden, dass die wertvollen Dokumente weiterverkauft wurden, sagte Kolodziej. Die 34 Bände mit rund 6000 Briefen, Manuskripten und Besetzungslisten waren für 450000 Euro im Katalog einer Messe in Ludwigsburg angeboten worden. Nach der Berliner Anzeige wurde das Angebot zurückgezogen.

Und wieder eine Hauptstadtposse: Einer der bedeutendsten Nachlässe der deutschen Klassik lagerte Jahrzehnte lang bei einem Privatmann. Keine der großen Kulturinstitutionen interessierte sich dafür.

Erinnert sich noch jemand an Charlotte von Mahlsdorf? Das war die Dame (oder der Herr; wie man’s nimmt), die nach der Wende ein paar Jahre lang in den Fernsehshows herumgereicht wurde als Vorzeige-Transvestit der untergegangenen DDR. Vor allem aber genoss Charlotte von Mahlsdorf Notorietät als Gründerzeitmöbel-Fan.

Ein ganzes Museum hatte sie in Mahlsdorf bei Köpenick eingerichtet für die schaurig schönen, maschinell gefertigten und in Serie hergestellten Einrichtungsgegenstände aus der Zeit zwischen 1871 und 1900, die der Kunsthistoriker unter „Historismus“ abbucht und meist dem Verdikt der Geschmacklosigkeit anheim fallen lässt.

Wo hatte Charlotte sie nur her? Aufgesammelt, abgeräumt und mit dem Rollwägelchen nach Hause gefahren, wo immer irgendetwas Altes zerstört oder abgerissen wurde, behauptete sie. Keiner wollte ja den Kram haben. Da habe sie einfach zugelangt. Und nun, das war wohl klar, gehörten die Vertikos und Paravents, die Tizian-Kopien, Blumenkübel, Grammophone sowie die komplette Inneneinrichtung einer Turner-Destille in der Ackerstraße ihr. Wem sonst?

Hugo Fetting ist die neue Charlotte von Mahlsdorf

So oder so ähnlich muss man sich auch den Hergang der neuesten Hauptstadtposse vorstellen. Mit einiger Sicherheit dürfte sie, in Analogie zum Münchner Kunstfund des Cornelius Gurlitt, als Berliner Theaterfund des Hugo Fetting in die Annalen eingehen.

Worum handelt es sich? Nun, um den Nachlass August Wilhelm Ifflands. Namensgeber des berühmten Iffland-Ringes, der bedeutendsten Auszeichnung für Theaterschauspieler im deutschsprachigen Raum.

Der renommierte Berliner Germanist und ausgewiesene Kenner der deutschen Klassik, Professor Conrad Wiedemann, charakterisiert ihn gegenüber der „Welt“ wie folgt: „Hier handelt es sich um einen der bedeutendsten Nachlass-Funde der Nachkriegszeit. Vergleichbar dem Nachlass der Zelter’schen Singakademie, der auch lange als verschollen galt. Er war nach Russland verschleppt wurden. Die Stadt Kiew gab ihn vor einigen Jahren der Stadt Berlin zurück.“

Ein Nachlass von 34 Bänden und 6000 Schriftstücken

Der Unterschied ist freilich der, dass der Iffland-Nachlass, bestehend aus sage und schreibe 34 Bänden und ca. 6000 handgeschriebenen Schriftstücken, immer, bis vor ganz Kurzem, in Berlin geblieben war. Und damit die Korrespondenz des Schauspieler und Berliner Theaterintendanten in der Zeit von 1796 bis 1814 mit August Wilhelm Schlegel, August von Kotzebue, Johanna Schopenhauer, um nur einige Zelebritäten der Zeit zu nennen.

Merkwürdigerweise ist darunter nichts von Schiller, dessen „Canaille“ Franz Moor Iffland in der Uraufführung der „Räuber“ verkörpert hatte. Und auch von Goethe, mit dem er in regem Austausch stand, ist nur ein Brief erhalten. Aber gut. Allein die Dokumente zur Berliner Theatergeschichte und Aufführungspraxis um 1800 sind so sensationell, dass sie bereits die höchste Aufmerksamkeit der Berliner Kulturinstitutionen hätten erheischen müssen. Doch das war offensichtlich nicht der Fall.

Aus den Trümmern gerettet?

So konnte denn Hugo Fetting seine Hand drauf halten. Er habe „die Sachen per Zufall im Sommer 1953 in der Oberwallstraße in den Trümmern der ehemaligen Generalintendanz der Preußischen Staatstheater gefunden und mit nach Hause genommen“, zitiert jetzt der Berliner „Tagesspiegel“ den Neunzigjährigen. Fetting fügt hinzu, er fühle sich „völlig im Recht als Finder und Eigentümer, nachdem sich über 50 Jahre niemand bei mir gemeldet hat.“

Wie Charlotte von Mahlsdorf hat in diesen 50 Jahren aber auch Hugo Fetting nun keineswegs wie Haffner in Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ nach dem Motto „Ich lieg und besitz. Lass mich schlafen“ gehandelt, sondern er hat mit seinem Pfunde immer wieder gewuchert.

Sprich, er hat zu Iffland publiziert und zum Beispiel 1978 mit einer Arbeit über das Repertoire des Berliner Königlichen Nationaltheaters unter der Leitung Ifflands promoviert. Mit anderen Worten: Man hätte schon mal auf die Idee kommen können, bei Fetting anzufragen, wo denn die vielen Quellen zu Iffland sich befinden, in denen er sich so gut auskennt.

Die Akademie wollte nur einen Finderlohn geben

Dass die ganze Geschichte jetzt ruchbar wurde, liegt daran, dass Fetting, darin nun wiederum Cornelius Gurlitt ähnlich, offenbar vor einiger Zeit auf den Gedanken kam, seinen „Besitz“ zu Geld zu machen. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, bot er die 34 Bände zunächst der Berliner Akademie der Künste zum Verkauf an.

Die winkte ab. Wie Archivdirektor Wolfgang Trautwein der „Welt“ erklärte, war man allenfalls bereit, Fetting einen „Finderlohn“ zu zahlen; die Sache erschien einfach zu dubios.

Vielleicht hätte Fetting auch besser getan, das Riesen-Konvolut der Stiftung Berliner Stadtmuseen anzubieten. Die beherbergt die größte theatergeschichtliche Sammlung Deutschlands. Jedoch: „Zu uns ist niemand gekommen“, versichert die Direktorin Martina Weinland.

Erinnerungen an den Fontane-Nachlass

Sie hat mit plötzlich wieder auftauchenden, verschollen geglaubten deutschen Kulturgütern ihre Erfahrung: „Mich erinnert der Berliner Theaterfund an den Fontane-Nachlass, den wir 1972 aus Polen zurückerhielten“, kontextualisiert sie die Causa Iffland jetzt gegenüber der „Welt“. Den Iffland-Nachlass hier zu bewahren, wäre umso einleuchtender, als er vor 1945 zum Bestand des Museums der Staatlichen Theater gehört hatte, wo er seit 1929 sogar öffentlich ausgestellt war – im Berliner Stadtschloss!

Doch möglicherweise wollte sich Fetting in Berlin nicht noch eine weitere Abfuhr holen. Jedenfalls wendete er sich nun ans Ausland. Verhandelte mit dem Wiener Antiquariat Inlibris. Das wollte die geforderten 70.000 Euro nicht berappen. Bot aber 50.000 an, was Fetting akzeptierte. Und bietet das gesamte Konvolut nun für das knapp Zehnfache auf der Ludwigsburger Antiquariatsmesse an.

Erst als der Ludwigsburger Katalog heraus war, wurde Berlin endlich hellhörig. Das sei „Kulturgut von nationalem Rang“, es müsse in Berlin verbleiben, ließ sich nun Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz vernehmen. Und tatsächlich: Inzwischen hat sich die Berliner Kulturbehörde mit dem Antiquar aus Wien geeinigt, dass das „Kulturgut von nationalem Rang“ nun doch nicht im Schwabenländle unters Hämmerle gelangt.

Schafft endlich ein Berliner Theatermuseum!

Doch damit der Merkwürdigkeiten nicht genug: Inzwischen wurde auch bekannt, dass die Akademie der Künste, die für Inlibris ein Provenienzgutachten erstellte, dem Antiquriat ein „Eigentumsrecht“ attestiert, obwohl ihr der Vorbesitzer nicht geheuer erscheint und sie bei Iffland „von der Archivsystematik her gar nicht zuständig“ ist, wie Trautwein versichert.

Was lernen wir daraus? Wohl zweierlei. Um es mit den Worten von Martina Weinlands zu sagen: „Nach Einschätzung der Stiftung Stadtmuseum Berlin, die seit vier Jahren aktive Provenienzrecherche ihrer Sammlungsbestände betreibt, zeigt auch der jüngste Fall des wieder aufgetauchten Iffland-Konvoluts, das sich Recherchen nicht nur auf NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut und den tatsächlichen historischen Zeitraum 1933 bis 1945 beschränken sollten. Vielmehr ist es nun an der Zeit sich ebenso intensiv mit dem Verbleib von Kunstbeständen nach 1945 – vor allem Vermögenswerten aus der ehemaligen staatlichen Verwaltung der DDR – zu beschäftigen und deren Verbleib zu recherchieren.“

Aber darüber hinaus gilt es auch, das Desinteresse Berlins an seiner großen Theatergeschichte anzuprangern. Seit Jahren bemüht sich ein Verein in der Hauptstadt, von vielen Intendanten, Künstlern, Liebhabern unterstützt, hier endlich ein den Traditionen der Stadt würdiges Theatermuseum zu errichten – und erntete doch weitestgehend Hohn und Spott.

Es wäre jetzt, mit der Causa Iffland, ein Anlass gegeben, über eine solche Initiative noch einmal gründlich nachzudenken. das Mindeste jedoch, im Fall, dass Berlin den Iffland-Nachlass zurückerhält, wäre, an einer der Berliner Akademien eine Iffland-Forschungsstelle einzurichten. Denn auch eine solche gibt es bislang nicht. Soviel Geschichts- und Selbstvergessenheit ist wohl in keiner anderen europäischen Kapitale denkbar.

Tilman Krause
Frankfurter Rundschau
08.01.2014

Unklare Umstände: Das verschollene Korrespondenz-Archiv August Wilhelm Ifflands ist wieder aufgetaucht. Das Land Berlin hat nun den geplanten Verkauf der wertvollen Dokumente vorerst stoppen lassen.

Es liegt im Wesen der Bühnenkunst, dass der Ruhm ihrer Akteure recht flüchtig ist. Umso auffälliger ist es, wenn ein Name aus dem Beginn des vorvergangenen Jahrhunderts bis heute leuchtet: der von August Wilhelm Iffland, einem der bedeutendsten Schauspieler, Dramaturgen und Theaterdirektoren seiner Zeit, von 1797 bis zu seinem Tod 1814 Direktor des Berliner Schauspielhauses, des damaligen Königlichen Nationaltheaters. Berlin verdankt seinen Ruf als Theaterstadt wesentlich Iffland, der hier Schiller und Goethe spielte, den Sturm und Drang, die frühe Klassik und Romantik etablierte, ein realistisches deutschsprachiges Theater gegen die idealistische französisch- und italienischsprachige Bühnenpraxis der Zeit setzte.

Es ist nicht überraschend, dass die Nachricht vom Auftauchen des seit dem Krieg verschollenen 34-bändigen Korrespondenzbuchs Ifflands, in dem er Abschriften seiner Briefe und die Originale empfangener Briefe einklebte, als Sensation gilt.

Zusammen mit anderen Teilen aus Ifflands Nachlass sollten die Bände eigentlich auf der diesjährigen Antiquariatsmesse in Ludwigsburg verkauft werden, für 450 000 Euro. Doch sorgte der Berliner Senat, aufmerksam gemacht vom Berliner Landesarchiv, dafür, dass das Angebot bis auf weiteres zurück gezogen wurde: mit einer Strafanzeige gegen den Vorbesitzer, den inzwischen 90-Jährigen Berliner Theaterhistoriker Hugo Fetting, und mit einem zivilrechtlichen Einspruch bei den Antiquariaten Inlibris aus Wien und Kotte in Roßhaupten.

Immerhin geht es um Briefe etwa von und an Johanna Schopenhauer, August Wilhelm Schlegel, August von Kotzebue. Auch einige Zeilen Goethes sind enthalten. Die meisten Schreiben von ihm an Iffland allerdings fehlen, wie auch die Schillers; wahrscheinlich wurden sie nach dem Tod Ifflands der Sitte entsprechend zurück nach Weimar gesandt.

Der Sprecher der Berliner Kulturverwaltung, Günter Kolodziej, sagte jetzt der FR, der Senat gehe davon aus, dass die 34 Bände dem Land Berlin gehörten. Es sei der rechtmäßige Erbe des einstigen Berliner Theatermuseums, das 1929 begründet worden war und zwischen 1937 und 1945 im Lynar-Flügel des Berliner Schlosses untergebracht war. Oder auch der Erbe der Schauspielhaus-Intendanz.

Ganz klar ist nämlich nicht einmal, wo sich dieser Teil des Iffland-Nachlasses vor 1945 befand. Sicher ist nur, dass die Theater-Akten und der Bestand des Museums, so weit er die Kriegswirren überstanden hatte, verstreut wurden, sich heute teils im Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Akademie der Künste, des Berliner Landesarchivs und des Stadtmuseums befinden.

Hugo Fetting nun will die Korrespondenzbände aus der „brennenden“ Intendanz geborgen haben. Oder wahlweise als „Müll“ gerettet. Dass er speziellen Zugang zu Iffland-Materialien haben musste, zeigt seine Dissertation über den Theaterdirektor, die 1978 in Greifswald verteidigt wurde. Deren Quellennachweise haben allerdings nur Bezug zu Materialien aus dem Archiv der Akademie der Künste, in dem er seit 1952 arbeitete und seit 1953 eine Iffland-Gesamtausgabe vorbereitete. Von Privatbesitz ist darin nicht die Rede. Nahm er damit nur Rücksicht auf die Rechtsverhältnisse in der DDR, die so manchen erlesenen Privatbestand verkaufen ließ. Oder wurde in der Folge der tatsächliche rechtliche Übergang seines Fundes in das Eigentum der Akademie anerkannt? Diese jedenfalls kann das nicht nachweisen. Deswegen unterschrieb die Akademie auch, so Archivleiter Wolfgang Trautheim, einen Passus im Vertrag mit den Antiquaren, dass sie keinen Eigentumsanspruch erhebe.

Redliche Antiquare

Die Antiquare haben sich nämlich nach aktuellem Stand der Dinge offenbar sehr redlich verhalten. Als ihnen die Ahnung kam, dass Hugo Fettings Verkauf nicht nur Objekte umfassen könnte, die eindeutig ihm gehörten, informierten sie die Akademie und einigten sich über die gütliche Rückgabe etlicher Papiere Ifflands. Wie schon im Fall des Stralsunder Stadtarchivs zeigte sich auch hier, dass Antiquare nichts mehr fürchten als öffentlichen Streit um Eigentumsfragen. Ihr Geschäft lebt vom guten Ruf.

Trautwein betont aber auch, dass die Akademie nicht etwa für andere öffentliche Eigentümer habe sprechen können oder wollen. Alleine ihren Eigentumsanspruch habe sie in Ermangelung von eindeutigen Akten aufgegeben. Die Sachlage ist also weiter vertrackt. Wenn nämlich Fetting tatsächlich die 34 Korrespondenzbücher aus dem Müll gefischt haben sollte, dann könnten sie ihm durchaus gehören. Wenn nicht nachgewiesen werden kann, dass die Bücher gegen den Willen der eigentlichen Eigentümer dorthin, in den Müll nämlich, gelangten und damit herrenlos wurden.

Wenn er sie aber „gerettet“ hat, war er zur Ablieferung verpflichtet. Andererseits stellt sich die Frage, ob er sich das Eigentum – wir erinnern an die Debatte um die Sammlung Gurlitt – nicht regelrecht ersessen hat, einfach dadurch, dass über Jahrzehnte niemand nach den Büchern fragte, die in seinen Regalen standen.

Kurz: Es ist noch viel zu klären in diesem Fall. Deutlich ist allerdings schon jetzt, dass Senat, Akademie und der Antiquar auf eine gütliche Einigung setzen und jede weitere Eskalation über die der Strafanzeige gegen Fetting hinaus vermeiden wollen. Das ist vernünftig. Ob nach weit mehr als einem halben Jahrhundert gerichtsfest geklärt werden kann, wie die Bände in seinen Besitz kamen, ist wenigstens offen.

Nikolaus Bernau
Mannheimer Morgen
08.01.2014

Berlin will den Verkauf tausender Briefe und Manuskripte des legendären Schauspielers und Theaterdirektors August Wilhelm Iffland (1759-1814) verhindern. Der Nationaltheater-Darsteller des Franz Moor der Mannheimer „Räuber“-Uraufführung macht 200 Jahre nach seinem Tod von sich reden. Das Land Berlin habe Ende November 2013 Anzeige gegen einen Sammler eingereicht, der das Archiv des Schauspielers und langjährigen Leiters des Nationaltheaters in Berlin einem Wiener Antiquariat angeboten hatte, sagte der Sprecher der Kulturverwaltung, Günter Kolodziej. Er bestätigte damit Berichte mehrerer Zeitungen. Es bestehe der Verdacht, dass der Verkäufer unrechtmäßig an den Iffland-Nachlass gekommen sei.

Damit sei zunächst verhindert worden, dass die wertvollen Dokumente weiterverkauft wurden, sagte Kolodziej. Die 34 Bände mit rund 6000 Briefen, Manuskripten und Besetzungslisten waren für 450 000 Euro im Katalog einer Messe in Ludwigsburg angeboten worden. Nach der Berliner Anzeige wurde das Angebot zurückgezogen.

dpa/rcl
Neue Zürcher Zeitung
08.01.2014

August Wilhelm Iffland (1759–1814) war lange einer der mächtigsten Theaterleute Deutschlands. Von 1796 bis zu seinem Tod leitete er das Nationaltheater in Berlin, machte Goethes Weimarer Theater Konkurrenz und begründete Schillers Bühnenruhm. Bei seinem Tod hinterliess er ein gewaltiges Korrespondenzwerk, sein Nachlass jedoch galt als verschollen. Dass nun die am 23. Januar beginnende Ludwigsburger Antiquariatsmesse das «Korrespondenzarchiv Ifflands» für 450.000 Euro zum Kauf anbietet, erschien darum als kleine Sensation.

Aus dem Verkauf wird freilich nichts, das Angebot ist zurückgezogen worden. Veranlasst hat diesen Rückzug eine Klage der Berliner Senatsverwaltung gegen Hugo Fetting, der Ifflands Nachlass vor etwa zwei Jahren einem Wiener Antiquariat verkauft hatte. Zuvor schon hatte Fetting seine Sammlung der Berliner Akademie der Künste sowie dem Münchner und dem Wiener Theatermuseum angeboten, war da aber auf Ablehnung gestossen, da man die Provenienz für dubios hielt.

Fetting behauptet, den Nachlass auf einer Müllhalde gefunden und vor der Zerstörung gerettet zu haben. Die Berliner Akademie geht von unrechtmässiger Besitznahme aus. Da auch die Käuferin der Sammlung, das Wiener Antiquariat Inlibris, Zweifel an der Provenienz hatte, setzte man sich mit der Berliner Akademie zusammen und einigte sich auf eine Übergabe jener Teile, die zweifelsfrei in deren Eigentum gehören, nahm indes ausdrücklich die nun angebotene Korrespondenz davon aus, für die der Besitznachweis nicht zu führen war.

Die Berliner Senatsverwaltung hat nun in Kenntnis dieser Vereinbarung dennoch Klage eingereicht. Wohl nicht, weil man glaubt, den Beweis für die Eigentumsrechte zu haben, aber vielleicht in der Hoffnung, auf diesem Weg die Dokumente für Forschung und Öffentlichkeit zu bewahren und einen Verkauf an einen Privatsammler zu verhindern.

Roman Bucheli
Der Tagesspiegel
07.01.2014

Das angeblich verschollene Archiv des legendären Schauspielers und Berliner Theaterdirektors A.W. Iffland ist plötzlich wieder aufgetaucht und soll verscherbelt werden. Dabei handelt es sich um ein nationales Kulturgut, das unbedingt in Berlin bleiben sollte, sagt Kulturstaatssekretär André Schmitz. Eine Räuberpistole.

Es ist eine Sensation, das allemal, und sollte ein Coup werden. Die Schauplätze der höchst absonderlichen Geschichte heißen Berlin, Wien und Ludwigsburg.

In dem schwäbischen Residenzstädtchen vor den Toren Stuttgarts findet vom 23. bis 25. Januar die „28. Antiquaria“ statt, eine Verkaufsmesse für seltene Bücher, Bilddrucke und Autographen, bestückt von einer Vielzahl mehr oder weniger prominenter deutscher und ausländischer Antiquariate. Und auf Seite 48 des über 150-seitigen Messekatalogs findet sich das: „Die Geburt des deutschen Nationaltheaters: das bislang verschollene Korrespondenzarchiv Ifflands“.

Unter dieser Überschrift hat das Wiener Antiquariat Inlibris die Hinterlassenschaft von August Wilhelm Iffland annonciert.

Iffland (1759-1814) war einer der berühmtesten Schauspieler seiner Zeit, er spielte den Franz Moor in der Uraufführung von Schillers „Räubern“, trat in Goethes Hoftheater in Weimar auf – und war von 1796 bis zu seinem Tod 1814 Direktor des Königlichen Nationaltheaters in Berlin, das er zur führenden Bühne machte. Noch heute trägt ein jeweils auf Lebenszeit gewählter Schauspieler den „Iffland-Ring“, aktuell ist das Bruno Ganz.

Zum Nachlass gehören Briefe von Schlegel und Kotzebue, auch ein Schreiben von Goethe

Und nun sollten 34 Bände mit rund 7000 Briefstücken aus Ifflands Korrespondenz für 450 000 Euro auf den Markt kommen. Darunter Briefe von August Wilhelm Schlegel, Johanna Schopenhauer, ein Schreiben von Goethe, 17 Briefe des Dramatikers August von Kotzebue sowie Hunderte von Kostüm-, Besetzungs- und Dekorationsverzeichnissen des Berliner Theaters. Nur der Briefwechsel mit Schiller, dessen an Iffland geschickte Manuskripte und wohl auch einige Goethe-Briefe sind in dem Konvolut nicht enthalten. Aber Kenner wie der Berliner Literaturwissenschaftler Conrad Wiedemann, Inspirator des Projekts „Berliner Klassik“, oder der Berliner Theaterhistoriker Klaus Völker sehen darin einen „Schatz der deutschen Kulturgeschichte“.

So ähnlich begreift das auch Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz. Auf Anfrage des Tagesspiegels nennt er das Iffland-Archiv ein „Kulturgut von nationalem Rang, das in Berlin bleiben muss“. Deswegen habe man im Dezember 2013 rechtliche Schritte gegen den Verkauf der Dokumente eingeleitet.

Tatsächlich liegt das Iffland-Konvolut zur Zeit in Wien. Und galt, wie sich das Wiener Antiquariat Inlibris berühmt, bislang als „verschollen“. Obwohl es jahrzehntelang in einer Privatwohnung in Ostberlin verwahrt wurde. Der Casus ist so kurios wie vertrackt und lässt einige der wenigen Eingeweihten bereits von gewissen Parallelen zum Fall Gurlitt in München sprechen. Allerdings geht es um keine mögliche Raubkunst, wohl aber um eine Art Räuberpistole im Zuge der Kriegs- und Nachkriegswirren.

Vermutlich gehörte das Ifflandarchiv vor 1945 zum Bestand des Museums der Staatlichen Theater in Berlin. Die sehr verschlungenen Wege der hauptstädtischen Theatersammlung hat die Berliner Theaterhistorikerin Ruth Freydank in ihren beiden 2011 erschienenen Bänden „Der Fall Berliner Theatermuseum“ so weit wie heute möglich dokumentiert. Freydank liefert den Nachweis, dass mindestens ab 1929 Iffland-Devotionalien und Korrespondenzen ausgestellt wurden, und zuletzt war das Berliner Theatermuseum in einem Flügel des Berliner Stadtschlosses untergebracht.

Wie auch die Werke der im Schloss situierten Gemäldegalerie wurden wohl auch die Theatermuseumsbestände gegen Ende des Krieges ausgelagert. Vieles, auch von Iffland, ist danach nicht mehr öffentlich aufgetaucht.

Das Antiquariat Inlibris verweist sowohl auf die Forschungen von Ruth Freydank wie auch auf ein „Provenienzgutachten“ vom 4. Oktober 2012, erstellt von der Berliner Akademie der Künste. Inlibris bezeichnet das „Wiederauftauchen“ des Archivs als „Glücksfall“ und spricht im Katalog zweimal in Anführungszeichen von einer Übernahme der „Sammlung Fetting“. Das Gutachten von Stephan Dörschel, Abteilungsleiter des Theaterarchivs der Akademie der Künste, ist freilich nur ein einziges eng beschriebenes Blatt, das dem Tagesspiegel vorliegt. Es besagt, dass die Akademie der Künste (AdK), in Rechtsnachfolge der früheren Akademie der DDR, nach 1945 keine Eigentümeransprüche an den Iffland-Papieren nachweisen könne. Umgekehrt bedeuten Dörschels Auslassungen allerdings keine rechtssichere Provenienz-Zuschreibung zugunsten der „Sammlung Fetting“.

Der 90-jährige Theaterhistoriker Hugo Fetting sagt, er habe das Konvolut 1953 in den Trümmern gefunden

Wer ist dieser Sammler? Es geht um den heute 90-jährigen Theaterhistoriker Hugo Fetting in Berlin-Prenzlauer Berg. Nach Auskunft von Stephan Dörschel und Wolfgang Trautwein, dem Direktor der AdK-Archive, hatte Fetting im Jahr 2010 der AdK zahlreiche Stücke aus seinem Privatbesitz erstmals zum Kauf angeboten. Fetting selber, Autor etlicher Bücher zur Berliner und deutschen Theatergeschichte, war seit Anfang der 1950er Jahre Mitarbeiter der Adk-Ost, später auch im Archiv der Staatsoper tätig. Seine Wohnung, sagen Besucher von früher, sei „bis zur Decke“ angefüllt mit Bühnenbildentwürfen, Büchern, Papieren – tatsächlich eine Art Privatmuseum der Theaterkulturgeschichte.

Der Wiener Antiquar Wetscherek hat das Archiv erworben. Er fühlt sich im Recht – und von Berlin hintergangen

Aber ist das, war das auch alles privates Eigentum? Das ist jetzt die streitige Frage. Freilich hat die AdK noch am 16. Oktober 2013 eine schriftliche Vereinbarung mit Hugo Wetscherek, dem Chef des Wiener Antiquariats Inlibris, geschlossen, die dem Tagesspiegel vorliegt. Wetscherek selber bestätigt uns, dass er zuvor von Hugo Fetting dessen Theatersammlung zu „einem erheblichen Preis“ erworben habe. Der fünfseitige Vertrag mit der AdK sieht vor, dass große Teile des von Wetscherek angekauften Fetting-Besitzes der AdK zur Sicherung des Rechtsfriedens geschenkt oder in Fällen ungeklärter Eigentumsansprüche als „Eventualschenkung“ überlassen werden. Gleichzeitig heißt es: „Die Akademie der Künste anerkennt das Eigentumsrecht von Inlibris an der Aktensammlung der Theaterdirektion unter Iffland am deutschen Nationaltheater Berlin, umfassend 34 Bände mit über 6000 Korrespondenzen und sonstigen Schriftstücken.“

Das trägt die Unterschriften von Wetscherek und Wolfgang Trautwein, mitsamt Stempel des Archivs der AdK. Wobei man fragen muss, wie und warum die Akademie ein „Eigentumsrecht“ an einer Sache anerkennt, über die sie nach eigenem Bekunden nie verfügt hat und deren Provenienz ihr nicht geheuer erscheint. Die AdK nämlich hat, ebenso wie Vertreter des Berliner Landesarchivs und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, den Berliner Senat auf die Iffland-Sache und die bevorstehende Messe in Ludwigsburg hingewiesen. Merkwürdig auch, dass der Archivrat der AdK, der normalerweise gerade strittige Provenienzfälle, Auktionen und Angebote berät, laut Auskunft von Archivratsmitglied Klaus Völker nicht informiert wurde.

Das Angebot des Iffland-Schatzes findet sich noch immer auf der Ludwigsburger Website. Immerhin aber hat der Kultursenat sich mit dem Wiener Antiquar – bisher außergerichtlich – auf eine einstweilige Hinterlegung des Iffland-Archivs geeinigt. Hugo Wetscherek will auf sein Verkaufsrecht nicht verzichten, aber Iffland zumindest in Ludwigsburg nicht mehr anbieten. Allerdings fühlt er sich „von Berlin hintergangen“, weil er „erhebliche Mittel“ für seine „Schenkung an Berlin“ aufgewendet habe. „Und kurz nach der Vereinbarung mit der Akademie kommen sie nun mit rechtlichen Schritten.“

Das Wiener Antiquariat hat auch ein Aquarell des KZ-Kommandanten Hoess im Angebot

Das Antiquariat Inlibris nennt sich übrigens „führend in Österreich“, man ist mit hochpreisigen Angeboten auch international von Basel bis Doha vertreten und hat aktuell unter anderem Autographen von Charles Darwin bis Che Guevara an sowie ein Aquarell „Alpenlandschaft“ von Rudolf Hoess, des Kommandanten des KZs Auschwitz-Birkenau (für 3500 €) im Angebot. Wetscherek fühlt sich im Recht, sagt im Gespräch aber auch: „Mir ist klar, dass es um eine hochproblematische Provenienz geht.“

Klar erscheint dabei nur eines: Die 34 Bände und über 6000 Blätter, vermutlich auch mit amtlichen Stempeln versehen, waren erkennbar in öffentlichem Besitz, womöglich käme auch der Bund als Rechtsnachfolger des Landes Preußen mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Eigentümer in Betracht. Ein gutgläubiger Erwerb durch „Ersitzen“ ist in einem solchen Fall eigentlich nicht möglich. Der 90-jährige Hugo Fetting aber sagt uns am Telefon, bei klarem Bewusstsein und druckreif formuliert: „Ich habe die Sachen per Zufall im Sommer 1953 in der Oberwallstraße in den Trümmern der ehemaligen Generalintendanz der Preußischen Staatstheater gefunden und nach Hause genommen. Das wäre kurz danach verloren gegangen, denn dort wurde dann das Gästehaus der DDR-Regierung gebaut. Ich fühle mich völlig im Recht als Finder und Eigentümer, nachdem sich über 50 Jahre niemand gemeldet hat. Ich habe die Papiere für meine Dissertation über Iffland und das Königliche Nationaltheater benutzt.“

Allerdings: Fetting hat 1978 bei seiner Doktorarbeit in Greifswald als Quelle seines Wissens das Archiv der Staatsoper Unter den Linden angegeben. Dort hatte er gearbeitet, „und denen gehörte vorher das Trümmergrundstück, wo ich alles gefunden habe“. Bernd Schultz, Chef des Auktionshauses Grisebach sagt dazu: „Alles, was nicht zur Rückführung dieses einmaligen Konvolutes an seinen angestammten Ort in Berlin führen würde, wäre ein Skandal. Man kann sich mit dem derzeitigen Besitzer über einen ,Finderlohn‘ unterhalten. Aber über sonst auch gar nichts.“

Peter von Becker
Frankfurter Allgemeine Zeitung
07.01.2014

[Aus Urheberrechtsgründen verweisen wir auf .]

Jürgen Kaube
Süddeutsche Zeitung
07.01.2014

Kaufleute im Theater

[Aus Urheberrechtsgründen verweisen wir auf www.sz-archiv.de.]

Lothar Müller und Stephan Speicher

Er war der wichtigste Theatermacher in Preußen: Für August Wilhelm Iffland (1759-1814) schrieben Goethe und Schiller einige ihrer wichtigsten Stücke, als Intendant beherrschte er die Szene in Berlin und Weimar.

Jahrelang galt der Nachlass des legendären Schauspielers und Theaterdirektors als verschollen – jetzt sind tausende Briefe und Manuskripte Ifflands wieder aufgetaucht. Um die Dokumente ist allerdings Streit ausgebrochen. Das Land Berlin hat Ende November 2013 Anzeige gegen einen Sammler eingereicht, der das Archiv einem Wiener Antiquariat angeboten hatte, wie der Sprecher der Kulturverwaltung, Günter Kolodziej, am Dienstag sagte.

Es bestehe der Verdacht, dass der Verkäufer unrechtmäßig an den Iffland-Nachlass gekommen sei. Zuvor hatten mehrere Zeitungen über den Fall Iffland berichtet.

Nach Angaben der Berliner Kulturverwaltung sei mit der Anzeige zunächst verhindert worden, dass die wertvollen Dokumente weiterverkauft wurden. Die 34 Bände mit rund 6000 Briefen, Manuskripten und Besetzungslisten waren vom Wiener Antiquariat Inlibris für 450 000 Euro im Katalog der Messe „Antiquaria“ in Ludwigsburg unter dem Titel „Die Geburt des deutschen Nationaltheaters: Das bislang verschollene Korrespondenzarchiv Ifflands“ angeboten worden.

Inlibris hatte vom Berliner Sammler Hugo Fetting zahlreiche Dokumente zur Berliner Theatergeschichte, darunter auch den Iffland-Nachlass, erworben. Wie aus dem Briefwechsel zwischen der Senatskanzlei und der Inlibris-Anwältin hervorgeht, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, strebt das Land keinen Rechtsstreit um die Iffland-Akte an. Bevorzugt werde eine außergerichtliche Einigung.

Inlibris hat unterdessen die Iffland-Akte aus ihrem Angebot zurückgezogen, wie Antiquariats-Geschäftsführer Hugo Wetscherek am Dienstag bestätigte. Er habe die Dokumente einer Anwaltskanzlei bis zur Klärung der Eigentumsfrage übergeben. Wetscherek warf Berlins Senat vor, Druck gegen ihn aufzubauen. Es sei längst bekannt gewesen, dass Fetting, einstiger Mitarbeiter der Ost-Berliner Akademie der Künste, seine Sammlung zum Verkauf angeboten habe.

Inlibris hatte sich bereits im Oktober mit der Akademie der Künste über andere Teile der Sammlung Fetting geeinigt. Dabei gab das Wiener Antiquariat Dokumente zur Theatergeschichte zurück, aus denen hervorgeht, dass sie einst im Akademiebesitz waren. Es handelt sich dabei unter anderem um Bühnenbildentwürfe, Briefe und Gemälde, darunter der Tänzerin Gret Palucca und der Schauspielerin Helene Weigel. Zu der Vereinbarung, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, gehört ausdrücklich nicht die Iffland-Akte.

Wie der Nachlass Ifflands in den Besitz des einstigen Akademiemitarbeiters Fetting kam, ist bis heute ungeklärt. Nach einem Gutachten des Leiters des Archivs Darstellende Kunst der Akademie der Künste, Stephan Dörschel, habe Fetting jahrelang die Bände in seinem Arbeitszimmer aufbewahrt und „seine Finger drauf gehabt“. Dies habe eine frühere Mitarbeiterin zu Protokoll gegeben.

Das Archiv war bis 1944 im Theatermuseum im Berliner Schloss untergebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die Museumsbestände an die Berliner Staatsoper über. In einer von Fetting vorgenommenen Bestandsaufnahme aus dem Jahr tauchten die Iffland-Papiere 1967 nicht mehr auf, heißt es in dem Gutachten.

dpa

Berlin will den Verkauf tausender Briefe und Manuskripte des legendären Schauspielers und Theaterdirektors August Wilhelm Iffland (1759-1814) verhindern.

Das Land Berlin hat Ende November 2013 Anzeige gegen einen Sammler eingereicht, der das Archiv des Schauspielers und langjährigen Leiters des Nationaltheaters in Berlin, August Wilhelm Iffland (1759-1814), einem Wiener Antiquariat angeboten hatte. Das sagte der Sprecher der Kulturverwaltung, Günter Kolodziej, am Dienstag. Er bestätigte damit Berichte mehrerer Zeitungen. Es bestehe der Verdacht, dass der Verkäufer unrechtmäßig an den Iffland-Nachlass gekommen sei.

Damit sei zunächst verhindert worden, dass die wertvollen Dokumente weiterverkauft wurden, sagte Kolodziej. Die 34 Bände mit rund 6000 Briefen, Manuskripten und Besetzungslisten waren für 450.000 Euro im Katalog einer Messe in Ludwigsburg angeboten worden. Nach der Berliner Anzeige wurde das Angebot zurückgezogen.

dpa

Das wertvolle Archiv des legendären Berliner Theaterdirektors August Wilhelm Iffland ist überraschend wieder aufgetaucht. Ein Wiener Antiquariat wollte es Ende Januar für 450.000 Euro auf einer Messe zum Verkauf anbieten, hat das Angebot aber wieder zurückgezogen. Iffland war von 1796 bis zu seinem Tod 1814 Direktor des Königlichen Nationaltheaters in Berlin. Das umfangreiche Archiv mit seinen Korrespondenzen galt seit Jahrzehnten offiziell als verschollen, lagerte aber offenbar in einer Privatwohnung in Ostberlin. Der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz bezeichnete gegenüber dem Tagesspiegel das Iffland-Archiv als „Kulturgut von nationalem Rang“. Deswegen habe man bereits im Dezember rechtliche Schritte gegen den Verkauf der Dokumente eingelegt.

dpa

Schriftstücke von historischer Bedeutung und großem materiellen Wert: Ein 90-Jähriger will mehr als 6000 Papiere der Theatergröße August Wilhelm Iffland auf einem Trümmerberg gefunden haben. Doch auch Berlin beansprucht die Bände für sich.

Berlin – Auf einmal waren sind sie wieder da, mehr als 6000 Schriftstücke des wichtigsten Theatermachers in Preußen, August Wilhelm Iffland. Die Sammlung umfasst nicht nur seine Korrespondenz, darunter ein Brief an Goethe, sondern auch Manuskripte und andere Papiere. Nach dem Zweiten Weltkrieg galten sie lange als verschollen – zuletzt aber sorgte ein Eintrag im Katalog der Ludwigsburger Antiquariatsmesse Antiquaria für Aufmerksamkeit: Dort sollte das Konvolut für fast eine halbe Million Euro angeboten werden.

Ifflands Nachlass sei ein „Kulturgut von Rang“, das die Berliner Theatergeschichte abbilde, sagt Günter Kolodziej, Sprecher des Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz zu SPIEGEL ONLINE. Doch darüber, wem die Schriftstücke rechtmäßig gehören, gibt es noch keine abschließende Einigung.

Geboren wurde Iffland im Jahr 1759. Er feierte unter anderem als Franz Moor in der Mannheimer Uraufführung von Schillers „Räubern“ als Schauspieler Erfolge. Von 1796 bis zu seinem Tode 1814 leitete er das Nationaltheater in Berlin. Unter ihm stieg das Haus zu einer der wichtigsten Bühnen des deutschen Sprachraums auf. Der sogenannte Iffland-Ring wird heute noch dem jeweils „bedeutendsten und würdigsten“ Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters auf Lebenszeit verliehen. Derzeit ist es Bruno Ganz.

Ifflands Korrespondenz ging 1929 vom Archiv des Preußischen Staatstheaters an das Berliner Theatermuseum. Das war bis 1944 im Berliner Schloss untergebracht; erst kurz vor der Zerstörung des Baus wurden die Schriften daraus in Sicherheit gebracht, wohin ist nicht bekannt.

In den Trümmern der ehemaligen Generalintendanz

In den fünfziger Jahren will der Theatergeschichtler Hugo Fetting, ein ehemaliger Mitarbeiter der Akademie der Künste der DDR, zufällig an das Konvolut gelangt sein. Dem „Tagesspiegel“ sagte der heute 90-Jährige, er habe die Schriften im Sommer 1953 in den Trümmern der ehemaligen Generalintendanz der Preußischen Staatstheater gefunden und nach Hause genommen: „Ich fühle mich völlig im Recht als Finder und Eigentümer, nachdem sich über 50 Jahre niemand gemeldet hat“.

Mehrfach soll er versucht haben, das Konvolut zu verkaufen, fand aber mit städtischen Institutionen keine Einigung. 2012 schließlich veräußerte er die Iffland-Korrespondenz an ein Wiener Antiquariat Inlibris. Dort kamen kurz darauf aber Zweifel daran auf, dass Fetting rechtmäßiger Besitzer war, weshalb die Akademie der Künste kontaktiert wurde. Die aber konnte nicht nachweisen, dass der Iffland-Nachlass ihr gehörte. Antiquariat und Akademie schlossen eine schriftliche Vereinbarung, wonach die Berliner Institution auf die Besitzansprüche verzichtet. Ob der Passus juristisch belastbar ist, darüber herrscht zwischen den beiden Parteien mittlerweile aber Uneinigkeit.

Ende des Jahres 2013 dann schaltete sich auch das Bundesland Berlin ein und erstattete Strafanzeige gegen Fetting. Mit dem Antiquariat sei damals auch schon abgesprochen worden, dass die Schriften nicht auf der Ludwigsburger Buchmesse Antiquaria verkauft werden. Da der Katalog aber schon vorher angefertigt worden sei, werde das Konvolut dort noch für einen Preis von 450.000 Euro aufgeführt, so Senatssprecher Kolodziej.

De facto sei eine Zurücknahme des Angebots, anders als in mehreren Medien berichtet wurde, schon vor Monaten vereinbart worden, wie auch Inlibris-Geschäftsführer Hugo Wetscherek bestätigt. Kolodziej zeigt sich trotzdem zuversichtlich, dass der Iffland-Nachlass wieder nach Berlin zurückgeholt werden könne. Wie wollte er hingegen nicht sagen. Für Wetscherek hingegen steht fest: „Eine außergerichtliche Einigung besteht nur darin, dass der Kaufpreis bezahlt wird.“

vks
Berliner Zeitung
07.01.2014

Berlin – Das verschollene Korrespondenzbuch August Wilhelm Ifflands ist wieder aufgetaucht. Dabei geht es um ein nationales Kulturgut ersten Ranges, das auf noch nicht ganz geklärte Weise durch die Hände Theaterhistoriker Hugo Fetting „gerettet“ wurden.

Es liegt im Wesen der Theaterkunst genau so wie der Oper oder der Musik, dass der Ruhm ihrer Akteure meist recht flüchtig ist. Jedenfalls war er es, bis Schallplatte und Film ein gewisses Nachleben erlaubten. Umso auffälliger ist es also, wenn ein Name seit 200 Jahren bis heute zu leuchten scheint: derjenige August Wilhelm Ifflands nämlich. Einem der bedeutendsten Schauspieler, Dramaturgen und Theaterdirektoren seiner Zeit, von 1797 bis zu seinem Tod 1814 Direktor des Berliner Schauspielhauses, des damaligen Königlichen Nationaltheaters. Berlin verdankt seinen Ruf als Theaterstadt wesentlich Iffland, der hier Schiller und Goethe spielte, den Sturm und Drang, die frühe Klassik und Romantik etablierte, ein realistisches deutschsprachiges Theater gegen die idealistische französischsprachige Bühnenpraxis der Zeit setzte.

Strafanzeige gestellt

Kaum verwunderlich, wenn er nicht nur bis heute ein Ehrengrab Berlins belegt, sondern nach ihm auch eine der höchsten Auszeichnungen der deutschsprachigen Theaterwelt benannt ist, der Iffland-Ring. Bis zu seinem Ableben wird er aktuell von Bruno Ganz getragen. Ebenso wenig ist überraschend, dass die Nachricht vom Auftauchen des mindestens seit dem Krieg verschollenen 34-bändigen Korrespondenzbuchs Ifflands, in dem er Abschriften seiner Briefe und die Originale empfangener Briefe einklebte, für Sensation sorgt.

Zusammen mit anderen Teilen aus Ifflands Nachlass wie Besetzungs- und Dekorationslisten aus dem Nationaltheater sollten die 35 Bände eigentlich auf der diesjährigen Antiquariatsmesse in Ludwigsburg verkauft werden, für 450 000 Euro. Doch sorgte der Berliner Senat, aufmerksam gemacht vom Berliner Landesarchiv, mit einer Strafanzeige gegen den Vorbesitzer, den inzwischen 90-jährigen Berliner Theaterhistoriker Hugo Fetting, und einem zivilrechtlichen Einspruch bei den Antiquariaten Inlibris aus Wien und Kotte in Roßhaupten dafür, dass das Angebot bis auf weiteres zurück gezogen wurde.

Immerhin geht es um Briefe etwa von und an Johanna Schopenhauer, August Wilhelm Schlegel, des Dichters August von Kotzebue. Auch einige Zeilen Goethes sind enthalten. Die meisten Schreiben von ihm an Iffland allerdings fehlen, genau so wie die von Schiller; wahrscheinlich wurden sie schon nach dem Tod Ifflands der Sitte entsprechend zurück nach Weimar gesandt.

Vorgestern publizierten dann die Süddeutsche Zeitung, der Berliner Tagespiegel und die Frankfurter Allgemeine Zeitung in fast gleicher Art und Weise die „Sensation“ (SZ) und „Räuberpistole“ (FAZ und Tagesspiegel). Eine „unschätzbare Quelle“ für die Sozial-, Kultur- und Theatergeschichte seien die Bände, wie Stefan Speicher und Lothar Müller in der SZ schreiben.

Auch Wolfgang Trautwein von der Akademie der Künste betont gegenüber der Berliner Zeitung vor allem ihren „großen wissenschaftlichen Wert“. Und der Sprecher der Berliner Kulturverwaltung, Günter Kolodziej, sagte, der Senat ginge davon aus, dass die 34 Bände dem Land Berlin gehörten. Es sei der Erbe des Berliner Theatermuseums, das 1929 von den Preußischen Staatstheatern begründet worden war und zwischen 1937 und 1945 im Lynar-Flügel des Berliner Schlosses untergebracht war. Oder auch der Erbe der Staatstheater-Intendanz.

Nachlass teilweise verstreut

Ganz klar ist nämlich nicht einmal, wo sich dieser Teil des Iffland-Nachlasses vor 1945 befand. Sicher ist nur, dass der Museumsbestand, so weit er die Kriegswirren überstanden hatte, verstreut wurde. Heute befindet er sich teils im Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Akademie der Künste, des Berliner Landesarchivs und des Stadtmuseums. Selbst die vorzügliche Geschichte des Theatermuseums, die die renommierte Berliner Theaterhistorikerin Ruth Freydank 2011 vorlegte, lässt die Iffland-Frage ungeklärt („Der Fall Theatermuseum“, Pro Business Verlag, 2. Bd., Berlin, 2011, ca. 60 Euro).

Ein Buch, das übrigens nicht zuletzt denjenigen, die derzeit in Berlin mit einer kleinen Ausstellung in der Markthalle am Marheinecke-Platz für die Neubegründung eines Berliner Theatermuseums fechten, Rückenwind verliehen hat. Noch bis morgen ist sie dort zu sehen, der Besuch sei hiermit empfohlen.

Zurück zu Ifflands Korrespondenz-Bänden. Hugo Fetting will sie aus der „brennenden“ Intendanz geborgen haben. Oder auch als „Müll“ gerettet. Dass er jedenfalls speziellen Zugang zu seltenen Iffland-Materialien haben musste, zeigt seine Dissertation über den Theaterdirektor, die 1978 in Greifswald verteidigt wurde. Deren Quellennachweise haben aber nur Bezug zu Materialien aus dem Archiv der Akademie der Künste, in dem er seit 1952 arbeitete und seit 1953 eine Iffland-Gesamtausgabe vorbereitete. Von Privatbesitz ist nicht die Rede.

Nahm Fetting damit nur Rücksicht auf die Verhältnisse in der DDR, die so manchen erlesenen Privatbestand wie etwa die erste Gründerzeit-Sammlung Charlotte von Mahlsdorfs nach steuerrechtlichen Farcen über Schalck-Golodkowskis Antiquitätenimperium verkaufte?

Oder wurde damit der tatsächliche Übergang seines Fundes in das Eigentum der Akademie anerkannt? Diese jedenfalls kann nichts derartiges nachweisen. Deswegen unterschrieb die Akademie auch 2013, so ihr Archivleiter Wolfgang Trautheim, einen Passus im Vertrag mit den Antiquaren, dass sie keinen Eigentumsanspruch auf die 34 Bände erhebe.

Die Antiquare hatten nämlich nach aktuellem Stand der Dinge, als ihnen die Ahnung kam, dass Hugo Fettings Verkauf nicht nur Objekte umfassen könnte, die eindeutig ihm gehörten, die Akademie informiert. Mit ihr einigten sie sich über die gütliche Rückgabe etlicher Papiere Ifflands. Wie schon im Fall des Stralsunder Stadtarchivs zeigte sich auch hier, dass Antiquare nichts mehr fürchten als öffentlichen Streit um Eigentumsfragen. Ihr Geschäft lebt vom guten Ruf. Trautwein betont aber auch, dass die Akademie nur den eigenen Anspruch dementiert, nicht aber für andere öffentliche Eigentümer gesprochen habe. Die Sachlage ist also weiter vertrackt.

Wenn nämlich Hugo Fetting tatsächlich die 32 Korrespondenzbücher aus dem Müll gefischt haben sollte, wie er bekundet, dann könnten sie ihm gehören. Wenn nicht nachgewiesen werden kann, dass die Bücher gegen den Willen der eigentlichen Eigentümer dorthin, in den Müll nämlich, gelangten und damit herrenlos wurden. Wenn er sie „gerettet“ hat, war er zur Ablieferung verpflichtet. Andererseits stellt sich die Frage, ob er sich das Eigentum – wir erinnern an die Debatte um die Sammlung Gurlitt – nicht regelrecht ersessen hat, einfach dadurch, dass über Jahrzehnte niemand nach den Büchern fragte, die in seinen Regalen offenbar für alle Besucher einsichtig standen.

Gerettet, gefischt, ersessen

Kurz: Es ist noch viel zu klären in diesem Fall. Deutlich ist allerdings, dass Senat, Akademie und Antiquar auf eine gütliche Einigung setzen und jede weitere Eskalation über die Strafanzeige gegen Hugo Fetting hinaus vermeiden wollen. Das ist vernünftig. Ob nach weit mehr als einem halben Jahrhundert gerichtsfest geklärt werden kann, wie die 34 Bände in seinen Besitz oder sein Eigentum kamen, ist offen.

Zweifelsfrei aber sollte sein, dass dieser Schatz nach Berlin gehört. Fetting will nach Angaben der SZ 50 000 Euro für den Bestand erhalten haben. Auch die 450 000 Euro, die der Antiquar verlangt, erscheinen nicht übertrieben. Mindestens 6000 Briefe und Dokumente von teilweise herausragenden Zeitgenossen der deutschen Klassik für 450 000 Euro, das macht 75 Euro pro Stück. Einfache Goethe-Briefe wurden schon für mehr als 6000 Euro verkauft. Es wäre zu absurd, wenn diese Stadt, die wohl mehr als 300 Millionen Euro in den Umbau der Staatsoper versenken wird, das Erbe eines ihrer bedeutendsten Theaterleute verspielt.

Nikolaus Bernau

Berlin/Ludwigsburg – Er war der wichtigste Theatermacher in Preußen: Für August Wilhelm Iffland (1759-1814) schrieben Goethe und Schiller einige ihrer wichtigsten Stücke, als Intendant beherrschte er die Szene in Berlin und Weimar. Jahrelang galt der Nachlass des legendären Schauspielers und Theaterdirektors als verschollen. Jetzt sind tausende Briefe und Manuskripte Ifflands wieder aufgetaucht – im Katalog der Ludwigsburger Messe Antiquaria (23.1.-25.1.).

Um die Dokumente ist allerdings Streit ausgebrochen. Das Land Berlin hat Ende November 2013 Anzeige gegen einen Sammler eingereicht, der das Archiv einem Wiener Antiquariat angeboten hatte, wie der Sprecher der Kulturverwaltung, Günter Kolodziej, am Dienstag sagte. Es bestehe der Verdacht, dass der Verkäufer unrechtmäßig an den Iffland-Nachlass gekommen sei. Zuvor hatten mehrere Zeitungen über den Fall Iffland berichtet.

Nach Angaben der Berliner Kulturverwaltung sei mit der Anzeige zunächst verhindert worden, dass die wertvollen Dokumente weiterverkauft wurden. Die 34 Bände mit rund 6000 Briefen, Manuskripten und Besetzungslisten waren vom Wiener Antiquariat Inlibris für 450 000 Euro im Katalog der Messe „Antiquaria“ in Ludwigsburg unter dem Titel „Die Geburt des deutschen Nationaltheaters: Das bislang verschollene Korrespondenzarchiv Ifflands“ angeboten worden. Bisher sei das Angebot nicht zurückgezogen, die Veranstalterin Petra Bewer der dpa sagte. Inlibris sei erstmals in Ludwigsburg vertreten. Ein Angebot mit 450 000 Euro habe es hier noch nie gegeben. Sollte es rechtliche Bedenken geben, werde es aber sicher nicht zur Messe kommen.

Inlibris hat Iffland-Akte aus ihrem Angebot zurückgezogen

Inlibris hatte vom Berliner Sammler Hugo Fetting zahlreiche Dokumente zur Berliner Theatergeschichte, darunter auch den Iffland-Nachlass, erworben. Wie aus dem Briefwechsel zwischen der Senatskanzlei und der Inlibris-Anwältin hervorgeht, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, strebt das Land keinen Rechtsstreit um die Iffland-Akte an. Bevorzugt werde eine außergerichtliche Einigung.

Inlibris hat unterdessen die Iffland-Akte aus ihrem Angebot zurückgezogen, wie Antiquariats-Geschäftsführer Hugo Wetscherek am Dienstag bestätigte. Er habe die Dokumente einer Anwaltskanzlei bis zur Klärung der Eigentumsfrage übergeben. Wetscherek warf Berlins Senat vor, Druck gegen ihn aufzubauen. Es sei längst bekannt gewesen, dass Fetting, einstiger Mitarbeiter der Ost-Berliner Akademie der Künste, seine Sammlung zum Verkauf angeboten habe.

Inlibris hatte sich bereits im Oktober mit der Akademie der Künste über andere Teile der Sammlung Fetting geeinigt. Dabei gab das Wiener Antiquariat Dokumente zur Theatergeschichte zurück, aus denen hervorgeht, dass sie einst im Akademiebesitz waren. Es handelt sich dabei unter anderem um Bühnenbildentwürfe, Briefe und Gemälde, darunter der Tänzerin Gret Palucca und der Schauspielerin Helene Weigel. Zu der Vereinbarung, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, gehört ausdrücklich nicht die Iffland-Akte.

Iffland-Archiv ging 1945 an Berliner Staatsoper über

Wie der Nachlass Ifflands in den Besitz des einstigen Akademiemitarbeiters Fetting kam, ist bis heute ungeklärt. Nach einem Gutachten des Leiters des Archivs Darstellende Kunst der Akademie der Künste, Stephan Dörschel, habe Fetting jahrelang die Bände in seinem Arbeitszimmer aufbewahrt und „seine Finger drauf gehabt“. Dies habe eine frühere Mitarbeiterin zu Protokoll gegeben.

Das Archiv war bis 1944 im Theatermuseum im Berliner Schloss untergebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die Museumsbestände an die Berliner Staatsoper über. In einer von Fetting vorgenommenen Bestandsaufnahme aus dem Jahr tauchten die Iffland-Papiere 1967 nicht mehr auf, heißt es in dem Gutachten.

dpa
Mittelbayerische Zeitung
07.01.2014

Der Nachlass des berühmten Theatermachers Iffland galt lange als verschollen. Jetzt beschäftigen sich die Anwälte mit dem in Wien gemachten Fund.

Berlin. – Er war der wichtigste Theatermacher in Preußen: Für August Wilhelm Iffland (1759-1814) schrieben Goethe und Schiller einige ihrer wichtigsten Stücke, als Intendant beherrschte er die Szene in Berlin und Weimar. Jahrelang galt der Nachlass des legendären Schauspielers und Theaterdirektors als verschollen – jetzt sind tausende Briefe und Manuskripte Ifflands wieder aufgetaucht. Um die Dokumente ist allerdings Streit ausgebrochen. Das Land Berlin hat Ende November 2013 Anzeige gegen einen Sammler eingereicht, der das Archiv einem Wiener Antiquariat angeboten hatte, wie der Sprecher der Kulturverwaltung, Günter Kolodziej, am Dienstag sagte.

Es bestehe der Verdacht, dass der Verkäufer unrechtmäßig an den Iffland-Nachlass gekommen sei. Zuvor hatten mehrere Zeitungen über den Fall Iffland berichtet.

Berlin will keinen Rechtsstreit

Nach Angaben der Berliner Kulturverwaltung sei mit der Anzeige zunächst verhindert worden, dass die wertvollen Dokumente weiterverkauft wurden. Die 34 Bände mit rund 6000 Briefen, Manuskripten und Besetzungslisten waren vom Wiener Antiquariat Inlibris für 450 000 Euro im Katalog der Messe „Antiquaria“ in Ludwigsburg unter dem Titel „Die Geburt des deutschen Nationaltheaters: Das bislang verschollene Korrespondenzarchiv Ifflands“ angeboten worden.

Inlibris hatte vom Berliner Sammler Hugo Fetting zahlreiche Dokumente zur Berliner Theatergeschichte, darunter auch den Iffland-Nachlass, erworben. Wie aus dem Briefwechsel zwischen der Senatskanzlei und der Inlibris-Anwältin hervorgeht, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, strebt das Land keinen Rechtsstreit um die Iffland-Akte an. Bevorzugt werde eine außergerichtliche Einigung.

Anwälte klären Eigentumsfrage

Inlibris hat unterdessen die Iffland-Akte aus ihrem Angebot zurückgezogen, wie Antiquariats-Geschäftsführer Hugo Wetscherek am Dienstag bestätigte. Er habe die Dokumente einer Anwaltskanzlei bis zur Klärung der Eigentumsfrage übergeben. Wetscherek warf Berlins Senat vor, Druck gegen ihn aufzubauen. Es sei längst bekannt gewesen, dass Fetting, einstiger Mitarbeiter der Ost-Berliner Akademie der Künste, seine Sammlung zum Verkauf angeboten habe.

Inlibris hatte sich bereits im Oktober mit der Akademie der Künste über andere Teile der Sammlung Fetting geeinigt. Dabei gab das Wiener Antiquariat Dokumente zur Theatergeschichte zurück, aus denen hervorgeht, dass sie einst im Akademiebesitz waren. Es handelt sich dabei unter anderem um Bühnenbildentwürfe, Briefe und Gemälde, darunter der Tänzerin Gret Palucca und der Schauspielerin Helene Weigel. Zu der Vereinbarung, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, gehört ausdrücklich nicht die Iffland-Akte.

Seit 1967 verschwunden

Wie der Nachlass Ifflands in den Besitz des einstigen Akademiemitarbeiters Fetting kam, ist bis heute ungeklärt. Nach einem Gutachten des Leiters des Archivs Darstellende Kunst der Akademie der Künste, Stephan Dörschel, habe Fetting jahrelang die Bände in seinem Arbeitszimmer aufbewahrt und „seine Finger drauf gehabt“. Dies habe eine frühere Mitarbeiterin zu Protokoll gegeben.

Das Archiv war bis 1944 im Theatermuseum im Berliner Schloss untergebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die Museumsbestände an die Berliner Staatsoper über. In einer von Fetting vorgenommenen Bestandsaufnahme aus dem Jahr tauchten die Iffland-Papiere 1967 nicht mehr auf, heißt es in dem Gutachten.

dpa

Archiv des legendären Theaterdirektors Iffland entdeckt

Als eine Sensation bezeichnet Literaturwissenschaftler Conrad Wiedemann die Wiederentdeckung des Korrespondenzarchivs des Theaterdirektors August Wilhelm Iffland (1759-1814) im Antiquariatshandel. Ob der Nachlass öffentlicher oder privater Besitz ist, bleibt zu klären.

Susanne Führer: August Wilhelm Iffland lebte von 1759 bis 1814 und war schon zu Lebzeiten eine Legende. Denn er war Schauspieler, einer der berühmtesten seiner Zeit, er war Autor, Regisseur und 18 Jahre lang Intendant des Königlichen Nationaltheaters. Und in all diesen Funktionen hat er viele, viele Briefe geschrieben und erhalten, die galten jahrzehntelang als verschollen, sind aber nun wieder aufgetaucht in einem Katalog für eine Antiquariatsmesse. Professor Conrad Wiedemann hat zehn Jahre lang an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften das Forschungsprojekt Berliner Klassik geleitet und ist hier nun zu Gast im Studio. Herzlich willkommen, Herr Wiedemann!

Conrad Wiedemann: Danke!

Führer: Ja, die Rede ist hier von 7.000 Briefen in 34 Bänden. Bevor wir auf diese verwickelte Eigentumsgeschichte kommen, Herr Wiedemann, die Frage, welchen Wert hätte dieser Nachlass für die Forschung?

Wiedemann: Es ist wirklich so, wie die Zeitungen heute schreiben, es ist eine Sensation und es ist sicher eine der interessantesten wiederaufgetauchten Nachlässe nach dem Kriege, denn es gab ja mehrere, die weg waren, auch die, die verlorengegangen sind. Und ich würde ihn so hoch einschätzen wie den vor zehn Jahren aus Kiew zurückgekehrten Archivnachlass der Singakademie von Berlin, der einer der wichtigsten Musiknachlässe Deutschlands und Europas ist.

Führer: Warum, was ist da genauer enthalten in diesem Iffland-Nachlass?

Wiedemann: Der Nachlass betrifft nicht das Gesamtleben von Iffland. Der Nachlass betrifft nur seine Berliner Zeit, als er das erste deutsche Großstadttheater aufbaute mit einem großstädtischen Publikum, also mit vier verschiedenen Schichten, von den Schiller-Festspielen …

Führer: Das Königliche Nationaltheater.

Wiedemann: … bis zum Donauweibchen, also bis zu operettenartigen Stücken. Und er hatte großen Erfolg. Das Theater hatte 2.000 Plätze, spielte jeden Tag, und es gab so was bereits wie Szenenzeichnungen, die dann verkauft wurden, und es gab, ja, alles andere, was zum modernen Theater gehört, zum Beispiel die tägliche Kritik, die es heute nicht mehr gibt, aber die es damals gab. Und es gab ein unerhört leidenschaftliches Publikum, aus allen Schichten. Und …

Führer: Das Kino seiner Zeit sozusagen.

Wiedemann: So könnte man es sagen, ja. Der Inhalt sind 6.000 Briefe an ihn. Das war damals ein Problem, damals hat man Briefe noch nicht archiviert, jedenfalls viele Einzelempfänger von Briefen, also, er hat es getan. Und etwa 1.000 Antwortentwürfe, 1.000 Antwortentwürfe. Das ist alles sehr selten, so was. Das herauszugeben, zu sichten, zu ordnen, auszuwerten, kostet zehn Jahre. Das ist die Arbeit einer Forschungsgruppe. Und diese Forschungsgruppe oder diese Forschungsstelle existiert schon seit längerer Zeit an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, nämlich in dem von Ihnen genannten Forschungsprojekt, in dem von Ihnen genannten Forschungsprojekt, in dem einer der Mitarbeiter, nämlich Dr. Klaus Gerlach, das Iffland-Theater rekonstruiert hat und fünf Bücher darüber veröffentlicht hat bisher und auch 5.000 Theaterzettel, das sind die damaligen Programme, ins Netz gestellt hat. Also, jeder Hörer kann sich informieren, kann schauen, was täglich an diesem Theater gespielt worden ist, er muss nur das richtige Link aufrufen.

Führer: Also, wenn dieser Nachlass der Wissenschaft dann mal zur Verfügung stünde, dann wäre das sozusagen theaterhistorisch, kulturpolitikhistorisch gesehen ein sensationeller Fund!

Wiedemann: Genau. Bisher war unsere Arbeit oder die Arbeit von Dr. Gerlach auf einer schmalen Quellenbasis, weil eben der Nachlass weg war, die Akten und die Briefe, die Akten, die Korrespondenz. Aber jetzt geht gewissermaßen die zweite Phase los, jetzt können wir noch mal neu ansetzen und können ganz andere Fragen an den Gegenstand stellen!
„Der Nachlass stammt ja aus einer Sammlung Fetting“

Führer: Da gucken wir jetzt mal. Denn also, war weg, also seit Jahrzehnten, so seit dem Zweiten Weltkrieg, und jetzt sind die eben ganz plötzlich in einem Katalog zur Ludwigsburger Antiquariatsmesse aufgetaucht! Diese Antiquariatsmesse wird in gut zwei Wochen stattfinden. Und ein Wiener Antiquariat annonciert darin diesen Nachlass Ifflands für 450.000 Euro. Man fragt sich ja, wie ist nun das Antiquariat an diesen Nachlass gekommen, der jahrzehntelang als verschollen galt?

Wiedemann: Also, der Nachlass stammt ja aus einer Sammlung Fetting. Wer Fetting ist, wissen die Fachleute. Fetting war ein Theaterwissenschaftler, der viel publiziert hat, vor allen Dingen über das Berliner Theater, und auch eine Doktorarbeit geschrieben hat über das Iffland-Theater.

Führer: Hugo Fetting, heute 90.

Wiedemann: Über 90, ja, über 90. Und der hat das, wie er selber sagt – denn er wird heute natürlich darüber befragt –, aus den Trümmern geborgen oder, wie er sagt, gerettet. Das glauben viele nicht, aber vielleicht ist es doch nicht ganz unsinnig, diese Formulierung.

Führer: Also, er hat es durch Zufall gefunden?

Wiedemann: Wir müssen uns klarmachen, späte 40er-Jahre oder 50, ungefähr um 50 herum, Berlin liegt in Trümmern, irgendwelche alte Museen werden abgerissen, weil sie nicht mehr aufgebaut werden und so weiter, die Sachen werden hin- und hertransportiert und, nun ja. So sind sie zu Herrn Fetting gekommen, einem Wissenschaftler oder einem Gelehrten und später Angestellten der Akademie der Künste – 30 oder 25 Jahre war er da –, der sie an sich genommen hat und sie für seine Doktorarbeit später ausgewertet hat in den 70er-Jahren erst.

Führer: Aber immer bei sich behalten hat, also in seiner Privatwohnung!

Wiedemann: Natürlich.

Führer: Nicht der Akademie gegeben hat!

Wiedemann: Die Einwände, die in der Tageszeitung geäußert werden, heißen, Rettung heißt nicht, dass man in Besitz der Sache gerät!

Führer: Also, Hugo Fetting hat, sagt er selbst, das gefunden, gerettet vor Zerstörung und hat es dann jetzt, Jahrzehnte später, an das Wiener Antiquariat verkauft.

Wiedemann: Ja.

Führer: Nun ist ja die spannende Frage: War er denn jemals der rechtmäßige Eigentümer? Also, kann man Eigentum erwerben durch Ersitzen, indem man 50 Jahre lang einfach drauf sitzt?

Wiedemann: Das ist die komplizierte Frage.

Führer: Sonst hat sich ja keiner gemeldet!
„Das kann man nicht mehr guten Stil nennen“

Wiedemann: In extremen Fällen, so sagen Juristen, wäre das schon denkbar, in extremen Fällen wäre so etwas denkbar. Aber in diesem Fall … Die Stadt selber, Berlin, das Kulturamt hat ja Strafanzeige gestellt. Das heißt, sie glauben, das gehört der Stadt. Und Museumsinhalte gehören der Stadt oder dem Land oder der Stiftung.

Führer: Genau, wir müssen einen kleinen Schritt zurückmachen, denn die Frage ist ja: Wem gehörte dieser Nachlass Ifflands, bevor Herr Fetting ihn gefunden hat?

Wiedemann: Ja, immer der Stadt, nehme ich an, also Stadt Berlin oder Land Berlin oder Land Preußen.

Führer: Es war öffentlicher Besitz.

Wiedemann: Darüber sollten wir jetzt nicht reden, das ist kompliziert.

Führer: Aber war in öffentlicher Hand, das ist ja das Entscheidende.

Wiedemann: Er war in einem 1929 gegründeten Theatermuseum, das an die Linden-Oper angeschlossen war. Und dieses Theatermuseum wurde nach dem Krieg in der DDR nicht weitergeführt, aufgelöst und auf andere Museen verteilt, zum Beispiel auf das Märkische Museum, also das Stadtmuseum Berlin. Und es fehlt dieses Kernstück, also eins der wichtigsten Einzelteile dieses Museums.

Führer: Gut, und deswegen hat der Berliner Kultursenat da Anzeige erstattet, deswegen ist der Verkauf auf der Messe auch erst mal gestoppt. Nun hat ja aber das Wiener Antiquariat diesen Nachlass im guten Glauben erworben von Herrn Fetting. Und das erinnert ein bisschen, wenn er das jahrzehntelang in seiner Privatwohnung gehortet hat, das erinnert erst mal so ein bisschen an den Fall Gurlitt. Ist das jetzt sozusagen ein Fall Fetting für die Theaterwelt?

Wiedemann: Ja, natürlich. Diese Parallele hat ja auch dazu geführt, dass die Presse so darauf angesprungen ist, dass heute drei sehr große Artikel in den wichtigen Tageszeitungen sind. Und es wird weitergehen, denn die Sache ist ja offen und die muss jetzt ausgehandelt werden. Entweder als juristischer Fall, als Strafbestand, oder aber als eine Verhandlung, als eine Einigung mit dem jetzigen Besitzer.

Führer: Das hieße, mit dem Antiquariat? Das hat ja aber dem Herrn Fetting eine ganze Stange Geld bezahlt für den Nachlass!

Wiedemann: Nein, also, ich habe das erst heute früh erfahren: Wenn die „Süddeutsche“, also Lothar Müller recht hat, dann hat das Antiquariat für den Gesamtnachlass von Fetting 50.000 Euro bezahlt, dann alles andere, was sie nicht interessiert, als Rückschenkung an die Akademie der Künste zurückgegeben und das Kernstück für 450.000 Euro angeboten. Das kann man nicht mehr guten Stil nennen.

Führer: Herr Wiedemann, wagen Sie einen Tipp, wie das ausgehen wird?

Wiedemann: Ja, ich bin in dem Fall Optimist. Für unsere Arbeitsstelle ist dieser Nachlass ganz, ganz wichtig, er wird nach Berlin zurückkommen, alles andere wäre ein Desaster.

Führer: Das sagt Professor Conrad Wiedemann von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Danke für Ihren Besuch im Studio, Herr Wiedemann!

Wiedemann: Bitte!

Führer: Und ich will noch darauf hinweisen, dass der Iffland-Nachlass auch Thema heute Abend in unserem Kulturmagazin „Fazit“ nach 23:00 Uhr ist, und dann mit der Theaterhistorikerin Ruth Freydank!

Conrad Wiedemann im Gespräch mit Susanne Führer

Susanne Führer
DeutschlandRadio
07.01.2014

Geschichte des „Korrespondenzarchiv“ August Wilhelm Ifflands ist verworren

Plötzlich sind sie wieder da: Über 6000 Schriftstücke des legendären Theatermachers in Preußen, August Wilhelm Iffland. Die Sammlung umfasst seine Korrespondenz. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt sie lange als verschollen.

Zunächst gehörte es zu den Beständen der Preußischen Staatstheater, die nach dem 1. Weltkrieg ein Theatermuseum gründeten, im „Intendanzgebäude“ wurde der Iffland-Nachlass wohl aufbewahrt; vermutlich ohne Bestandsaufnahme. 1937 zog man mit dem Museum ins Berliner Schloss um; kurz vor Kriegsende wurden die Bestände in großer Eile ausgelagert, um sie vor Bombenangriffen zu schützen: protokolliert wurden diese Auslagerungen ebensowenig wie nach dem Krieg die Bergungsarbeiten. Da das Theatermuseum als Teil der Preußischen Staatstheater keinen wirklichen Rechtsnachfolger hatte, fühlte sich – vermutlich – auch für das „Korrespondenzarchiv“ niemand wirklich zuständig.

Teile der Museumssammlung landen in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, was im Ostsektor gefunden wird, bekommt zunächst die Staatsoper Unter den Linden, von dort geht es ins Archiv der Akademie der Künste der DDR. Einer ihrer Mitarbeiter ist von den 50er- bis zu den 70er-Jahren der Theaterwissenschaftler Hugo Fetting. Aus einer Untersuchung, die die Akademie der Künste 2013 anstellte und aus der die FAZ in ihrer heutigen Ausgabe zitiert, geht hervor, dass Hugo Fetting 1953 die Herausgabe von Ifflands Schriften vorbereitete. Und: dass die Akademie 1954 das Archiv der Staatsoper übernahm, dieses aber in den „Akten der Akademie später nie mehr erwähnt“ wurde.

Strafanzeige gegen Unbekannt

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung gab Hugo Fetting an, die „Korrespondenzbände“ im Mai oder Juni 1953 auf einer „Müllhalde an der Berliner Oberwallstraße“ gefunden zu haben. 2010 versuchte Hugo Fetting, seine Iffland-Sammlung der Akademie der Künste zu verkaufen. Dort hatte man etwa aufgrund von Besitzstempeln der Akademie den Eindruck, Teile der Sammlung würden ihr bereits gehören, lehnte den Ankauf ab, bot stattdessen einen „Finderlohn“ – hatte doch Hugo Fetting laut FAZ angegeben, „den Nachlass vor Vernichtung gerettet zu haben, als ein Gebäude der Staatsoper, in deren Besitz die Bände waren, abgerissen wurde“.

Diesen Finderlohn lehnte wiederum Hugo Fetting ab und verkaufte die Sammlung stattdessen an das eingangs genannte Wiener Antiquariat Inlibris – n

Jürgen König

Ruth Freydank kritisiert Vereinbarung zwischen Akademie der Künste und Antiquariat Inlibris

Der Theaterhistoriker Hugo Fetting will den Korrespondenznachlass August Wilhelm Ifflands 1953 per Zufall gefunden haben: in den Trümmern der ehemaligen Generalintendanz der Preußischen Staatstheater in der Oberwallstraße in Berlin. Seine Kollegin Ruth Freydank glaubt ihm das nicht so recht.

Der eigentliche Ort mit wiedergefundenen Gegenständen aus dem ehemaligen Theaterarchiv und -museum sei die Bibliothek, und dieses Gebäude sei nicht zerstört gewesen, sagte Freydank im Deutschlandradio Kultur:

„Außerdem waren ja doch schon einige Jahre nach dem Krieg vergangen und man hatte aufgeräumt. Und es war auch so, dass Herr Fetting in diesen Räumen im Honorarauftrag für die Oper die Ordnung dieser dort lagernden Bestände übernehmen sollte und also genau wusste, womit er es da zu tun gehabt haben wird“,

sagte die Autorin des Buches „Der Fall Berliner Theatermuseum“.

Bestände auf Lastwagen verlagert

Fraglich sei, was mit den Materialien aus dem Bibliotheksgebäude nach dessen Abriss geschehen sei, so die Theaterhistorikerin weiter:

„So wie er [Fetting] es mir geschildert hat, sind diese Bestände, die dort vorhanden waren oder große Teile dieser Bestände auf Lastwagen verlagert worden und sind dann nach Merseburg in das von der DDR geschaffene Zentralarchiv befördert worden.“

Sie selbst sei Anfang der 80er-Jahre in Merseburg gewesen, habe allerdings nur wenig Material einsehen können, „allerdings eindeutig auch Materialien aus Ifflands Direktionszeit“. Sie gehe davon aus, dass diese vorher in der Bibliothek in Berlin untergebracht gewesen seien.

Kritisch äußerte sich Freydank zur Vereinbarung zwischen der Akademie der Künste und dem Wiener Antiquariat Inlibris, in der die Akademie das Eigentumsrecht des Antiquariats an der Aktensammlung anerkennt:

„Das ist sicher eine schwierige Entscheidung, ganz einfach deshalb weil ja Herr Fetting Angestellter der Akademie war als Leiter dieses Archivs. Und wie er in den Besitz dieser Bände gekommen ist, ist dann eine zweite Frage.“

Anke Schaefer

Verbotene Bücher haben schon immer ihren Reiz – für Leser wie für Sittenwächter. Die Antiquariatsmesse Ludwigsburg steht ganz unter dem Zeichen des Themas „Zensur“.

Petra Bewer, Organisatorin der Antiquaria, ist es gelungen, nach dem Thema „Fotografie“ 2013 bei der kommenden Büchermesse vom 23. bis 25. Januar in der Ludwigsburger Musikhalle mit „Zensur“ auf die inhaltlichen Werte von Büchern hinzuweisen.

[…]

Die Preisspanne reicht von „erschwinglich“ bis „Höchstpreis“. Der liegt bei 450.000 Euro für 34 Bände mit rund 6.000 Schriftstücken, darunter Briefe von Goethe, August Wilhelm Schlegel und Johanna Schopenhauer. Das Konvolut stammt von August Wilhelm Iffland, der sich größte Verdienste als Leiter des Berliner Nationaltheaters erwarb. Der Theatermann führte zudem eine reichhaltige Korrespondenz, seit über 50 Jahren galt sein jetzt angebotenes Archiv als verschollen.

Lediglich 50 Euro kostet dagegen „Irene“ aus dem Jahre 1969 von Albert de Routisie – ein Pseudonym. Das Buch erschien 1928, wurde sofort verboten, der Vertrieb von Neuauflagen wurde bis 1967 gerichtlich untersagt. Albert Camus hielt „Irene“ für ein erotisches Meisterwerk, es zählt zu jenen Werken, die dem Ausstellungsmotto „Zensur“ untergeordnet sind.

Jörg Palitzsch

Weiter Streit um den bei einem Wiener Antiquariat aufgetauchten Nachlass von August Wilhelm Iffland: Berlin sieht in den Dokumenten ein „nationales Kulturerbe“ – und fordert die Rückgabe!

„Inlibris“ für 450.000 Euro zum Kauf angebotene „Iffland- Schatz“ („Heute“ berichtete): Laut „Spiegel“ erhebt die Berliner Kulturverwaltung jetzt Anspruch auf die mehr als 7.000 Dokumente, da sie in ihnen ein „nationales Kulturgut“ sieht. Brisant: Der Schatz wurde ausgerechnet vom Berliner (!) Sammler Hugo Fetting (90) an „Inlibris“ verkauft, die den Nachlass jetzt auf einer Messe anbot. Der Verkäufer, gegen den Strafanzeige eingereicht wurde, wehrt sich: „Ich habe die Dokumente doch vor der Zerstörung gerettet!“

Fetting will sie bereits 1952 in den Trümmern eines Hauses in Ost-Berlin entdeckt haben. Jetzt müssen wohl Gerichte klären, wem das einmalige Erbe gehört. „Inlibris“ um Geschäftsführer Hugo Wetscherek sieht sich jedenfalls im Recht: Die Berliner Akademie der Künste hatte ihm vor Jahren eine „Eigentumsanerkenntnis“ ausgestellt. Bis der Rechtsstreit geklärt ist, wird eine Wiener Rechtsanwältin den Schatz verwahren.

Thomas Staisch

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